Esslingen - Esslingen ist eine Stadt mit einer langen Geschichte – und es lohnt sich, sie in all ihren Facetten zu erkunden. Die Kinder-Biennale hat nicht nur Gegenwart und Zukunft im Blick, sondern auch die Vergangenheit. Mit den Jungen Stadtführern gibt es eine Gruppe, deren Mitglieder Esslingen wie ihre Westentasche kennen – und die Freude daran haben, andere an ihrem Wissen teilhaben zu lassen. Natürlich waren die Jungen Stadtführer auch gefragt, als die Kinder-Biennale in den Herbstferien ein besonderes Freizeitprogramm anbot: In der Unterführung am Kleinen Markt wurde eine Zeitwand gestaltet, die die Entwicklung der einstigen Reichsstadt von den Anfängen bis zur Gegenwart zeigt. Nun wurde die bunte Wand eingeweiht, und der neue OB Matthias Klopfer war unter den Premierengästen.
Kreativer Farbtupfer
Die Unterführung am Kleinen Markt zählt nicht gerade zu den reizvollsten Winkeln der Stadt. Deshalb hat die Kinder-Biennale dort vor Jahren mit einem fantasievollen Mosaik einen Farbtupfer gesetzt. Doch für die Sanierung musste das Kunstwerk wieder weichen. Weil man im Technischen Rathaus jedoch weiß, dass man sich auf die Kinder-Biennale-Initiatorin Margit Bäurle und ihre kreativen Kids verlassen kann, rannten sie offene Türen ein, als sie nun mit einer Idee zur Stadtgeschichte dort anklopften: Auf einer Zeitwand sollte eine Stadtsilhouette aufgemalt und mit prägnanten Jahreszahlen versehen werden – der Bogen spannt sich von der ersten urkundlichen Erwähnung der Stadt im Jahre 777 bis in die Gegenwart. Und hinter der Wand verbergen sich in QR-Codes allerlei technische Finessen.
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Bis zur Vollendung des Projekts war es ein weiter Weg: Trotz schlechten Wetters waren die Ferienprogramm-Kids eine Woche lang in Esslingen unterwegs, um die Stadt aus allen Perspektiven zu erkunden – besonders der Blick vom Turm der Stadtkirche hat die Jungs und Mädchen beeindruckt. Verpflegt wurden sie vom 14-jährigen Mick Tiergärtner, der von der Metro die nötigen Zutaten und von den Kindern hinterher viel Beifall erhielt. Und die Jungen Stadtführer haben gemeinsam mit dem Landesfilmdienst professionell gestaltete Kurzfilme eingespielt: Eine ganze Woche lang haben sich Simone Gunkel und ihr Team ins Zeug gelegt, um die kleinen Filme zu konzipieren und mit allen Finessen umzusetzen und um die QR-Codes bereitzustellen. Epoche für Epoche laden Lilli Rost, Mia Kristin Naumann, Lilli und Isabel Knickel, Marie Mancilik und Daniel Berner nun zu einer Tour durch die Stadtgeschichte ein: Mit Hilfe der QR-Codes können sich historisch Interessierte die Filme per Smartphone anschauen.
Und Margit Bäurle konnte noch weitere Unterstützer für ihr Projekt begeistern: Die Köngener Künstlerin Andrea Halm hat lustige Zwiebeln als Hingucker für die Zeitwand gestaltet, der Kunsthistoriker Markus Golser hat die Jungen Stadtführer bei der Formulierung der ebenso fachkundigen wie unterhaltsamen Filmtexte beraten. Die Firma Scharpf Holzbau hat die Holzplatten für die Zeitwand gespendet und montiert, die Firma Otto Beh hat QR-Codes und Zeittafel gedruckt, Glaser Mayer brachte Zwiebeln und QR-Codes auf der Tafel an. Hinterher war Margit Bäurle genau wie die Kids aus dem Ferienprogramm rundum zufrieden: „Es ist super, wenn eine Idee viel besser wird als gedacht.“
Viel Lob vom neuen OB
Für den neuen OB Matthias Klopfer war’s keine Überraschung, dass das Projekt gelungen ist – immerhin durfte er die Kids der Kinder-Biennale bereits während des Wahlkampfs kennenlernen: „Und jedes Mal hat’s richtig Spaß gemacht.“ Klopfer freut sich über das Interesse der jungen Leute an der Stadtgeschichte, und er kann sich gut vorstellen, dass sich die Jungen Stadtführer bis zum Stadtjubiläum 2027 noch allerhand einfallen lassen. Über die Zeitwand freut er sich besonders: „Jeden Morgen werde ich dort auf dem Weg ins Rathaus vorbeikommen und mich darüber freuen. So fängt der Tag gleich viel besser an.“ Und vielleicht wird die Freude ja bald noch größer, weil rechts neben der Zeitwand noch Platz für weitere kreative Akzente wäre. „Da wird uns sicher auch noch etwas einfallen“, ist Bäurle sicher.
Die Kinder-Biennale und ihre Arbeit
Die Kinder-Biennale
wurde 2009 als Ideenschmiede und Kontaktbörse gegründet, um Kreativprojekte für Kinder in Esslingen auf den Weg zu bringen und zu ermöglichen. Die Künstlerin Margit Bäurle, die seither als Projektleiterin die treibende Kraft hinter unzähligen Angeboten und Projekten ist, hatte die Kinder-Biennale zusammen mit Nicole Kreja auf den Weg gebracht. Inzwischen ist daraus ein gemeinnütziger Verein für kreative Kinderprojekte in Esslingen geworden.
Konzept
Mit Unterstützung von Bildungseinrichtungen, Unternehmen und Medien wie der Eßlinger Zeitung haben Margit Bäurle und ihre Mitstreiter Veranstaltungsreihen, Projekte, Workshops und Ausstellungen für Kinder im Alter zwischen acht und zwölf Jahren organisiert. „Wir vernetzen Bildung, Kultur und Wirtschaft zu Gunsten von Familien und mehr Lebensqualität in unserer Heimatstadt Esslingen“, heißt das Motto.
Anspruch
Die Angebote sollen allen offenstehen: „Wir achten darauf, dass auch Kinder aus sozial schwachen Familien oder mit Migrationshintergrund an unseren Aktivitäten teilnehmen“, unterstreicht Margit Bäurle.