Orientiert an der Berufswelt
„Engagiert, digital und international“ – so versteht sich die „JFK“ mit kaufmännischer Berufsschule, Wirtschaftsgymnasium, kaufmännischem Berufskolleg und Wirtschaftsschule. Die Schulleiterin Katharina Melke-Lingnau hatte bereits 2017 einen Arbeitskreis für Digitalisierung eingerichtet, denn sie ist überzeugt: „Die Schule muss sich immer wieder neu auf die Anforderungen der Berufswelt einstellen. Wir wollen die menschliche Komponente und die Arbeit im Team stärken, den Schülerinnen und Schülern aber auch Gelegenheit geben, die digitalen Möglichkeiten kennenzulernen und professionell zu nutzen.“
Manche Hürden gemeistert
Als Corona im Frühjahr 2020 kam, hatten bereits alle Lehrer Tablets, erste Ideen für digitalen Unterricht lagen in der Schublade. „Corona hat viele Probleme bereitet, aber auch geholfen, bei der Digitalisierung ganz schnell zu werden“, resümiert die Schulleiterin. Die Lehrerin Karin Schenk erzählt: „Der Einstieg in den digitalen Unterricht war nicht ohne Hindernisse, aber wir haben uns relativ schnell eingefuchst.“ An fehlender Ausstattung konnte der Erfolg nicht scheitern – Schülerinnen und Schüler, die keine Endgeräte hatten, wurden ausgestattet. So konnte nach den Osterferien 2020 der Online-Unterricht nach Stundenplan beginnen. „Um 7.30 Uhr saß jeder vor dem PC und wusste, was ihn erwartet“, sagt Karin Schenk. „Verlässlichkeit ist wichtig, damit die Struktur im Alltag nicht verloren geht.“
Manche Schülerinnen und Schüler hatten bereits Erfahrungen in der digitalen Welt gesammelt, andere hatten Nachholbedarf. Und bei manchen haperte es mit der Internetverbindung. Doch die meisten Probleme ließen sich lösen. „Das war ein Lernprozess“, hat die Lehrerin Christina Reinert beobachtet. Das galt auch fürs Lehrerkollegium, weil digitaler Unterricht anders funktioniert: Einem Schüler über die Schulter zu schauen oder an der Reaktion zu erkennen, ob etwas verstanden wurde, geht nicht. Und mal kurz die Nebensitzerin fragen auch nicht. Immerhin bot die digitale Kommunikationsplattform Teams die Möglichkeit, in virtuellen Räumen in kleineren Gruppen zu arbeiten.
Alle ziehen mit
Lehrerin Sabine Kempf und das Digitalisierungsteam hatten gute Vorarbeit geleistet und standen bei technischen Fragen bereit. Es gab Schulungen, und wer weniger fit war, wurde von versierteren Lehrern unterstützt. Beim pädagogischen Tag konnte jeder von seinen Schwierigkeiten berichten. So haben alle gesehen, dass auch bei anderen nicht alles sofort klappt. Diese Offenheit war Katharina Melke-Lingnau wichtig: „Es gab keinerlei Druck. Und obwohl wir uns alle nach Präsenzunterricht gesehnt haben, gab es keine Gegenstimme, weil jeder gespürt hat, dass es lange Zeit keine Alternative gab.“
Der Online-Unterricht hat vieles ermöglicht, doch die Schulleiterin weiß auch um die Defizite: „Was fehlt, sind Projekte, die Arbeit in der SMV – das zwischenmenschliche Miteinander, das Schule auch ausmacht.“ Dasselbe gilt für Austauschprogramme und Auslandsaufenthalte – etwa die sonst üblichen Fahrten nach Straßburg. Dafür wurde etwa der vierwöchige Austauschaufenthalt in Madrid digitalisiert – inklusive Kochkurs und Stadtführung. „Das hat den Schülern viel gebracht und ihnen richtig gut gefallen“, berichtet Sabine Kempf.
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Auch wenn alle hoffen, dass künftig wieder Präsenzunterricht möglich sein wird, will man an der „JFK“ die digitalen Möglichkeiten nicht mehr missen. Das fängt mit ganz praktischen Dingen an: Karin Schenk denkt etwa an jenen Schüler, der einen Unfall hatte und wochenlang nicht zur Schule kommen konnte, obwohl seine Mitschüler längst zurück im Klassenzimmer waren: „Wir haben ihn digital zugeschaltet. So hat er nichts verpasst.“ Christina Reinert hofft, dass Teams der Schule erhalten bleibt: „Da können die Klassenlehrer Organisatorisches regeln, Materialien bereitstellen und müssen keine wertvolle Unterrichtszeit vergeuden.“
Katharina Melke-Lingnau sagt: „Wir werden diese Möglichkeiten der digitalen Kommunikation erhalten. Das eröffnet uns auch international viele Möglichkeiten und lässt die Schüler die Technik nutzen, die im Beruf selbstverständlich ist. Wenn wir sie auf die Zukunft vorbereiten möchten, müssen wir weiter darauf schauen, wie sich ihre Arbeitswelt entwickeln wird. Dafür braucht es menschliche Kontakte, aber auch Know-how. Das heißt aber nicht, dass man nur vor der Kiste sitzen muss. Über allem steht die Frage: Was brauchen wir, um unser Leben als Menschen zu bereichern und positiv zu verändern? Das muss Schule auch vermitteln.“
Das Digitale Büro der John-F.-Kennedy-Schule
Konzept
Im Digitalen Büro können die Schülerinnen und Schüler verschiedene Bereiche der digitalen Welt kennenlernen: So lassen sich Werbe- und Erklärvideos produzieren, man kann digital zusammenarbeiten, Ton- und Videoaufnahmen einspielen und Konferenzsituationen mit internationalen Partnern üben. Produktpräsentationen oder Imagefilme lassen sich ebenso professionell erstellen wie szenische Umsetzungen von Literatur oder Musik. Die entstandenen Produkte können im Unterricht bewertet und als Grundlage zur pädagogischen Gestaltung kreativer Unterrichtsformen genutzt werden.
Platz Ein großzügiger Gruppenarbeitsraum ist mit 30 Tablets und 30 Laptops bestückt. Es gibt einen akustisch abgeschlossenen Raum für Tonaufnahmen und Arbeitsecken, die individuelles Arbeiten ermöglichen.
Ausstattung Damit die jungen Leute optimal arbeiten können, orientiert sich die technische Ausstattung des Digitalen Büros an den aktuellen Anforderungen der modernen Arbeits- und Lernwelt. Das Angebot reicht vom mobilen Greenscreen über digitale Flipcharts, eine Hybridtafel zum Simulieren von Konferenzschaltungen und eine 4K-Kamera bis hin zur mobilen LED-Anlage und programmierbaren Robotern.