Esslinger Kommunalwahl Einer von 700 Esslinger Hütern über den Urnengang

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Seit bald 45 Jahren ist Roland Karpentier, der Sprecher der Stadt, als ehrenamtlicher Wahlhelfer dabei. Was treibt ihn an?

Roland Karpentier (links) achtet im Bezirk 24 auf einen korrekten Wahlverlauf. Foto: Rudel
Roland Karpentier (links) achtet im Bezirk 24 auf einen korrekten Wahlverlauf. Foto: Rudel

Esslingen - Normalerweise sitzt er als Büroleiter des Esslinger Oberbürgermeisters und Pressesprecher der Stadt in seinem Büro im Neuen Rathaus. Doch immer dann, wenn eine Wahl ansteht, zieht es Roland Karpentier in die Wahllokale – und das seit fast schon 45 Jahren.

Der 62-Jährige ist einer von 640 ehrenamtlichen Helfern in Esslingen, die mit 60 hauptberuflich mit den Wahlen beschäftigten städtischen Mitarbeitern für einen reibungslosen und korrekten Ablauf von Wahlen sorgen.

Gearbeitet wird im Schichtbetrieb

So ist es auch am Sonntag wieder gewesen. Mit seinem achtköpfigen Team ist Roland Karpentier einmal mehr als Wahlleiter für den Wahlbezirk 24 – Seewiesenschule verantwortlich gewesen. Gearbeitet wird in den Wahllokalen im Schichtbetrieb: Die erste Gruppe sammelt Stimmen von 8 bis 13 Uhr, die zweite dann von 13 bis 18 Uhr, ehe sich alle Wahlhelfer um 18 Uhr zum Auszählen der Stimmen treffen.

Das ist dann der Höhepunkt eines langen Wochenendes. Denn bereits am Freitag ist Karpentier in das zum Wahllokal umfunktionierte Klassenzimmer in der Seewiesenschule gefahren, um die Wahl ordentlich vorzubereiten.

Frühe Wähler haben es eilig

Schließlich gibt es Vorgaben, die einzuhalten sind, die sich aber nicht immer mit den tatsächlich vorgefundenen Gegebenheiten decken. Bei einer früheren Wahl etwa standen zunächst jede Menge auf schweren Holzblöcken montierte Kunstwerke der Kinder einer ordentlichen Abwicklung der Wahl im Weg. Und wenn dann noch bereits um 7.30 Uhr die ersten Wähler auftauchen und auf eine frühe Stimmabgabe drängen, weil sie sonst die Abfahrt des vom Schwäbischen Albvereins organisierten Wanderbusses verpassen, kann schon einmal eine gewisse Hektik aufkommen.

Nach dem ersten Ansturm am Morgen beruhigt sich die Situation aber erfahrungsgemäß schnell wieder. Erst kurz vor der Mittagszeit könne es vorkommen, dass Wähler gerade wegen der oft verwirrenden Ankreuzmöglichkeiten bei den Kommunal- und Kreistagswahlen auch mal eine etwas längere Wartezeit in Kauf nehmen müssten, erzählt Karpentier.

Gut gemeinte Hilfsangebote

Die gut gemeinten Hilfsangebote von Ehefrauen oder Ehemännern, die Partner beim Ausfüllen der Wahlzettel unterstützen zu wollen, müssen die ehrenamtlichen Wahlhelfer ebenso unterbinden wie Wünschen eine Absage erteilen, dem eigenen Nachwuchs Wahlen näherbringen zu wollen und sie deshalb mit zur Wahlkabine zunehmen. „Die meisten haben aber ihre Stimmzettel schon zu Hause ausgefüllt“, weiß Roland Karpentier.

Insgesamt komme aber immer weniger Arbeit auf die Helfer in den Wahllokalen zu. Denn der Anteil der Briefwähler steigt ständig. Hatten 2014 noch rund 13,4 Prozent der Wahlberechtigten von der Möglichkeit der frühzeitigen Stimmabgabe Gebrauch gemacht, so werden es 2019 mehr als 18 Prozent sein.

Die Wähler sind mit Karpentier älter geworden

„Die Wähler sind mit mir älter geworden“, bilanziert denn auch Roland Karpentier. Dass er selbst sich schon früh, gleich nach seiner Volljährigkeit, als Wahlhelfer beworben hat, hat etwas mit seiner Biografie zu tun. Seine Mutter, Ilse Karpentier, war 17 Jahre lang Stadträtin in Esslingen, überhaupt erst die elfte Frau, die es ins Esslinger Stadtparlament geschafft hatte: „Sie hat mich zu vielen Versammlungen mitgenommen. So habe auch ich mich früh für Politik und Geschichte interessiert“, erinnert sich der Stadtsprecher. Einer Partei hat er sich nie angeschlossen. Aber früh habe für ihn festgestanden, dass er sich für diesen Staat engagieren wolle. Bereut hat er es nie – auch nicht nach inzwischen rund 40 Wahlen.