Esslinger Open-Air-Kino Auf der Zielgeraden schaut die Sonne doch noch vorbei – und wie

Wenn das Wetter mitspielt, kommt das Publikum in Scharen auf die Esslinger Burg, um Kino im Freien zu genießen. Foto: Stefan Hart

Trotz wechselhaften Wetters haben 13 700 Gäste das Kino auf der Esslinger Burg 2025 erlebt. Die letzten Sonnentage sorgten für strahlende Gesichter.

Reporter: Alexander Maier (adi)

Das Open-Air-Kino auf der Esslinger Burg ist schon wieder vorüber, und für viele Film-Fans war es einmal mehr ein Genuss, großes Kino und Live-Musik in einzigartigem Ambiente zu erleben. Die Bilanz des Kommunalen Kinos fällt differenzierter aus, schließlich geriet so mancher Abend ob der wechselhaften Witterung zur Zitterpartie. Zwar sorgten die letzten Abende mit strahlendem Sonnenschein für einen versöhnlichen Abschluss, und mit 13 700 Gästen hat das Festival sein Vorjahresergebnis sogar knapp übertroffen. Doch auch das vielstimmige Lob des Publikums konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Rahmenbedingungen für Open-Air schwieriger geworden sind – auch auf der Esslinger Burg.

 

Für das Kommunale Kino bedeutet das Festival einen Kraftakt. Die Vorbereitungen beginnen schon Monate vorher: Unzählige Filme werden gesichtet, um ein stimmiges Programm zusammenzustellen. Für jeden Abend will aus einer Vielzahl von Bewerbungen eine Band so ausgewählt werden, dass die Musik zum Film passt. Die Infrastruktur will in allen Details organisiert werden, damit alles auf den Punkt perfekt funktioniert.

Viele Esslinger engagieren sich für das Festival

An der Cinebar hatten die ehrenamtlichen Barkeeper alle Hände voll zu tun. Foto: privat

Rund 180 Helferinnen und Helfer wollen gewonnen und so eingeteilt werden, dass beim Auf- und Abbau sowie an den Veranstaltungstagen alles wie am Schnürchen klappt. Und wenn mal etwas nicht wie geplant laufen sollte, muss rasch eine Lösung her, damit das Publikum jeden Abend genießen kann. „Außenstehende würden kaum ahnen, welch riesiger Aufwand hinter diesem Projekt steckt“, resümiert Frieder Schölpple, der als technischer Leiter erstmals in zentraler Position dabei war.

Die Festivals auf der Burg sind bekannt dafür, perfekt vorbereitet und organisiert zu sein – nichts soll den Filmgenuss trüben. Nur eines kann das Koki nicht beeinflussen: das Wetter. Und das hat es mit dem Open-Air-Team nicht immer gut gemeint. Bei strahlendem Sonnenschein begann der Vorverkauf vielversprechend – kaum zogen dunkle Wolken am Himmel auf, da wurden die Reservierungen aber auch schon weniger. „Wir spüren, dass das Wetter für viele eine immer wichtigere Rolle spielt“, hat Koki-Vorstandsmitglied Ines Hartmann beobachtet.

Riesenandrang beim Esslinger Ehrenamtsabend

Bei schönem Wetter macht es noch mehr Freude, Filme im Liegen zu genießen. Foto: privat

Das zeigt sich sofort in den Besucherzahlen: Die letzten drei Abende mit „Der Salzpfad“, „Der Spitzname“ und dem Bob-Dylan-Biopic „Like a Complete Unknown“ rangierten bei Hochsommerwetter in der Publikumsgunst ganz oben. Dafür blieben reizvolle Filme wie „Konklave“, „Der letzte Takt“ oder „Die leisen und die großen Töne“ bei unsicherer Witterung deutlich hinter den Erwartungen zurück. Ausgebucht war diesmal lediglich der Ehrenamtsabend der Stadt, der viele mit der liebenswerten Dramödie „Der Buchspazierer“ begeisterte.

„Wir sind froh über den versöhnlichen Abschluss“, sagt der Koki-Vorsitzende Marko Ehrt mit Blick auf die letzten drei Abende, an denen jeweils mehr als 2000 Gäste gezählt wurden. „Es fühlt sich gleich viel besser an, wenn die Besucherinnen und Besucher zahlreich kommen. Da spüren wir Organisatoren, aber auch unsere großartigen Ehrenamtler, warum wir uns all die Arbeit machen.“ Norbert Eitel, Vorstand des Fördervereins Freiraum, ist ebenfalls voll des Lobes für die rund 180 Ehrenamtler, ohne die ein Festival dieser Größe und Qualität undenkbar wäre. „Wir würden uns wünschen, dass das Engagement des Kommunalen Kinos in der Stadt besser wahrgenommen und mehr honoriert wird. Wir leisten das ganze Jahr über einen großen Beitrag zum kulturellen Leben der Stadt. Manchmal haben wir den Eindruck, dass das ein bisschen zu selbstverständlich genommen wird. Etwas mehr Unterstützung würde uns und unserer Arbeit guttun.“ Dies umso mehr, als gute Einnahmen auf der Burg nötig sind, um die laufende Arbeit des Kommunalen Kinos mit zu unterstützen.

Esslinger Koki will auf neue Realitäten reagieren

Der Koki-Verein und sein Vorstand wollen nun überlegen, wie sie mit den veränderten Rahmenbedingungen umgehen. So ist das Wetter Anfang August unsicherer geworden als in den Anfängen des Kinos auf der Burg. Das Freizeitverhalten hat sich durch Streaming-Angebote verändert, die Kosten auch für externe Dienstleistungen sind exorbitant gestiegen. Allein mit noch größerem Engagement lässt sich das kaum auffangen. „Wir würden uns mehr Flexibilität bei der Terminplanung wünschen, damit wir auf schlechtes Wetter besser reagieren können“, sagt Ines Hartmann – nicht zuletzt mit Blick auf die Open-Air-Kollegen in Kirchheim, die deutlich mehr Spieltermine nutzen können. „Da fällt es weniger ins Gewicht, wenn mal ein Abend verregnet ist, und die hohen Kosten für die Infrastruktur verteilen sich besser.“

Bei Frieder Schölpple (links) und Marko Ehrt liefen viele organisatorische Fäden zusammen. Foto: privat

Für Marko Ehrt ist klar: „Wir werden nicht rumheulen, aber überlegen, ob und wie wir auf die neuen Realitäten reagieren.“ Denn eines ist für alle klar: „Das Kino auf der Burg ist so ein schönes Festival, das vielen Menschen richtig guttut. Dafür werden wir uns weiterhin mit aller Kraft einsetzen.“

Mit dem Kino am Campus geht das Open-Air-Vergnügen weiter

Projekt
 Elf Abende lang durfte das Publikum auf der Esslinger Burg Filme unter freiem Himmel genießen, doch für viele Open-Air-Fans ist das noch lange nicht genug. Deshalb lädt das Kommunale Kino vom 21. August bis zum 20. September ins Open-Air-Kino am Campus ein. Der Biergarten der Koki-Gastronomie Lux am Hammerkanal bietet Platz für bis zu 130 Zuschauerinnen und Zuschauer. Das Programm ist noch vielfältiger als das auf der Burg, weil am Campus nicht nur Filme laufen, die im besten Fall Tausende Zuschauer ansprechen, sondern auch kleine Arthouse-Streifen und Filme, die sich schon länger in die Herzen des Kinopublikums gespielt haben und die man sich immer wieder gerne anschaut.

Auftakt
 Eröffnet wird das Open-Air-Kino am Campus am Donnerstag, 21. August, um 21 Uhr mit einem Film, der in den Kinos viele Fans gefunden hat und dessen Titel gerade in dieser Region noch immer viele Menschen begeistert: Joachim Langs „Cranko“ mit Sam Riley in der Titelrolle erzählt die Geschichte des Choreografen John Cranko,  der dem Stuttgarter Ballett zu Weltruhm verholfen hat. „Cranko“ gilt nicht nur als Porträt eines Ausnahmekünstlers, sondern auch als gesellschaftliche Bestandsaufnahme des Ländles in den piefigen 1960er-Jahren.

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