Esslinger Hochschulareal Flandernstraße Erste Schritte hin zum neuen Wohnquartier

Weithin sichtbar prägt das Hochschulgebäude an der Flandernstraße das Stadtbild. Was daraus wird, ist noch unklar. Foto: Roberto Bulgrin

Bis zu 650 neue Wohneinheiten könnten an der Esslinger Flandernstraße entstehen, wenn die örtliche Hochschule ihren Campus 2026 räumt. Konkrete Pläne liegen allerdings noch nicht vor, und die Situation am Immobilienmarkt macht das Projekt nicht einfacher.

Reporter: Alexander Maier (adi)

Wenn die Hochschule Esslingen zum Sommersemester 2026 ihr neues Domizil in der Neuen Weststadt bezieht, ist auf dem bisherigen Campus an der Flandernstraße der Weg frei für eine städtebauliche Neuordnung. Auf knapp sieben Hektar könnten dort bis zu 650 Wohneinheiten entstehen. Ursprünglich hatte die Stadt angekündigt, dass die Bagger schon kurz nach dem Auszug der Hochschule anrücken sollen, doch ein genauer Plan steht noch aus – noch ist nicht klar, was aus dem Hochschulareal an der Flandernstraße werden soll. Nun will die Stadt in einem ersten Schritt einen städtebaulichen Rahmenplan festlegen. Acht Planungsbüros werden eingeladen, sich Gedanken zu machen, wohin die Reise gehen könnte. Am Ende soll ein Konzept stehen, wie das neue Stadtquartier aussehen wird.

 

Millionenschweres Tauschgeschäft

Um einen Umzug der Hochschule aus der Flandernstraße in die Neue Weststadt zu ermöglichen, war 2016 ein Tauschgeschäft vereinbart worden: Das Land erwirbt 17 500 Quadratmeter Baugrund in der Neuen Weststadt für 5,8 Millionen Euro von der Stadt. Die Stadt kauft dafür vom Land das 67 400 Quadratmeter große Hochschulareal an der Flandernstraße für 23 Millionen Euro.

Weil dieses Geld binnen drei Wochen nach dem Auszug der Hochschule fällig wird, muss die Stadt ein lebhaftes Interesse daran haben, ihre Pläne für das Hochschulareal möglichst rasch zu realisieren. Jeder Tag, den die Kommune ihre Investition nicht refinanzieren kann, kostet bares Geld. Und angesichts deutlich schwierigerer Rahmenbedingungen am Immobilienmarkt scheint eine zeitnahe Vermarktung zumindest zu den von der Stadt erhofften Konditionen derzeit in weiter Ferne. Entsprechend groß war der Unmut bei einigen Ratsmitgliedern, als die Verwaltung dem Ausschuss für Technik und Umwelt (ATU) im Mai das weitere Vorgehen präsentierte.

Acht Büros machen Vorschläge

Seither hat sich einiges getan. Nun ließ sich das Stadtplanungsamt vom ATU die nächsten Schritte absegnen. Geeinigt hat man sich auf ein sogenanntes Werkstattverfahren, in dem acht von der Stadt angefragte Büros ihre Vorstellungen formulieren und möglichst auch schon mit „vertiefenden architektonischen Betrachtungen“ untermauern sollen. Den Vorteil dieses Verfahrens sieht Stadtplanungsamtschef Axel Fricke nicht nur in einer Zeitersparnis, sondern auch darin, dass es schon während der Bearbeitung möglich werde, Konzepte nachzuschärfen sowie Öffentlichkeit und Jury einzubinden. In der Auslobung werden verschiedene Eckpunkte formuliert, die zu beachten sind. So soll der Schwerpunkt auf Wohnbebauung liegen, verschiedene Bauformen sind erwünscht, die bestehenden Wohngebäude sollen möglichst erhalten und bei der Planung berücksichtigt werden. Die Realisierung des Konzepts, das in weiteren Planungsphasen bis zur Baureife konkretisiert werden muss, soll in mindestens drei Bauabschnitten möglich sein, um die Vermarktung zu erleichtern und um der Stadt die Möglichkeit zu geben, bei der Realisierung zumindest in Teilbereichen eventuell selbst aktiv zu werden. Im Vorfeld des Werkstattverfahrens, in das auch die betroffenen Bürgerausschüsse und die Öffentlichkeit einbezogen werden sollen, hatte die Stadt bereits detaillierte Untersuchungen unter anderem in den Baugrund und die Gebäudesubstanz in Auftrag gegeben.

Im ATU fanden die Vorschläge des Stadtplanungsamtes fast durchweg Zustimmung: Ben Baecker (Grüne) unterstrich den Anspruch, mit Blick auf Nachhaltigkeit und Ökologie die bestehenden Hochschulgebäude so weit wie möglich zu erhalten und auch die dortige Sporthalle und das Parkhaus einzubeziehen. Heidi Bär (SPD) hätte sich angesichts der Bedeutung des Projekts gewünscht, dass sich mehr als acht Planungsbüros beteiligen dürfen. Sie unterstrich den Anspruch, dass auf der Flandernhöhe möglichst viel bezahlbarer Wohnraum entsteht: „Das ist die letzte Gelegenheit in unserer Stadt, großflächig etwas dafür zu tun.“ Eberhard Scharpf (Freie Wähler) brach eine Lanze für den Einsatz von Holzbauweise und er regte an, ein dafür besonders qualifiziertes Büro zusätzlich anzufragen.

Was wird aus den alten Betonbauten?

Rena Farquhar (FDP) erinnerte daran, dass die Stadt mit ihren Planungen „leider, leider sehr spät dran“ sei. Umso wichtiger sei es, rasch voranzukommen. Bestehende Betonbauten zu erhalten, „wäre schön, aber nicht um jeden Preis“. Karin Pflüger (CDU) sieht das genauso – sie würde dem Bau von Wohnungen für städtische Mitarbeiter den Vorrang vor sozialem Wohnungsbau geben. Johanna Renz (Linke) monierte derweil, dass das Werkstattverfahren dazu führen werde, dass die Flächen auf der Flandernhöhe an Investoren verkauft werden. Ihre Fraktion würde es lieber sehen, wenn Flächen wie diese in städtischem Besitz bleiben.

Die nächsten Etappen auf dem Weg zum neuen Stadtviertel

Ziele
 Die städtebauliche Neuordnung des Hochschulareals an der Flandernstraße bietet der Stadt viele Möglichkeiten. Im Rathaus sieht man diese Immobilie als Herausforderung und Chance für eine ressourcenschonende Quartiersentwicklung. Von den acht Planungsbüros, die Konzepte für einen Rahmenplan vorlegen sollen, werden „rentable und realisierbare Vorschläge“ erwartet, wobei die bestehenden Gebäude so weit wie möglich einbezogen werden sollen. Jedes der acht Konzepte soll in mindestens drei Bauabschnitten realisierbar sein. Erwünscht ist eine große Bandbreite von Bauformen und Trägermodellen. Im Zentrum des neuen Viertels soll eine Quartiersmitte entstehen mit Lebensmittelmarkt und zusätzlichen Dienstleistungsangeboten „zur Schaffung eines funktionierenden, vielfältigen Quartiers und zur weiteren Behebung der Unterversorgung der nördlichen Stadtteile“, wie es in der Projektbeschreibung heißt. Zur Attraktivität des neuen Stadtviertels soll eine differenzierte Infrastruktur mit Kita, Quartierstreff, Sport- und Freizeitangeboten für alle Generationen beitragen.

Zeitplan
 Nachdem der Ausschuss für Technik und Umwelt grünes Licht gegeben hat, können die beteiligten Planungsbüros demnächst mit der Arbeit beginnen. Bürgerausschüsse und Öffentlichkeit sollen einbezogen werden. Eine Jury soll dann im Januar die eingereichten Arbeiten begutachten, ehe der Gemeinderat im ersten oder zweiten Quartal beschließen soll, welchen Vorgaben die weiteren Planungen für die Flandernhöhe folgen sollen.

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