Schmerz der Erinnerung: Claire Hordijk (links) und das Ensemble in „Der Brettheim-Prozess“ an der Esslinger Landesbühne. Foto: Patrick Pfeiffer
Die Ermordung dreier mutiger Männer, die sich dem Terror der Nationalsozialisten widersetzten, ist Thema des Stücks „Der Brettheim-Prozess“ am Esslinger Theater.
Die Erinnerung an die Verbrechen der Nationalsozialisten verblasst. In seinem Stück „Der Brettheim-Prozess“ arbeitet der Autor Hans Schultheiß ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte am Beispiel eines Dorfes in der Region Hohenlohe auf. Das Geschichtstheater hat am Freitag, 13. März, um 19.30 Uhr im Schauspielhaus der Esslinger Landesbühne Premiere.
Die Geschichte der drei Männer aus Brettheim, die vier Hitlerjungen in ihrem Dorf entwaffnet hatten, um kurz vor der Kapitulation vor den Amerikanern weiteres sinnloses Blutvergießen zu verhindern, hat Schultheiß 1995 im Stück „Die Männer von Brettheim“ dokumentiert – es wurde damals an der Esslinger Landesbühne uraufgeführt. Die drei Männer wurden von der SS wegen „Wehrkraftzersetzung“ ermordet. Tage später nahmen die Amerikaner Brettheim als eine der letzten verbliebenen Bastionen der Nationalsozialisten ein. Dabei zerstörten sie das Dorf fast völlig.
Mehr als 20 Jahre später hat der 72-jährige Autor und Historiker seinen Text von damals weiterentwickelt. „Das Thema ist angesichts rechtsextremistischer Tendenzen in der Gesellschaft drängender denn je“, ist der Regisseur Martin Pfaff überzeugt. Gerade bei der jungen Generation gerate die Geschichte des Nationalsozialismus in Vergessenheit, sagt die Dramaturgin Sarah Frost. Dass die Verbrechen der Nazis nicht nur fernab in den großen Konzentrationslagern, sondern auch in der unmittelbaren Nachbarschaft passiert sind, zeigt Hans Schultheiß’ Stück. Brettheim ist ein Ortsteil von Rot am See, zwölf Autominuten vom Gastspielort Gerabronn entfernt.
Die dunkle Geschichte des Nationalsozialismus: „Der Brettheim-Prozess“ von Hans Schultheiß. Foto: Patrick Pfeiffer
Die Dramaturgie des Stücks, das die Prozesse gegen die Nazi-Verbrechen zum Thema hat, ist zum Teil schwerfällig. Das möchte Regisseur Pfaff aufbrechen, indem er die Menschen sprechen lässt. Im Fokus steht nicht die Gerichtssituation, sondern der Dorfplatz. Ausstatterin Anja Kreher rückt die zwei Dorflinden in den Blick, an denen die drei Männer in den letzten Kriegstagen von den Schergen der SS erhängt wurden – vier Tage lang ließen die Schergen der Nazis sie da hängen. „Mit dem Bild der Dorflinden lässt sich die Atmosphäre der damaligen Zeit nachempfinden.“ Vor den Bäumen zu stehen, das hat Kreher tief berührt. Dieses Gefühl will sie dem Publikum vermitteln.
Zum Probenbeginn hat das Ensemble die Gedenkstätte in Brettheim besucht. Das war nach Martin Pfaffs Worten für alle eine wichtige Erfahrung. Froh ist der Regisseur darüber, „dass wir einen Zeitzeugen getroffen haben, der sich an die Zeit nach den Hinrichtungen noch erinnert hat.“ Mit dem 82-jährigen Reinhold Ohngemach steht ein Schauspieler auf der Bühne, der sich an die Prozesse gegen die Verbrechen der Nationalsozialisten erinnert.
Gedenkstätte für die Männer von Brettheim im Rathaus
Mit Norman Krauß, der die Gedenkstätte „Die Männer von Brettheim“ im Rathaus des Ortsteils betreibt, hatten die Theatermacher Kontakt. Sie wurde zum Gedenken an die drei Ermordeten, den Bauern Friedrich Hanselmann, den Bürgermeister Leonhard Gackstatter und den Lehrer Leonhard Wolfmeyer, errichtet. An jedem ersten Sonntag im Monat öffnet der Förderverein von 14 bis 17 Uhr die Ausstellung. Martin Pfaff wünscht sich, „dass das Esslinger Publikum sich mit der deutschen Vergangenheit auseinandersetzt.“ Diese Erinnerungskultur ist für ihn ein wichtiger Baustein der Demokratie.
Weitere Termine: 18. und 28. März und 10. April im Esslinger Schauspielhaus.