Esslinger Landesbühne Theater aus weiblicher Sicht – Frauenpower bremst die Superhelden
Am 27. Februar hat „Kassandra und de Frauen Trojas“ an der Esslinger Landesbühne Premiere. Da steht das gesamte weibliche Ensemble auf der Bühne.
Am 27. Februar hat „Kassandra und de Frauen Trojas“ an der Esslinger Landesbühne Premiere. Da steht das gesamte weibliche Ensemble auf der Bühne.
Die Ilias des Homer hat die Regisseurin Jenke Nordalm schon als Schülerin begeistert gelesen. Dass der Text aus der Perspektive der Männer erzählt ist, wurde ihr später bewusst. In ihrem Stück „Kassandra und die Frauen Trojas“ verändert die österreichische Autorin Magda Woitzuck den Blickwinkel. Die Esslinger Landesbühne bringt die Deutsche Erstaufführung des Stücks heraus.
Die Premiere ist am Freitag, 27. Februar, um 19.30 Uhr im Schauspielhaus der Esslinger Landesbühne. „Das Stück öffnet im Kontext des Mythos die Perspektive auf die Auswirkungen menschlicher und politischer Entscheidungen“, bringt die Regisseurin den Inhalt auf den Punkt. Dabei erzählt die 42-jährige Autorin, deren Arbeitsschwerpunkt im Hörspiel liegt, Motive des Ilias-Epos aus weiblicher Sicht. Die Uraufführung war im Sommer 2023 bei den Sommerspielen im österreichischen Melk.
Die zweite Vorstellung von „Kassandra und die Frauen Trojas“ hat das Esslinger Theater am 8. März, dem Internationalen Frauentag, angesetzt. Da beginnt die Vorstellung schon um 18 Uhr. „Für Frauen gibt es an diesem Tag 50 Prozent Ermäßigung auf die Tickets“, sagt Dramaturgin Melina Hüttner. Um 21.30 Uhr laden die Frauen im Ensemble ins Podium 2 zur Performance „50 Shades of Rosa, Vol. 3“ ein – auch diese „Überstunde“ findet im Rahmen der Esslinger Frauenwochen statt. Hüttner wünscht sich, dass Frauen und Männer an dem langen Theaterabend über das Thema Gleichberechtigung ins Gespräch kommen.
Mit den sieben Schauspielerinnen des WLB-Ensembles zu arbeiten, war für Regisseurin Jenke Nordalm besonders spannend. Gemeinsam darüber nachzudenken, an welchen Stellen die von Männern dominierten Strukturen die Entwicklung der Frauen hemmen, das fand sie herausfordernd. Da findet Jenke Nordalm nicht zuletzt viele Bezüge zum aktuellen Arbeitsalltag von Frauen im Theater. Zwar habe sich da viel geändert, „aber ein fast rein weibliches Produktionsteam wäre früher schwer vorstellbar gewesen.“ Die Sicht von Künstlerinnen stärker im Theater zu verankern, das bleibt für Nordalm wichtig. Denn strukturelle Benachteiligungen gebe es noch immer, und das auf vielen Ebenen.
Weil Woitzuck in ihrem Text die blutigen Folgen der Kriege für die Frauen im Stück betrachtet, erscheint der Mythos im anderen Licht. Achill, der verklärte Superheld, ist in Wirklichkeit ein brutaler Schlächter. Kassandra, die Seherin, wird von ihrem Vater, dem trojanischen König Priamos, nicht ernstgenommen. Dürren, Hunger und Ungerechtigkeit – all das prangert Kassandra an. Da vertritt die Bühnenfigur eine klare Haltung. Aus diesem Grund findet Regisseurin Nordalm den Text „hoch aktuell“. Doch gerade Kassandras Vater nimmt sie nicht ernst und besiegelt so den Untergang seines Reichs.
„Ein fast rein weibliches Produktionsteam wäre vor Jahren am Theater schwer vorstellbar gewesen.
Jenke Nordalm, Regisseurin
Ort der Handlung ist in weiten Teilen der Palast, den Ausstatterin Vesna Hiltmann als Glamour-Welt und Machtraum zeigt. Spannend findet Jenke Nordalm den Blick auf die Mode der Mächtigen, „die Frauen in ihrer Bewegungsfreiheit einschränkt.“ Ulf Steinhauer hat für die Produktion einen eigenen Soundtrack komponiert. „Er war bei vielen Proben dabei, hat die Musik mit dem Ensemble entwickelt“, sagt Jenke Nordalm. So nah am Entstehen der Theatermusik dran zu sein, das war aus ihrer Sicht auch für die Spielerinnen ein großer Gewinn.
Die nächsten Termine: Die Premiere von „Kassandra und die Frauen Trojas“ ist am 27. Februar um 19.30 Uhr im Schauspielhaus der Esslinger Landesbühne. Weitere Termine: 8., 14., 19. und 27. März.