Esslinger Landesbühne Wenn der Wutpegel kontinuierlich steigt

Von hol 

Friedrich Schirmer, der Intendant der Württembergischen Landesbühne Esslingen (WLB), kündigt für die im September beginnende Spielzeit Premieren an, die gut in die aktuelle Weltsituation passen. Heiter ist das nicht unbedingt.

Auch „Schtonk!“ wird in der kommenden Spielzeit wieder im Angebot der Landesbühne sein. Foto: Ines Rudel
Auch „Schtonk!“ wird in der kommenden Spielzeit wieder im Angebot der Landesbühne sein. Foto: Ines Rudel

Esslingen - Es ist das Stück der Stunde!“ Friedrich Schirmer wird seine bereits fünfte Spielzeit als Intendant der Württembergischen Landesbühne Esslingen (WLB) am 22. September mit einem Klassiker des Absurden Theaters eröffnen. Am Freitag hat Schirmer das Programm für die Saison 2018/2019 vorgestellt.

Eugène Ionescos „Die Nashörner“ sei dabei, so der Intendant, „weit mehr als eine Auseinandersetzung mit dem Herdentrieb und Konformismus in Zeiten der Diktatur. Vielmehr zeigt Ionesco in seinem Stück, wie eine bürgerliche Gesellschaft ihren Wutpegel kontinuierlich anhebt.“ Mit den „Nashörnern“ gibt Schirmer auch ein wenig den Kurs für die kommende Spielzeit vor: „Spröder und rauher“ als der aktuelle Spielplan sei er, „auf spektakuläre Weise vollkommen unspektakulär. In jedem Fall ist er mein Herzensspielplan.“

Eingebettet werden die „Nashörner“ am Eröffnungswochenende in zwei kleinere Premieren. Bereits am 21. September ist unter dem Titel „Die Revolution ist großartig, alles andere ist Quark“ ein Projekt der WLB-Schauspielerin Sabine Bräuning über Rosa Luxemburg und ihre Freunde zu sehen. Am 23. September kommt dann eine Theaterfassung von Tiziano Terzanis Erfolgsroman „Das Ende ist mein Anfang“, eine persönliche Annäherung an den nahenden Tod und zugleich die politische Geschichte eines halben Jahrhunderts, auf die Bühne.

Zerbrochener Krug und ein Besuch der alten Dame

Das Spektrum der weiteren Saison reicht von einem deutschen Klassiker, Heinrich von Kleists „Der zerbrochene Krug“, über Ödön von Horvaths „Glaube, Liebe, Hoffnung“ und „Der Besuch der alten Dame“. Der Friedrich-Dürrenmatt-Klassiker wird auf dem Kesslerplatz als Freilichtstück gespielt.“ Auch gibt es eine Theaterfassung eines der ganz großen amerikanischen Romane. John Steinbeck erzählt in „Von Mäusen und Menschen“ von der berührend ungewöhnlichen Freundschaft zweier Männer, die auf der Suche nach dem amerikanischen Traum sind und die auch im Scheitern zusammenhalten.

Besonders am Herz liegen Friedrich Schirmer „Die barmherzigen Leut’ von Martinsried“. Nach „Der Sheriff von Linsenbach“ ist es das zweite Stück des 2011 gestorbenen Drehbuchautors Oliver Storz, dass nun in Esslingen zu sehen sein wird. Schon einmal, 1989, hatte Schirmer in seiner ersten Intendanz in Esslingen, die wahre im Hohenlohischen spielende Geschichte aus den letzten Kriegstagen auf die Bühne gebracht. 30 Jahre später erlebt das Stück seine zweite Esslinger Premiere.

Damit haben die Theaterfreunde die Gelegenheit, beide doch sehr unterschiedliche Storz-Werke zu erleben. Denn die Komödie „Der Sheriff von Linsenbach“ wird wie eine Vielzahl anderer Stücke ins Repertoire der Spielzeit 2018/2019 übernommen. So werden unter anderem auch Erfolgsstücke wie Robert Seethalers „Der Trafikant“, die Theaterversionen von „Schtonk!“ und „Die Kirche bleibt im Dorf“ oder die Elvis-Revue weiterhin gezeigt.

Das Publikum strömt weiterhin ins Theater

Das von der WLB so geschnürte Gesamtpaket hat, davon ist Friedrich Schirmer überzeugt, das Potenzial, an die überaus erfolgreichen bisherigen Spielzeiten anzuknüpfen. In der vergangenen Saison hatten die Aufführungen der WLB in Esslingen und auf Gastspielen mehr Zuschauer angelockt als das Stuttgarter Staatsschauspiel. Aktuell steht die WLB sogar noch besser da als vor einem Jahr: Schon Ende März hatten 40 000 Menschen – und damit genauso viele wie in der gesamten Vorsaison – die WLB-Gastspiele besucht.

Die Junge WLB, das Kinder- und Jugendtheaterensemble der WLB, startet mit einer Drei-Personen-Version des „Cyrano“ in die Spielzeit. Das „Weihnachtsstück“ wird vom 17. November an „Frohe Weihnachten“ nach Charles Dickens sein. Der Chefdramaturg Marcus Grube hat dafür eine Theaterfassung geschrieben und führt selbst Regie. Spannend dürfte auch die Theateradaption eines weiteren Klassikers, „Bergkristall“ von Adalbert Stifter, für Kinder von sieben Jahren an werden.

Die Esslinger Premieren der WLB in der Spielzeit 2018/19

Erwachsenenprogramm
22. September 2018: „Die Nashörner“ von Eugène Ionesco, Schauspielhaus, Regie (R): Markus Bartl.23.September 2018: „Das Ende ist mein Anfang“ von Tiziano Terzani, Podium 1, R: Jürgen Esser. 6. Oktober 2018: „ Faust I – Reloaded“ nach Johann Wolfgang von Goethe, Podium 1, R: Markus Bartl.13. Oktober 2018: „Der zerbrochne Krug“ von Heinrich von Kleist, Schauspielhaus, R:Hans-Ulrich Becker.4. November 2018: „Educating Rita“ von Willy Russell, Podium 1, R:Laura Tetzlaff.29. November 2018: „Struwwelpeter – Shockheaded Peter“von Phelim McDermott, Julian Crouch, Martyn Jacques & Musik von The Tiger Lillies, Schauspielhaus, R:Marcel Keller. 12. Januar 2019: „Das Urteil von Nürnberg“ von Abby Mann, Schauspielhaus, R: Christof Küster. 9. Februar 2019: „Von Mäusen und Menschen“ von John Steinbeck, Schauspielhaus., R: Matthias Fontheimer14. März 2019: „Die barmherzigen Leut’ von Martinsried“ von Oliver Storz, Schauspielhaus, R: Christine Gnann.24. März 2019: „Ein ganzes Leben“ von Robert Seethaler, Podium 1, R: Klaus Hemmerle. 6. April 2019: „Glaube Liebe Hoffnung“ von Ödön von Horváth, Schauspielhaus Esslingen, Regie: Alexander Müller-Elmau.6. Juni 2018: „ Backbeat – Die Beatles in Hamburg“ von Iain Softley & Stephen Jeffreys, Schauspielhaus., R: Marcel Keller. 22. Juni 2019: „Besuch der alten Dame“ von Friedrich Dürrenmatt, Freilichtinszenierung am Kesslerplatz, R: Christof Küster.

Junge WLB
14. September 2018: „Cyrano“von Edmond Rostand, Jo Roets & Greet Vissers, Podium 2 (ab 14 Jahren), Regie (R): Jakob Weiss.15. September 2018: „Der Mondscheindrache“ von Cornelia Funke, Podium 2 (ab 4 Jahren), R: Konstanze Kappenstein.. 17. November 2018: „Frohe Weihnachten!“von C. Dickens, Schauspielhaus (ab 6 Jahren), R: Marcus Grube.16. Februar 2019: „Gips oder Wie ich an einem Tag die Welt reparierte“ von Anna Woltz, Studio am Blarerplatz (ab 11 Jahren), R: Grete Pagan.30. März 2019: „ Bergkristall“ von Adalbert Stifter, Podium 2 (ab 7 Jahren), R: Jan Müller .12. April 2019: „Vom Leben und Sternen“ von Finn-Ole Heinrich & Dita Zipfel, Studio am Blarerplatz (ab 8 Jahren), R: Benedikt Grubel.