Christina König schreibt seit jungen Jahren. Bei der Esslinger Lesart gab sie im Gespräch mit ihrer Autorinnen-Kollegin Angela Lehner Einblicke in ihre Arbeit.

Christina König wusste schon im zarten Kindesalter, was sie will: Entweder Buchschreiberin oder Hasenzüchterin wollte sie werden. Zweiteres muss wohl noch etwas warten, schließlich hat die junge Österreicherin mit ihrem Roman „Alles, was du wolltest“ ein viel beachtetes Debüt gelandet – und dafür den renommierten Franz-Tumler-Literaturpreis erhalten. Bei den Esslinger Literaturtagen war Christina König nun zu Gast, um diese Geschichte einer toxischen Beziehung zweier Frauen vorzustellen und Einblick in die Entstehung ihres Buchs zu gewähren.

 

Im Gespräch mit der Autorin Angela Lehner, die ihre eigene literarische Finesse 2019 bei der Lesart demonstriert hatte, entstand im Kutschersaal ein munterer Dialog, der dem Publikum nicht nur eine bemerkenswerte junge Autorin nahebrachte, sondern auch einiges von den Gesetzmäßigkeiten der literarischen Welt verriet.

Ein Buch, das einen starken Sog entwickelt

Angela Lehner adelte „Alles, was du wolltest (Otto-Müller-Verlag, 24 Euro) als „ein tolles Debüt“, das beim Lesen einen unheimlichen Sog entwickle. Wobei das mit dem Erstling so eine Sache ist. „Ich habe schon einige Bücher in der Schublade – nur wurde bisher noch keines veröffentlicht“, verriet Christina König dem Lesart-Publikum. Deshalb habe sie sich lange gescheut, sich als Autorin zu bezeichnen. Inzwischen darf sie das mit Fug und Recht tun, schließlich bescheinigten ihr die Juroren des Tumler-Preises: „Mit präziser psychologischer Beobachtung, entlarvenden Dialogen und boshaftem Witz rückt dieser Roman einer Liebesbeziehung zu Leibe, in der die Liebe trotz aller Sinnlichkeit zu kurz kommt.“

Als Alex und Viktoria einander kennenlernen, ist es Liebe allenfalls auf den zweiten Blick. Viel eher ist es so, dass die eine die andere auf unterschiedliche Weise für sich benutzt. Da ist auch keine Ich-Erzählerin – vielmehr spricht ein „du“ über ein „sie“.

Viktoria ist reich und kommt aus gutem Hause – und sie führt ein Leben, von dem Alex, die in einfachen Verhältnissen aufgewachsen ist, nur träumen konnte. Die beiden werden ein Paar, Alex zieht bei Viktoria ein, doch von einer Beziehung auf Augenhöhe kann nicht die Rede sein: Alex hatte immer davon geträumt, ein Massagestudio zu besitzen. Doch als Viktoria ihren Traum erfüllt, ist es mehr Eigennutz als Altruismus – und die Chance, ihr unterentwickeltes Selbstbewusstsein zu streicheln, indem sie narzisstische Verhaltensweisen an den Tag legt. Nur beim Sex kann Alex gelegentlich den Ton angeben. So wird das Lotterbett beim Sex – auch sprachlich – zum Schlachtfeld. Als Alex bei ihrer Freundin einen Verlobungsring findet, muss sie eine Entscheidung treffen.

„Das hat schon ein bisschen Hirnschmalz gekostet“

Christina König blickt mit einem Augenzwinkern auf die Arbeit an ihrem Roman zurück. Foto: Roberto Bulgrin

Wenn der Leser zu Beginn des Romans Alex und Viktoria kennenlernt, liegt die Beziehung in Scherben. Erst nach und nach wird klar, weshalb die Liaison dieser ungleichen Frauen solch eine dramatische Wendung genommen hat. „Für mich habe ich die Geschichte erst einmal chronologisch aufgeschrieben“, verriet die Autorin im Gespräch mit Lehner. Dann habe sie in vielen Arbeitsgängen die Chronologie aufgelöst und eine neue Struktur geschaffen: „Das hat schon ein bisschen Hirnschmalz gekostet.“ Kürzungen nach dem Autoren-Motto „Kill your Darlings“, die das Lektorat empfohlen hatte, seien ihr schwergefallen, räumte Christina König ein. Immerhin habe sie die Grundfassung aufbewahrt: „So könnte ich meine gekillten Darlings notfalls auf dem Friedhof besuchen“, erklärte König augenzwinkernd.

Die beiden Autorinnen wissen aus eigener Erfahrung, dass literarische Qualität nicht alleine über den Erfolg entscheidet. „Es kratzt am Ego, wenn man von Verlagen entweder gar nichts hört oder abgelehnt wird“, waren sie sich einig. Doch bei „Alles, was du wolltest“ habe sie gleich ein gutes Gefühl gehabt, bekannte Christina König. Wie die Geschichte endet, mochte die Autorin nicht entscheiden. Kurzerhand bietet sie ihrer Leserschaft drei Versionen an. Weil sie weiß: „Es gibt selten die einzig richtige Version.“