Sanierung des Merkel’schen Bads in Esslingen Diese Veränderungen stehen im Jugendstilbad an

Zeitgemäße Badefreuden in historischem Ambiente bietet die Jugendstilhalle des Merkelbads. Foto: Roberto Bulgrin

Das Merkel’sche Schwimmbad in Esslingen zählt zu den letzten noch betriebenen Jugendstilbädern in Deutschland. Für 12,5 Millionen Euro wollen die Stadt und die Stadtwerke das Bad nun weiter sanieren.

Reporter: Alexander Maier (adi)

Die Region bietet viele Möglichkeiten, Badefreuden zu genießen. Für eine der ungewöhnlichsten und schönsten steht das Merkel’sche Schwimmbad in Esslingen, das zu den letzten noch genutzten Jugendstilbädern in Deutschland gehört. Gebaut Anfang des 20. Jahrhunderts, atmet das historische Gebäude an der Mühlstraße den Geist einer vergangenen Ära. Doch die Zeit ist dort nicht stehen geblieben.

 

Heute vereint das Merkelbad Tradition und Moderne, Badefreuden, Sport und Wellness. Nun planen die Stadt Esslingen und ihre Stadtwerke (SWE) den nächsten Sanierungsschritt, der der Kommune mit einem Budget von 12,5 Millionen Euro einen finanziellen Kraftakt abverlangt. Kurz vor Weihnachten hat die Stadt die Zusage erhalten, dass der Bund dieses Projekt mit 5,6 Millionen Euro unterstützen wird. Nun hat sich der Bundestagsabgeordnete Sebastian Schäfer (Grüne), der sich im Haushaltsausschuss des Bundestags für diese Förderung starkgemacht hatte, beim Lokaltermin davon überzeugt, dass das Geld gut angelegt ist.

Stifter mit Bürgersinn

Das Merkel’sche Schwimmbad wurde in den Jahren 1905 bis 1907 gebaut – es sollte allen Schichten als Kraftquell und „zur unendlichen Erquickung des Menschen“ offen stehen. Neben einem Schwimmbecken bot es auch Dusch- und Wannenbäder für Arbeiter, deren Wohnungen keine Dusch- oder Bademöglichkeiten boten. Seinen Namen verdankt das Bad dem Esslinger Industriellen Oskar Merkel, der es der Stadt 1912 gestiftet hatte und der für sein vielfältiges Engagement und seinen Bürgersinn mit der Ehrenbürgerwürde ausgezeichnet worden war. Neben dem Schwimmbad hatte Merkel der Stadt auch den nach einer seiner Töchter benannten Alicensteg über den Neckar überlassen. An ihn und sein Unternehmen („Esslinger Wolle“) erinnern bis heute auch der Merkelpark und die Galerie Villa Merkel.

In den 1960er Jahren war das Bad umgebaut worden, zur historischen Jugendstilschwimmhalle kamen ein Lehr- und ein Sportschwimmbecken hinzu. Unter dem damaligen Umbau hatte die ursprüngliche Architektur allerdings gelitten. Nach einer grundlegenden Renovierung zeigt sich der denkmalgeschützte Jugendstilbau seit 2006 wieder in früherer Schönheit. Heute bietet das Merkel’sche Bad ein Mineralthermalbad, ein Sportbad, Sauna und Wellnessoase. In der Warmbadehalle lädt quellfrisches Mineralwasser zum Baden ein. Jährlich wissen rund 180 000 Badegäste die vielfältigen Möglichkeiten ebenso wie die reizvollen Details aus Jugendstilzeiten zu schätzen.

Baustein im Bäderkonzept

Die Stadtwerke Esslingen haben zuletzt ihr Neckarfreibad und ihr Berkheimer Bad mit großem Aufwand erneuert. Letzter Baustein im Sanierungskonzept ist nun das Merkel’sche Schwimmbad. Dort wird die gesamte Eingangssituation neu gegliedert, um die historische Jugendstileingangshalle besser zur Geltung zu bringen und einen barrierefreien Zugang zum Merkel’schen Bad zu schaffen. Die barrierefreie Zugänglichkeit der verschiedenen Bereiche wird durch zwei Liftanlagen im Inneren gewährleistet.

In der modernen Sportschwimmhalle, die von Schulen und vom Schwimmsportverein intensiv genutzt wird, soll die mächtige Haupttribüne zurückgebaut werden – dafür werden an der westlichen Außenwand auf Beckenniveau zwei Sitzstufen für die Badegäste und als Zuschauerbereich angeordnet. Das Sport- und das Lehrschwimmbecken werden nach zeitgemäßen Standards mit Edelstahl ausgekleidet. Die Ostwand der moderneren Sportschwimmhalle mit ihren kunstvoll gestalteten Glasfenstern wird energetisch saniert. Zudem soll der Gastronomiebereich der Sauna im ersten Obergeschoss attraktiver werden. Und die Badewassertechnik für alle drei Becken wird auf den neuesten Stand gebracht. Die Sanierung soll im Mai beginnen und bis Herbst 2024 abgeschlossen sein. Zwischendurch muss es auch Schließzeiten geben, die möglichst in die Sommerzeit, wenn sich die Freibäder als Alternative anbieten, verlegt werden sollen. Ziel ist, vor allem den Schwimmunterricht möglichst wenig zu beeinträchtigen.

Gut angelegtes Geld

Dass der Bund der Stadt bei diesem Projekt mit 5,6 Millionen Euro unter die Arme greift, war für den Esslinger Oberbürgermeister Matthias Klopfer erklärtermaßen „ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk“. Er lobt den Schulterschluss von Bundes- und Kommunalpolitik und ist überzeugt, „dass das Merkelbad jeden Euro wert ist“. Deshalb hatte sich der Esslinger Bundestagsabgeordnete Sebastian Schäfer im Haushaltsausschuss des Bundestags für eine großzügige Förderung starkgemacht. Das Projekt passe ideal in das Bundesförderprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“: „Hier wird energetisch, aber auch für den Sport, den Denkmalschutz, den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Barrierefreiheit viel getan. Die Stadt hat das Projekt sehr gut vorbereitet und gezeigt, dass mit dem Geld gut umgegangen wird. Das hat die Kolleginnen und Kollegen im Haushaltsausschuss des Bundestags überzeugt.“

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