Die Stadt Esslingen will Raum fürs junge Kulturpublikum schaffen. Deshalb gab’s auf der Burg mit Gregor Hägele und Rikas ein Konzert speziell für diese Zielgruppe.

Reporter: Alexander Maier (adi)

Premiere beim Konzertsommer auf der Burg: Erstmals präsentierten die Stadt und der Veranstalter Music Circus ein Konzert, „das wirklich auf die Interessen von Jugendlichen zugeschnitten ist“, wie es sich der Jugendgemeinderat gewünscht hatte. Wo sonst das Durchschnittsalter des Publikums deutlich höher liegt, bestimmten am Samstagabend die Jüngeren das Bild. Dafür sorgten mit dem Popsänger Gregor Hägele und der Band Rikas zwei Acts, von denen man sich „energiegeladene Livemusik und beste Stimmung mit einem Hauch Stuttgarter Lokalkolorit“ versprach. Beides wurde an diesem Abend geboten. Allerdings kam das vorwiegend junge Publikum längst nicht so zahlreich wie die Älteren an den Vorabenden bei den Konzerten von BAP und Parov Stelar, die beide ausverkauft waren.

 

Wenn die Stadt, der Music Circus und der Jugendgemeinderat Bilanz ziehen, werden sie gewiss darüber nachdenken, weshalb die Jüngeren weniger zahlreich auf die Burg gepilgert waren: Lag’s am Eintrittspreis von fast 40 Euro, lag’s am unsicheren Wetter oder schlicht daran, dass die Burg zwar als attraktive Festival-Kulisse etabliert ist, vom jungen Publikum jedoch eher mit etwas anderer Musik in Verbindung gebracht wird?

Ein Powerplay fürs Esslinger Publikum

Die Band Rikas steht für wohlklingenden Sunshine-Pop. Foto: Roberto Bulgrin

Den allermeisten von denen, die trotzdem gekommen waren, dürften solche Gedanken am Samstagabend jedoch rasch vergangen sein. Sie drängten sich lieber vor der Bühne, ließen sich von Gregor Hägeles Powerplay mitreißen und feierten des Popsängers musikalisch gefällig verpackte Botschaften.

Gregor Hägele hatte das Publikum rasch für sich erobert. Titel wie „Komm, lüg’ mich nochmal an“, „Zwischen den Stühlen“, „Ana“, „Generation Bye“ oder „Sophie“ singen seine Fans textsicher und mit Verve mit – erst recken sich die Hände gen Himmel, dann werden unzählige rote Papierherzen geschwenkt. Zwischendurch geht Hägele immer wieder auf Tuchfühlung mit dem Publikum: Mal dürfen zwei junge Damen mit ihm ins Mikro schmettern, ein andermal darf eine Zuhörerin eine Steilvorlage für einen seiner Songs liefern, indem sie erzählt, wie ihr selbst einmal das Herz gebrochen wurde.

Doch Hägele macht seinen Fans unermüdlich Mut, sie selbst zu sein, zu sich zu stehen und sich nie unterkriegen zu lassen: „Ich schicke Euch all meine Liebe von der Bühne runter und spüre, wie ganz viel Liebe von Euch zurückkommt.“

Rikas kehrt nach Esslingen zurück

Bei Gregor Hägeles Songs recken sich die Hände gen Himmel. Foto: Roberto Bulgrin

Nicht ganz so bedeutungsschwer, doch dafür musikalisch umso reizvoller ging’s zu späterer Stunde mit der Korntaler Band Rikas weiter. Sam Baisch, Chris Ronge, Sascha Scherer und Ferdinand Hübner hatten sich beim Esslinger Schwörfest 2023 eindrucksvoll für einen Auftritt auf der Burg empfohlen. Es ist nicht leicht, die Band in irgendein Schublädchen zu stecken. Für manche ist Rikas eine Indie-Pop-Band, andere sprechen von einer Mischung aus Rock, Pop, Soul und Funk. Die Band hat nichts dagegen, wenn ihre Musik als „Sunshine-Pop“ charakterisiert wird. Das passt: Im Handumdrehen verbreiteten die vier Jungs auf der Burg gute Laune, und jeder durfte sich der wohltuenden Leichtigkeit des Seins hingeben.