Esslinger Neckarquerung Neue Schäden: Droht der Adenauerbrücke die Sperrung?

Mehrere zehntausend Fahrzeuge passieren täglich die Esslinger Adenauerbrücke – doch sie ist marode und muss voraussichtlich bald erneuert werden. Foto: Roberto Bulgrin

Die Esslinger Adenauerbrücke ist maroder als gedacht. Ob sie bis zu einer Rundum-Erneuerung nutzbar bleibt, ist unklar. Droht ihr die Sperrung?

Dass die Esslinger Adenauerbrücke ihre besten Jahre hinter sich hat, ist schon länger klar. Im Rathaus wurden bereits verschiedene Szenarien für eine umfassende Sanierung oder einen Ersatzneubau durchgespielt. Weil das aber eigentlich erst in einigen Jahren vorgesehen ist, hat man bereits kleinere Sanierungen vorgenommen, um die marode Querung zwischen Oberesslingen und Berkheim bis dahin noch nutzen zu können. Doch nun wurden neue Schäden entdeckt – deswegen könnte die Adenauerbrücke bald teilweise oder im schlimmsten Fall sogar komplett für den Verkehr gesperrt werden.

 

Fahrspuren gesperrt wegen Riss in Esslinger Adenauerbrücke

Bereits im Jahr 2023 hatte die Stadt Notstützen unter einem maroden Brückengelenk angebracht. Im vergangenen Sommer wurden dann die Geländer erneuert und an der Außenseite der Brücke angebracht, um die Gehwege zu verbreitern. Zudem wurden die Geländer auf 1,30 Meter erhöht und mit einem durchgehenden Stahlseil im Handlauf versehen, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen.

 Doch nun bringen neue Schäden den bisherigen Zeitplan ins Wanken. Bei einer Routine-Überprüfung im Dezember war eine undichte Stelle entdeckt worden, durch die unter bestimmten Umständen Wasser in das Brückeninnere gelangen und zu Schäden am Beton führen könnte, wie es hieß. Deshalb ließ die Stadt bereits Ende 2025 ein etwa 60 Meter langes Teilstück der beiden in Richtung Oberesslingen führenden Fahrspuren sperren. Bei weitergehenden Untersuchungen wurden nun an zwei Stellen neue Risse entdeckt, und zwar in den Bereichen über den Bahngleisen und über der Eberspächerstraße.

Inzwischen ist offenbar auch klar, dass durch diese Risse Wasser in das Innere der Brücke eindringt und möglicherweise den dort befindlichen Spannstahl angreift. „Die Spannstäbe sind wesentliche Elemente, um die Statik der Brücke zu gewährleisten“, erklärte Tiefbauamtsleiter Uwe Heinemann in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Bauen, Mobilität und Klimaschutz (ABMK). „Und wir haben einen recht starken Wassereintritt.“

Deshalb wolle man die Brücke an diesen zwei Stellen entlasten, indem man zusätzlich zur bisherigen Sperrung eine weitere Fahrspur blockiere – und zwar einen etwa 25 Meter langen Abschnitt über den Bahngleisen auf der Fahrspur in Richtung Berkheim. Das solle zunächst solange beibehalten werden, bis man näher über die Schwere der Schäden Bescheid wisse, so Heinemann.

Stadt Esslingen erarbeitet Konzept zur Prüfung der Adenauerbrücke

Allerdings sei die Kontrolle gar nicht so einfach: „Um die Tiefe des Schadens zu prüfen müssen wir zunächst ein Konzept erarbeiten, wie wir die Brücke ohne größere Schäden öffnen können“, erklärte Heinemann. Zudem solle die ohnehin bald fällige Hauptprüfung nun vorgezogen und möglichst schnell erledigt werden. Bei dieser soll die gesamte Adenauerbrücke im Detail untersucht werden. Darüber hinaus habe man um ein Monitoring der Brücke gebeten, bei dem der Zustand des Bauwerks permanent überwacht wird: „Das ist wichtig, um ein Versagen der Brücke möglichst schnell zu erkennen“, sagt Heinemann.

Wie groß die Schäden an der Esslinger Adenauerbrücke tatsächlich sind, muss noch untersucht werden. Foto: Roberto Bulgrin

Ein von der Stadt beauftragtes Ingenieurbüro hat an der Adenauerbrücke „Defizite im Grenzzustand der Tragfähigkeit“ festgestellt, wie es in einer Stellungnahme heißt. Daher empfehle es, die Brücke für Lastwagen mit einer Achslast von mehr als zehn Tonnen zu sperren. „Dabei handelt es sich um größere Lastwagen“, sagt Uwe Heinemann. Feuerwehr-Fahrzeuge, Müllfahrzeuge und Busse hingegen seien nicht betroffen. Eine mögliche Ausweichstrecke für den Fall einer Sperrung der Brücke für große Lastwagen wird laut Stadtverwaltung bereits erarbeitet.

Wie schnell die tiefergehenden Untersuchungen über die Bühne gehen können, ist noch unklar. „Aktuell bereiten wir die Prüfungen vor, die dann schnellstmöglich umgesetzt werden“, berichtet der städtische Sprecher Marcel Meier. Da an den Auswertungen dieser Prüfungen mehrere externe Firmen beteiligt seien, könne man den exakten Zeitplan derzeit noch nicht bekanntgeben.

Zum Beginn der Arbeiten lassen sich noch keine Aussagen treffen

Auch konkrete Aussagen zu einem möglichen Beginn oder der Fertigstellung eines Ersatzneubaus der Adenauerbrücke seien derzeit noch nicht möglich, so Meier. Ziel sei es, die Brücke möglichst lange nutzen zu können. Gleichwohl prüfe man unterschiedliche Szenarien, um auf mögliche Entwicklungen vorbereitet zu sein. Dazu zähle auch eine vollständige Sperrung der Adenauerbrücke.

Zukunftsvisionen für Neckarquerung

Neckarquerung
Die rund 950 Meter lange Adenauerbrücke ist eine wichtige Verbindung zwischen Oberesslingen und Berkheim. Pro Tag passieren nach Angaben aus dem Esslinger Rathaus mehrere zehntausend Fahrzeuge die Brücke. Die Neckarquerung wurde in den Jahren zwischen 1965 und 1972 gebaut und gilt schon länger als marode.

Erneuerung
Schon seit geraumer Zeit ist eine Rundum-Erneuerung der in die Jahre gekommenen Adenauerbrücke in der Diskussion. Neben einer Sanierung im Bestand waren bislang auch ein Abriss und Neubau an gleicher Stelle sowie ein Neubau unmittelbar neben dem bestehenden Brückenbauwerk im Gespräch.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Esslingen Brücke Sperrung Schäden