Esslinger Lazi-Akademie Warum die erste Idee nicht immer funktioniert

Werkschau der Absolventinnen und Absolventen der Esslinger Lazi-Akademie. Von links: Thomas Robinson, Sofiya Boyko, Elisabeth Ketasoudis, Dozentin Riccarda Geib, Lars Lehnert und Enrico Eberle. Foto: Gaby Weiß

Die modernen Medien sind im stetigen Wandel, Veränderungen vollziehen sich immer schneller. Dem trägt auch die Ausbildung an der Esslinger Lazi-Akademie Rechnung. In einer Werkschau zeigen Studierende nun ihre Abschlussarbeiten.

Ein gesellschaftskritisches Problem, eine persönliche Fragestellung, eine ästhetische oder formale Aufgabe, eine technische Herausforderung – die Studierenden an der privaten Esslinger Lazi-Akademie für Visuelle Kommunikation sind ziemlich frei in der Wahl des Themas für ihre Abschlussarbeit. Mindestens ein Semester lang tüfteln sie an ihren Prüfungsprojekten und setzen sich mit ihrer Idee und der technischen Umsetzung auseinander. In der vergangenen Woche haben sie ihre Arbeiten der Prüfungskommission vorgestellt. Am 8. und 9. Februar präsentieren die angehenden staatlich anerkannten Filmemacher, Fotografinnen, Kommunikations- und Grafikdesigner nun unter dem Motto „Ausgepackt“ ihre Projekte im Rahmen einer Werkschau im Esslinger Kulturzentrum Komma.

 

Der Filmemacher Thomas Robinson (25) hat für seinen Studienabschluss einen Werbe-Clip für ein Multifunktionswerkzeug gedreht. Dafür vermittelt er die notwendigen Informationen mit Hilfe einer unterhaltsamen und emotionalen Geschichte, die erzählt, dass so ein Multitool, das in jede Hosentasche passt, (fast) eine komplette Werkstatt ersetzen kann. „Werbung hat sich verändert, das platte Product-Placement allein funktioniert nicht mehr. In der Werbung geht es heute um Identifikation, darum, Menschen zu erreichen und Geschichten zu erzählen“, macht Ricarda Geib, die Gestaltung, Storytelling, Kunst- und Mediengeschichte unterrichtet, deutlich.

Wochenlang Himmelsformationen beobachtet

Enrico Eberle (27), angehender Grafik- und Kommunikationsdesigner, hat als Abschlussarbeit mittels 3D- und Animationstechnik eine fiktive Landschaft erstellt, in der sich von ihm entworfene Charaktere bewegen. „Er hat dafür wochenlang Himmelsformationen und Wiesen beobachtet, unser Verhältnis zur Natur reflektiert und dann in eine animierte Welt übertragen. Diese Arbeit zeigt, dass wir uns im Grafik- und Kommunikationsdesign längst neue Welten erschließen“, erläutert Ricarda Geib. Lars Lehnert (22) visualisiert mit seinem Abschlussprojekt, einem szenischen Kurzfilm, die Leistungs- und Konsumgesellschaft. „Er zeigt damit auch, wie er sich als Person in dieser Gesellschaft positioniert. Und er fragt sich zugleich: Welche Filme will ich machen?“, fasst Ricarda Geib diese sehr persönliche Arbeit zusammen.

Aus Kreativität erwächst Verantwortung

Im Fachbereich Fotografie, in dem Elisabeth Ketasoudis (22) ihre Prüfung absolviert, müssen unterschiedliche Arbeiten eingereicht werden. „Ich konnte dafür zwei Herzensprojekte realisieren: Je eine Fotoserie zum Thema Mobbing und über Palästina.“ Der Abschlussfilm von Sofiya Boyko (20), die aus Kiew stammt, hat die Prüfer begeistert: „Er geht unter die Haut. Er zeigt, dass man als wacher Kreativer tolle Beiträge zur Bewusstwerdung auch unserer eigenen gemeinsamen Verantwortung leisten kann“, betont Ricarda Geib. Boyko erzählt das Schicksal des ukrainischen Komponisten Vasyl Barvinsky, der 1948 gemeinsam mit seiner Frau für zehn Jahre in ein sowjetisches Straflager verbannt wurde. „Sie verbrachten diese Zeit in völliger Stille, sie hatten ein einziges Mal ein 15-minütiges Gespräch miteinander, bei dem sie nur Russisch sprechen durften“, erzählt Sofiya Boyko, deren Entscheidung für ihr Thema schnell gefallen war: „Ich wollte einen Film über mein Land, meine Kultur machen. Und diese Geschichte ist sehr spannend und leider sehr aktuell.“

Spaziergang zur Katharinenlinde macht den Kopf frei

Lars Lehnert hat viele Stunden – auch zu nachtschlafender Zeit – im Schneideraum zugebracht: „Wenn ich dann dachte ‚das ist alles Mist‘, bin ich dem Mond hinterher zur Katharinenlinde marschiert. Am nächsten Tag war der Blick wieder frisch.“ Auch Enrico Eberle hat in der heißen Phase vor dem Abgabetermin auf dem Campus im Schlösslesweg Nächte durchgearbeitet: „Es ist hilfreich, einen genauen Arbeitsplan zu haben. Aber selbst wenn ich etwas Gestaltetes mal nicht gebrauchen konnte, habe ich mich trotzdem im Umgang mit dem Programm verbessert.“ An der Akademie wird auf mentale Gesundheit geachtet, es wird auch vermittelt, wie man mit Black-Outs, Krisen oder Selbstzweifeln umgehen kann: „Es ist nicht immer die erste Idee, die funktioniert. Es ist überhaupt nicht schlimm, etwas zu verwerfen, im Gegenteil. Zu Kreativität gehört immer auch, dass man in Variationen denkt“, macht Ricarda Geib Mut.

Im Fachbereich Fotografie ist KI bei den Abschlussarbeiten tabu

Natürlich wird auch das momentan allgegenwärtige Thema Künstliche Intelligenz (KI) während der dreijährigen praxisorientierten Ausbildung reflektiert: So hat Sofiya Boyko in ihrem Film mit Hilfe von KI Möbel aus einer Szene entfernt: „Mit KI geht das wie mit einem Fingerschnippen. Sonst dauert das sehr, sehr lange.“ Im Fachbereich Fotografie darf KI in den Abschlussarbeiten nicht zum Einsatz kommen. „KI ist komfortabel und macht vieles einfacher. Aber wir sollen und müssen das handwerkliche Knowhow erst einmal selbst lernen und unsere eigenen Fähigkeiten entwickeln“, so Elisabeth Ketasoudis. Geib ergänzt: „Mir ist das Bewusstsein wichtig, dass KI ein tolles Instrument ist, das viele Chancen bietet. Es ist für spätere Jobs entscheidend, Kenntnisse in der KI-Anwendung zu haben. KI kann manche Arbeitsschritte erleichtern. Aber menschliche Kreativität und Ideen können durch KI nicht ersetzt werden.“

Die Geschichten hinter den Werken

Vielfalt
Die Werkschau mit Abschlussarbeiten von zehn Lazi-Studierenden versteht sich als ein Kaleidoskop, das Möglichkeiten des kreativen Ausdrucks auffächert. Lazi-Dozentin Ricarda Geib, die die Ausstellung kuratiert hat, zeigt sich beeindruckt davon, „wie vielfältig und individuell ausgereift diese Prüfungsleistungen sind. Es sind sensible, hochdifferenzierte und überaus reflektierte Beiträge entstanden.“

Werkschau
Die Ausstellung „Ausgepackt“ (Eintritt frei) im Esslinger Kulturzentrum Komma (Maille 5–9) ist am Samstag, 8. Februar, von 17 bis 23 Uhr, und am Sonntag, 9. Februar, von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Es besteht die Möglichkeit, mit den Studierenden ins Gespräch zu kommen. Um 11 und um 14 Uhr führt Kuratorin Ricarda Geib durch die Schau. Nähere Informationen unter www.lazi-akademie.de

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