Noch ist beim Esslinger Marktplatz gestalterisch viel Luft nach oben. Foto: Roberto Bulgri/n
Nach Jahren des Stillstands drückt die Esslinger Stadtverwaltung bei der Neugestaltung des Marktplatzes aufs Tempo. Der Bürgerausschuss Innenstadt sieht in den Plänen viel Positives – hat aber auch noch Wünsche.
Alexander Maier
03.02.2025 - 16:38 Uhr
Die Diskussion über die Zukunft des Esslinger Marktplatzes ist auf der Zielgeraden: Die Pläne der Stadtverwaltung liegen auf dem Tisch, der gemeinderätliche Ausschuss für Bauen, Mobilität und Klimaschutz hat große Sympathie für die Vorstellungen der Planer signalisiert. Ehe der Gemeinderat am 10. Februar entscheidet, hat der Bürgerausschuss Innenstadt Stellung zu den Plänen genommen. Und er fordert die Ratsmitglieder auf, dem weiteren Vorgehen „nur bedingt zuzustimmen“ und mehr Beteiligungsmöglichkeiten vor allem bei Bodenbelag und Möblierung vorzusehen. „Die Akzeptanz von Politik und von Bau- und Änderungsmaßnahmen kann aus unserer Sicht nur auf diesem Weg hergestellt werden“, heißt es in der Stellungnahme.
Die Bürgerausschuss-Vorsitzenden Siri Paflitschek und Leonhard Hell begrüßen es, dass die Stadt die Sanierung des Marktplatzes zügig in Angriff nehmen will und dass einige Anregungen des Bürgerausschusses aufgegriffen wurden. Allerdings habe die gewünschte weitere Beteiligung seit März 2024 nicht mehr stattgefunden.
Mehr konsumfreie Aufenthaltsorte in Esslingen gefordert
Die Nutzungsmöglichkeit als Marktplatz sei weiterhin „gut gegeben“, auch wenn kein Zuwachs ersichtlich sei. Die erweiterten Möglichkeiten für Außengastronomie werden positiv gesehen. Allerdings würde es der Ausschuss begrüßen, „wenn die zusätzliche Gastronomiefläche am Chor des Münsters St. Paul angesichts des Mangels an qualitätsvollen Freiflächen mit Aufenthaltsqualität in der Innenstadt als konsumfreier Aufenthaltsort gestaltet werden könnte“.
Dass die Infrastruktur für Veranstaltungen verbessert wird, sieht der Bürgerausschuss positiv. Die bestehenden Holzplateaus unter den Bäumen hätten sich bewährt, weil sie unterschiedliche Nutzungen zulassen. „Demgegenüber bieten die nun geplanten Sitzmöglichkeiten ein wesentlich kleineres Spektrum an Nutzungsmöglichkeiten“, heißt es in der Stellungnahme. „Hier sehen wir im Grunde nur die Nutzung zum abgewandten Sitzen mit dem Charme einer Wartehalle. Deshalb fordern wir bei diesem Punkt im Falle einer Neugestaltung unbedingt mehr Kreativität.“ Die Möblierung des Platzes und die geplanten Baumbeete dürften großen Veranstaltungen nicht im Wege stehen.
Historische Bezüge mit mehr Kreativität
So soll der Marktplatz nach der Umgestaltung aussehen. Foto: Visualisierung J/ost Hauer
Die Spielmöglichkeiten im Schwörhof werden positiv bewertet, zusätzliche Angebote seien nicht zwingend nötig, „wenn dies auch in der Bevölkerung unterschiedlich gesehen wird“. Ein Podest für kleine Aufführungen im nordwestlichen Bereich wird begrüßt. Die historischen Bezüge in der bisherigen Planung findet der Bürgerausschuss spärlich und wünscht sich mehr Kreativität. Positiv werden das Fontänenfeld und zusätzliche Bepflanzungen bewertet. Bei Letzteren hofft der Bürgerausschuss sogar auf noch mehr.
Das Konzept öffentlicher Toiletten hält der Bürgerausschuss nach der Wiederinbetriebnahme der Toilette in der Unterführung Untere Beutau für ausreichend. Das geplante Blindenleitsystem dürfe durch Gastronomietische nicht beeinträchtigt werden. Weil die Wahl des richtigen Belags wesentlich sei für die Akzeptanz des neuen Marktplatzes, fordert der Bürgerausschuss, „dass unbedingt eine Bemusterung vor Ort im Spektrum der technisch möglichen Bodenbeläge vorgenommen wird“. Material und Verlegetechnik müssten probeweise vorgeführt werden.
Anwohnerparkplätze in Esslinger Innenstadt sollen bleiben
Die Reduzierung des Autoverkehrs auf das mögliche Minimum findet die Zustimmung des Bürgerausschusses. Perspektivisch solle die Stadt jedoch „über eine Zugänglichmachung der Tiefgarage Kleiner Markt auf anderem Wege nachdenken“, um den Autoverkehr weiter zu reduzieren. Den Erhalt von Anwohnerparkplätzen im Parkhaus Kleiner Markt hält der Bürgerausschuss für alternativlos – im Gegensatz zur möglichen Privatisierung. Ein Ersatz für die bisherigen Parkplätze am Marktplatz sei unbedingt nötig. Die geplanten Fahrradabstellanlagen müssten möglichst nutzerfreundlich positioniert werden.