Esslinger Kino auf der Burg Ehrenamtler holen ihren Kinoabend von der Stadt zurück

Für viele gesellschaftlich Engagierte bietet der Tag des Ehrenamts beim Kino auf der Burg viel mehr als nur Filmgenuss. Foto: Roberto Bulgrin

Bislang war der Tag des Ehrenamts im Open-Air-Kino auf der Esslinger Burg gesetzt. Doch in diesem Jahr wollte die Stadt diese exklusive Veranstaltung für ehrenamtlich Engagierte durch eine Kartenverlosung ersetzen. Nach Protesten rudert das Rathaus nun zurück.

Reporter: Alexander Maier (adi)

Der Ärger war groß, als vor einigen Tagen die Nachricht die Runde machte, dass es in diesem Jahr keinen Tag des Ehrenamts beim Kino auf der Esslinger Burg geben soll. Seit 2001 war es guter Brauch gewesen, dass der Oberbürgermeister ehrenamtlich Engagierte zu einem gemeinsamen Kinoabend eingeladen hat. Diesmal ließ die Stadt Vereine und Organisationen wissen: „Wirtschaftliche und organisatorische Gründe haben nun leider dazu geführt, dass wir den Ehrenamtsabend in der bisherigen Form nicht weiterführen können.“ Stattdessen sollten für jeden Kinoabend 30 mal zwei Freikarten unter Engagierten verlost werden. Doch auch wenn Matthias Klopfers Schreiben an die „lieben Ehrenamtlichen“ großzügigst mit Lob für das „vielseitige und herausragende ehrenamtliche Engagement“ in Vereinen, Gruppen und Organisationen garniert war, wollten sich viele damit nicht abspeisen lassen. Nachdem das Thema auch in Gemeinderatskreisen Wellen schlug, musste die Stadt zurückrudern: Zur Eröffnung am 24. Juli gibt es nun 2000 Freikarten für Ehrenamtliche.

 

Streichungspläne überraschen

Eigentlich hatte alles harmlos begonnen: Als Beitrag zur Haushaltskonsolidierung hatte das Büro des Oberbürgermeisters vorgeschlagen, 12 600 Euro durch die Streichung des Zuschusses für den Ehrenamtsabend einzusparen. Von einem Verzicht auf die Veranstaltung war nicht die Rede. Vielmehr hieß es: „Kinoabend mit Koki wird künftig über Sponsor finanziert.“ Verantwortlich für die Umsetzung sollte das OB-Büro sein. Mögliche Risiken dieser Sparmaßnahme sah die Stadt in ihrer Vorschlagsliste zur Aufgabenkritik nicht.

Vermutlich war diese Kürzung auch deshalb so sang- und klanglos im Gemeinderat durchgelaufen, weil sich viele Stadträtinnen und -räte darauf verlassen hatten, dass es den Ehrenamtsabend weiterhin geben würde – nur eben finanziert durch einen Sponsor. Umso überraschter war das kommunalpolitische Ehrenamt, als plötzlich bei Ratsmitgliedern Mails und Anrufe eingingen, die sich empört über das jähe Ende des Ehrenamtsabends zeigten. „Es ist eine Frechheit seitens der Stadtverwaltung“, monierte ein Vereinsvertreter, der eigentlich zu den Besonnenen gehört, sich nun aber echauffierte: „Da ist das Ehrenamt mit Füßen getreten.“ Und eine Leserbriefschreiberin mokierte sich in unserer Zeitung: „Überall engagieren sich hier Menschen im Ehrenamt, und dies ist der Stadt Esslingen offenbar nicht einmal mehr einen kleinen Beitrag wert.“

Erste Nachricht sorgt für Ärger

Dass die Stadt in ihrer ersten Nachricht dank freundlicher Unterstützung durch die Stadtwerke Esslingen und ihr Tochterunternehmen SolarES immerhin Kartenverlosungen angeboten hatte, konnte die Wogen so wenig glätten wie die Zusage des Rathauschefs, „dass wir uns in den kommenden beiden Jahren intensiv Gedanken machen werden, wie der künftige Dank an Sie alle aussehen kann. Selbstverständlich unter Beteiligung von Ihnen.“ Und auch das Angebot ans Ehrenamt, eigene Vorschläge machen zu dürfen, wie man gerne bedankt werden würde, fand nicht den erhofften Widerhall.

Nachdem Anfang der Woche die Kritik auch aus Kreisen des Gemeinderats immer lauter wurde, sah man sich im Rathaus zur Umkehr gezwungen. In einer weiteren Mail an die „lieben Ehrenamtlichen“ ließ der Oberbürgermeister am Dienstag wissen: „Nachdem wir Sie in der vergangenen Woche über einen vorübergehend geänderten Modus im Rahmen des Tags des Ehrenamts zum Kino auf der Burg informiert haben, haben mich zahlreiche Rückmeldungen erreicht. Ich verstehe Ihre Enttäuschung und Ihren Ärger. Und wir haben uns Ihre Kritik zu Herzen genommen. Ich freue mich, Ihnen heute mitteilen zu können, dass wir für Sie mit einer nochmals erhöhten Unterstützung der Stadtwerke Esslingen und deren Tochtergesellschaft SolarES auch in diesem Jahr einen gemeinsamen Abend im Rahmen des Kinos auf der Burg veranstalten können – und das am traditionellen Mittwochabend: Für den Film ‚Bob Marley: One love’ am Mittwoch, 24. Juli 2024, stellen wir insgesamt 2000 Karten kostenfrei für ehrenamtlich Tätige zur Verfügung – also ohne Eigenkostenanteil.“ Bisher war für jedes Ticket ein Unkostenbeitrag von 2,20 Euro erhoben worden.

„Versöhnliches Angebot“

Dazu können die Ansprechpartner in den Vereinen und Organisationen vom 1. Juli an via Internet für ihren Verein, ihre Organisation oder Einrichtung unabhängig von deren Mitgliederzahl bis zu zehn Karten für den Eröffnungsabend bestellen – der Rest des Kartenkontingents von insgesamt 3000 Plätzen geht in den freien Verkauf. Die Vergabe der Freikarten erfolgt „nach dem Windhundprinzip“ – wer zuerst kommt, ist dabei. „Wir hoffen, Ihnen damit ein versöhnliches Angebot zu machen, und freuen uns auf einen schönen Abend beim Kino auf der Burg“, ließ Klopfer mit herzlichen Grüßen wissen.

Infos zum Open-Air-Kino auf der Esslinger Burg

Programm
 Zum Auftakt läuft am 24. Juli Reinaldo Marcus Greens Filmbiografie „Bob Marley: One Love“. Christopher Dolls Aussteigergeschichte „Eine Million Minuten“ ist am 25. Juli zu sehen. David Leitchs Komödie „The Fall Guy“ zeigt Ryan Gosling und Emily Blunt am 26. Juli als Stuntman und Kamerafrau. Freunde französischer Komödien freuen sich am 27. Juli auf Julien Hervés „Oh La La – Wer ahnt denn sowas?“. Am 28. Juli endet die erste Woche auf der Burg mit dem Franz-Kafka-Drama „Die Herrlichkeit des Lebens“. Bora Dagtekins Komödie „Chantal im Märchenland“ läuft am 29. Juli. „Liebesbriefe aus Nizza“ werden am 30. Juli zugestellt. Sam Taylor-Johnsons Amy-Winehouse-Biopic „Back to Black“ ist am 31. Juli zu sehen. Science-Fiction auf höchstem Niveau verspricht Denis Villeneuves Film „Dune: Part Two“ am 1. August. Paola Cortellesis Dramödie „Morgen ist auch noch ein Tag“ folgt am 2. August. Und zum Finale läuft am 3. August die Tragikomödie „Wochenendrebellen“.

Tickets
 Der Vorverkauf startet am 1. Juli online unter www.kinoaufderburg.de und bei der Buchhandlung Provinzbuch. Die Abendkassen öffnen jeweils zum Einlass um 19 Uhr.

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