Viele bedeutende Autorinnen und Autoren waren bereits bei der Lesart in Esslingen zu Gast: Nobelpreisträgerinnen, Buchpreisträger, internationale Stars. Trotz vieler großer Namen vergisst die Lesart nie den Nachwuchs. Weil es auch für junge Leserinnen und Leser viel Interessantes zu lesen gibt, organisiert Bettina Langenheim jedes Jahr ein profiliertes Kinder- und Jugendprogramm. Zu ihrem Konzept gehört auch, dass die Autorinnen und Autoren ihre neuen Bücher sowohl öffentlich als auch in Esslinger Schulen vorstellen. Vor allem für die Schullesungen ist die Nachfrage groß: „Wir könnten locker doppelt so viele Schullesungen anbieten. Die Nachfrage ist da. Das ist ein sehr gutes Zeichen.“
Junge Leser haben gute Literatur verdient
Bettina Langenheim erinnert sich noch gut an frühere Zeiten, als Kinder- und Jugendbücher von vielen nicht als vollwertige Literatur gesehen, von manchen sogar recht abschätzig kommentiert wurden. Inzwischen hat sich das geändert. Viele Autorinnen und Autoren, die für junges Publikum schreiben, genießen hohes Ansehen, und viele Erwachsene scheuen sich nicht, nach einem guten Kinder- oder Jugendbuch zu greifen. Und noch etwas kommt hinzu: „Der Kinderbuchmarkt ist in den letzten Jahren immer anspruchsvoller geworden“, hat Bettina Langenheim beobachtet. „Viele Autorinnen und Autoren beweisen mit ihren Büchern, dass sich auch schwierige Themen wie Toleranz, Mobbing, sexueller Missbrauch, Unterdrückung und Diversität altersgerecht vermitteln lassen. Hinzu kommt, dass sich der gesellschaftliche Blick auf solche Themen verändert hat. Außerdem ist das Sachbuchangebot für Kinder und Jugendliche sehr viel breiter geworden, und das Interesse ist bei jungen Leserinnen und Lesern zu spüren.“ Trotzdem kommt auch gute Unterhaltung im Programm der Esslinger Literaturtage nicht zu kurz.
Für Bettina Langenheim gilt es jedes Jahr, eine gute Mischung aus Sachbuch und Unterhaltung, aus Kinder- und Jugendbüchern für verschiedene Altersgruppen zu finden. Auf jeden Fall ist die langjährige Leiterin der Kinderbücherei, die inzwischen im städtischen Kulturamt Programme für Jüngere organisiert und so auch der Lesart treu geblieben ist, fest davon überzeugt, dass die Bedeutung des Lesens in Zukunft eher noch größer werden wird: „Wer mit dem geschriebenen Wort nicht umzugehen versteht, kann sich nicht qualifiziert informieren“, gibt die Kinderliteratur-Expertin zu bedenken. „Man kann noch nicht mal mathematische Textaufgaben lösen, wenn man nicht in der Lage ist, komplexere Texte zu verarbeiten.“
Beobachtungen im Hooligan-Milieu
Für die Lesart 2024 hat Bettina Langenheim ein vielseitiges Kinder- und Jugendprogramm zusammengestellt: Fritz Fassbinder setzt sich in seinem Jugendroman „Die Wärme der Wölfe“ (ab 14 Jahren) mit den Gefahren und Konsequenzen der Radikalisierung rechtsextremer Fußballfans auseinander. Und er gibt interessante Einblicke in das Milieu der Hooligans. Tanya Lieske erzählt in „Wir sind (die) Weltklasse“ (ab acht Jahren) von einer bunt zusammengewürfelten Schulklasse, in der die Herkunft keine Rolle spielt und in der deshalb keiner lange Anschluss suchen muss – ganz egal, wo er oder sie herkommt. Eva Eich stellt ihre knifflige „Escape Room“-Buchreihe für rätselfreudige Kinder ab neun Jahren vor – in der Folge „Codename Nussknacker“ müssen zwei Geschwister in der Weihnachtszeit spannende Abenteuer bestehen.
Martin Schäuble zeichnet in seinem gleichnamigen Jugendbuch „Die Geschichte der Israelis und Palästinenser“ (ab 14 Jahren) nach und macht damit verständlicher, was hinter dem Nahost-Konflikt steckt. Raul Krauthausen und Adina Hermann erzählen jungen Lesern ab fünf Jahren, wie es war, „Als Ela das All eroberte“. Und Silke Schlichtmann behauptet mit einem Augenzwinkern: „Lesen ist doof“ – ihr gleichnamiges Buch (ab sechs Jahren) beweist aber das Gegenteil.