Esslinger Kulturfest Die weibliche Sicht auf das postfaktische Zeitalter

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Der Kulturausschuss begrüßt die Pläne für das dreitägige „Stadt im Fluss“-Festival im kommenden Jahr. Es soll das postfaktische Zeitalter aus weiblicher Sicht betrachten.

Eindruck vom letzten „Stadt im Fluss“-Festival 2015 Foto: Horst Rudel/Archiv
Eindruck vom letzten „Stadt im Fluss“-Festival 2015 Foto: Horst Rudel/Archiv

Esslingen - Diese Esslinger Gemeinderatsvorlage hat es in sich: Statt einer künstlerischen Leitung soll es beim sechsten Festival Stadt im Fluss eine Kooperation mit einem Theaterensemble geben, zudem mehr professionelle Unterstützung für die Esslinger Akteure durch erfahrene Regisseure und Dramaturgen, ein Generalthema, dass die weltweiten Entwicklungen thematisiert – und das alles in deutlich weniger Spielstätten. Das sind nur einige Vorschläge, die Benedikt Stegmeyer am Mittwoch dem Kulturausschuss für das Festival im nächsten Jahr unterbreitet hat. Dafür hat er zumindest weitgehend die Unterstützung des Gremiums bekommen.

Allerdings kommt die Vorlage, die ohne Zweifel einige richtige Schlüsse aus dem eher enttäuschenden künstlerischen Niveau des letzten Festivals Stadt im Fluss 2015 zieht, in der Beschreibung des Geplanten so sperrig daher, dass der SPD-Stadtrat Richard Kramartschik offen und ehrlich bekannte, dass seine Fraktion manchen Inhalt kaum verstanden habe.

Sperrige Ankündigung

So heißt es dort etwa: „Die Formate sind Musik, Tanz, Performance, Chöre, Paraden, Film und sogenannte Sound Lectures, wobei ein Schwerpunkt auf dem Performativen liegen wird.“ Es sollen „spezifische hybride und interdisziplinäre Formate“ entwickelt werden: „Effektbewusst und mit nahezu/quasi anmaßend großer Geste setzt das Festival auf popkulturelle und mediale Mittel, um das historische Alt­stadt­idyll zu überschreiben.“ Kramartschik mahnte an, dass man angesichts des gerade aktuellen Esslinger Ziels, Kultur für mehr Menschen erfahrbar zu machen, darauf achten müsse, dass die Umsetzung der Pläne verständlicher gelinge.

Als Kooperationspartner hat Stegmeyer die beiden Intendantinnen des Stuttgarter Theaters Die Rampe, Marie Bues und Martina Grohmann, vorgeschlagen. Das Festival steht unter dem Motto „Stadt der Frauen“ und soll sich thematisch, so heißt es in der Vorlage, „mit rechtspopulistischen bis neofaschistischen Bewegungen und patriarchalen Geschlechtervorstellungen der Gegenwart auseinandersetzen“ und dabei eine weibliche Perspektive einnehmen. Konkret sollen die Autorin Gerhild Steinbuch, die Schauspielerin Katharina Bach und Marie Bues als Regisseurin „ein ,Riot Girl‘ für das postfaktische Zeitalter entwerfen“, das offenlegen soll, wie Pseudowahrheiten als Hasspropaganda konstruiert und verbreitet werden.

Spielorte sind der Marktplatz und das Alte Rathaus

Stattfinden soll das Festival vor allem auf dem Marktplatz sowie in allen Räumen des Alten Rathauses. Dabei sollen, so betont Stegmeyer, Esslinger Künstlerinnen und Künstler, Initiativen und Institutionen, wieder in erheblichem Umfang einbezogen werden. Das sei nach wie vor „eine der Säulen von Stadt im Fluss“.

Vom Ablauf her soll das Festival ein dreitägiges Gründungsfest imitieren – mit allem, was dazu gehört: eine feierliche Eröffnung, ein Bankett, Festredner, Grußbotschaften aus aller Welt, Kapellen, Tanz und Paraden. Auf dem Marktplatz soll es rote Teppiche, aber auch Videoleinwände geben. Im Alten Rathaus wiederum könnten intime Performances, Gespräche, Diskussionen sowie „konspirative Begegnungen mit Künstlern“ stattfinden.