Eigene Handschrift
Das größte Kulturfestival der Stadt war 2005 aus der Taufe gehoben worden, um der Esslinger Kultur eine Bühne zu bieten – und um dem Publikum Gelegenheit zu geben, die örtliche Szene zu erleben und Neues zu entdecken. Anfangs ging „Stadt im Fluss“ alle zwei Jahre über die Bühne, mittlerweile folgt man einem dreijährigen Rhythmus, wobei jedes Festival seine eigene Handschrift trägt. Anders als vor drei Jahren, als der damalige Kulturamtsleiter Benedikt Stegmayer lieber eine externe künstlerische Leitung engagierte und dafür nicht nur Beifall erhalten hatte, hat seine Nachfolgerin Alexa Heyder das konzeptionelle Heft selbst in die Hand genommen und ein Kuratoren-Team um sich geschart, das neue Akzente gesetzt hat.
Zusammen mit Chiara Poma Rinkleff und Jörg Freitag vom Jugend- und Kulturzentrum Komma und Dominique Caina aus dem städtischen Kulturamt hat Heyder das Festival noch breiter als bisher aufgestellt, zusätzliche Angebote für Kinder organisiert und den jugendkulturellen Aspekt stärker betont.
„Teilhabe ist für uns ein großes Thema. Deshalb soll es ein Festival für alle sein“, sagt Heyder. Geblieben ist der Anspruch, Esslinger Künstlerinnen und Künstlern eine Bühne zu bieten. „Das war ein klarer Wunsch des Netzwerks Kultur, aber auch aus den Reihen des Gemeinderats“, betont Kulturbürgermeister Yalcin Bayraktar, der aber auch den einen oder anderen Künstler von außerhalb als Bereicherung empfindet.
Anspruch und Relevanz
Die Kuratorinnen und Kuratoren haben ein vielfältiges Programm aus Straßentheater, inszenierten Führungen, Konzerten, Kino, künstlerischen Interventionen, Performances im Stadtraum und vielen weiteren kreativen Aktionen zusammengestellt. Rund 90 verschiedene Programme werden in etwa 180 Veranstaltungen und Aktionen zu erleben sein. Doch „Stadt im Fluss“ möchte nicht nur Event sein – inhaltlicher Anspruch und gesellschaftliche Relevanz liegen Heyder und ihrem Team besonders am Herzen: „Das Festival befasst sich mit Themen, die uns zuletzt begegnet sind und die uns manchmal auch überrollt haben. Themen wie Klimaschutz, Nachhaltigkeit, Corona oder die Digitalisierung gehen jeden etwas an. Und über allem steht die Frage: Was kommt danach? Der Gedanke dahinter ist, jede Krise auch als Chance zu betrachten. Was bleibt, wenn vieles fortgespült ist und sich alles neu entwickeln und definieren muss?“
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Die Antworten, die mehrere hundert Künstler und Kulturschaffende am kommenden Wochenende geben wollen, sind denkbar vielfältig. Einen kleinen Vorgeschmack gab’s bereits bei der Programmpräsentation am Mittwoch, bei der Ramon Schmid und Robeat einige Appetithäppchen aus dem Programm servierten. Eröffnet wird „Stadt im Fluss – Atlantis“ am Freitag, 1. Oktober, um 18 Uhr auf dem Rathausplatz durch Bürgermeister Yalcin Bayraktar. Danach geht es drei Tage lang mit voller Energie weiter. Während tagsüber der Innenstadtraum bespielt wird, geht es am Abend in ausgewählten Kultureinrichtungen weiter. Weil die Platzkontingente in den Sälen coronabedingt beschränkt sind, müssen dort die Plätze reserviert werden – der Eintritt ist so gut wie überall frei.
Komma wird zum Aqua Markt
Eine zentrale Rolle spielt das Jugend- und Kulturzentrum Komma, das während des Festivals zum Atlantis Aqua Markt wird. Das ganze Haus wird bespielt und soll zum Forum für Kunst, Kultur und Konsumkritik werden. „Wir wollen einen Vorgeschmack auf Zukünftiges geben“, verspricht Kurator Jörg Freitag, der jedoch betont: „Wir wollen nicht missionarisch unterwegs sein, sondern Optionen anbieten.“ So, wie das ganze Kulturfest zu einem Markt der Möglichkeiten wird – man muss sich nur bedienen.
Das Festival und die Stadt erleben
Digitaler Rundgang
Kunst und Kultur wollen beim Kulturfest „Stadt im Fluss“ Fenster in neue Welten öffnen. Eine App lädt zu Stadtspaziergängen mit digitalen Kunst- und Augmented-Reality-Inhalten ein. Auf vier Routen können die Betrachter mit ihrem Smartphone und Kopfhörern ausgestattet zu Fuß durch die Innenstadt spazieren und dabei utopische wie dystopische Szenarien sowie Perspektiven auf die Stadt und unsere Gesellschaft erleben. Die künstlerischen Beiträge werden über das Smartphone in den Stadtraum projiziert und beeinflussen die Wahrnehmung des Bekannten. Die App „ATLANTIS – Stadt im Fluss“ kann im App Store und Play Store kostenlos heruntergeladen werden.
Das Programm ist am Freitag von 18 bis 24 Uhr, am Samstag von 12 Uhr bis nach Mitternacht und am Sonntag von 12 bis 22 Uhr zu erleben. Wegen Corona gibt es für einen Teil des Programms ein begrenztes Platzkontingent (Anmeldung erforderlich). Es gelten die 3G-Regeln. Infos und Reservierung unter www.stadtimfluss.de