Esslinger Hochhauspläne Ein „Crystal Rock“ für die Neue Weststadt

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Esslingen soll einen spektakulären Neubau bekommen. Ein weltweit renommiertes Architekturbüro aus Rotterdam hat den Bau geplant. Baubeginn könnte 2020 sein.

Die Topografie und die Esslinger Gemarkungsgrenzen spiegeln sich in der Fassade wider. Foto: MVRDV 9 Bilder
Die Topografie und die Esslinger Gemarkungsgrenzen spiegeln sich in der Fassade wider. Foto: MVRDV

Esslingen - Eigentlich sollten alle Gebäude in der Esslinger Neuen Weststadt, dem ehemaligen Güterbahnhofgelände, maximal siebengeschossig werden. Doch an der Kreuzung Südtangente/Schlachthofstraße, also zwischen der geplanten Wohnbebauung und dem Neubau der Hochschule, direkt angrenzend an den zentralen Stadtplatz der Neuen Weststadt, könnte in wenigen Jahren ein architektonisch außergewöhnliches, zwölfgeschossiges Hochhaus in den Himmel ragen: der „Crystal Rock“.

So nennt das renommierte Rotterdamer Architektenbüro MVRDV seinen Entwurf, den es im Auftrag des Saarbrücker Investors RVI erarbeitet hat. Mit Ausnahme des Hochschulareals überbaut RVI das gesamte ehemalige Esslinger Güterbahnhofsgelände. Das neue Hochhaus soll rein gewerblich genutzt werden, wobei in den unteren Etagen auch Cafés und Bars zum Verweilen einladen sollen. Der nun vorgestellte Entwurf ist im Beteiligungsgremium, in dem unter dem Vorsitz des Architekturprofessors Gunther Laux Fachleute, die Verwaltungsspitze, Vertreter sämtlicher Gemeinderatsfraktionen, des Bürgerausschusses Innenstadt, des Planungsbeirats der Esslinger Architekten sowie der Bauherr saßen, auf einhellige Zustimmung gestoßen.

Das Haus wird mehr als 40 Meter hoch

Die Idee des niederländischen Architekten Winy Maas vom Büro MVRDV ist es, auf der Fassade zum Stadtplatz die Topografie und die Esslinger Gemarkungsgrenzen sichtbar zu machen. So soll im unteren Bereich des etwas mehr als 40 Meter hohen Gebäudes eine dreidimensionale, teilweise begehbare Fassade entstehen. Eine Passage durch das Hochhaus führt in Richtung Bahngleise und den geplanten Neckaruferpark. Die in den Baukörper eingeschnittenen Würfel können von den Bürgern als Treppen, Plattformen oder Podeste genutzt werden. Auch von der Südtangente betrachtet soll das Gebäude zum Blickfang werden. Geplant ist eine Glasfassade, die teilweise transparent ist, also den Blick ins Gebäude ermöglicht, teilweise aber auch verspiegelt sein wird.

„Dieser Beitrag ist ein Ausdruck des kreativen Spannungsbogens von Tradition und Moderne in Esslingen“, lobt der Esslinger Oberbürgermeister Jürgen Zieger das Projekt. Für ihn ist der „Crystal Rock“ „Ausdruck des Selbstbewusstseins unserer Stadt, ein solches Projekt zu wagen“.

Zahlreiche außergewöhnliche Projekte

MVRDV steht für Namen der drei Architekten Winy Maas, Jacob van Rijs und Nathalie de Vries. Vor mehr als 20 Jahren haben sie ihr Architekturbüro in Rotterdam eröffnet und haben sich seither mit außergewöhnlicher und innovativer Architektur weltweit einen Namen gemacht. Mittlerweile hat MVRDV mehr als 200 Mitarbeitern in zahlreichen Dependancen auch in China. Unter anderem haben die Architekten die Markthalle in Rotterdam, die Bibliothek in Tianjin auf Taiwan und den niederländischen Pavillon für die Expo 2000 in Hannover entworfen.

Noch befinden sich die Überlegungen für den „Crystal Rock“, so betonen Jürgen Zieger und Holger Heible, der Esslinger Projektleiter von RVI, in einer sehr frühen Phase. Momentan könne man, so Heible, deshalb noch keine Angaben zu den Baukosten machen. MVRDV habe aber mehrfach bewiesen, dass die Architekten nicht nur optisch absolut außergewöhnliche, sondern auch wirtschaftlich umsetzbare Lösungen vorgeschlagen haben. Heible ist deshalb „zu 95 Prozent“ sicher, dass RVI den „Crystal Rock“ in Esslingen verwirklichen wird. Mit den Arbeiten könne man voraussichtlich Anfang 2020 beginnen.

Bauliche Details müssen noch geklärt werden

An baulichen Details, so merkte der Leiter des Stadtplanungsamts, Daniel Fluhrer, an, werde man aber sicher noch feilen müssen. So könne nach aktuellem Diskussionsstand die Höhe des Baus zwischen zehn und 13 Geschossen liegen. Auch bei der Fassadengestaltung – gepixelt und/oder gespiegelt – gäbe es noch keine abschließende Meinungsbildung.

Entstehen sollen, so Heible, auf rund 6500 Quadratmetern Bruttogeschossfläche Büroräume für innovative Arbeitsplätze. Mit dem Hochhaus erfülle RVI auch die im Vertrag mit der Stadt Esslingen festgelegte Fläche, die in der Neuen Weststadt für Gewerbetreibende angeboten werden muss: Demnach werden 70 Prozent der Weststadt fürs Wohnen genutzt, 30 Prozent für Gewerbeflächen.

Für den Vorsitzenden der Jury, Gunther Laux, ist das Hochhaus „ein überzeugender Beitrag in der Vermittlung zwischen der Blockstruktur der Neuen Weststadt einerseits und der angrenzenden neuen Hochschule andererseits.“ Zusammen mit dem Stadtplatz soll der „Crystal Rock“ das Zentrum der Neuen Weststadt bilden. Auch abends soll das Gebäude dank seiner perforierten und teilverspiegelten Fassade außergewöhnliche Lichtspiele ermöglichen und eine ganz besondere Atmosphäre auf dem benachbarten Stadtplatz zaubern. Das Hochhaus, so Jürgen Zieger, könne zum Sinnbild dafür werden, „dass Esslingen eine große Vergangenheit habe, aber in die Zukunft lebe“.




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