Esslinger Podium Festival Musik, die Hoffnung in gesellschaftliche Themen trägt

Klassische Musik an ungewöhnlichen Orten und in außergewöhnlichen Formaten ist das Markenzeichen des Podium Festivals. Foto: Horst Rudel

Das Esslinger Podium Festival zeigt sich aktueller denn je: Wichtige Themen der Zeit werden musikalisch reflektiert, lokale Partner werden konsequent eingebunden. Vom 20. bis 30. April präsentieren junge Musikerinnen und Musiker 27 Konzerte an 17 Orten.

Reporter: Alexander Maier (adi)

Junge Musik-Enthusiasten hatten 2009 das Podium Festival aus der Taufe gehoben. Was als kleines Kammermusikfestival begann, ist heute eine vielseitige Plattform für spannende Innovationen in klassischer und zeitgenössischer Musik. Unkonventionelle Produktionen zeigen, wie undogmatisches Musikschaffen heute aussehen kann. Dieses Profil wird kontinuierlich weiterentwickelt und geschärft. Joosten Ellée, der das Festival seit 2022 leitet, geht diesen Weg konsequent weiter: Mehr denn je setzt das Festival auf gesellschaftspolitisch relevante Themen, die mit musikalischen Mitteln reflektiert und vom 20. bis 30. April in einfallsreichen Konzertformaten an unterschiedlichsten Orten präsentiert werden.

 

„Licht und Hoffnung in die Herzen“

Drängende Themen wie Klimakrise, Krieg, Artensterben, Autolärm oder die Zukunft unserer Demokratie beschäftigen in diesen Zeiten viele Menschen. Und sie finden 2023 auch im Programm ihren Niederschlag. Unter den 27 Konzerten, die an 17 Orten präsentiert werden, finden sich einige Uraufführungen zu aktuellen Herausforderungen unserer Gesellschaft. Das Festival möchte seinem Publikum unterschiedlichste zeitgenössische Stimmen nahebringen und dabei auch markante Positionen aus Wissenschaft und Literatur einbeziehen. „Wir wollen nicht nur die Gegenwart spiegeln, sondern Licht und Hoffnung in die Herzen pflanzen“, verspricht Joosten Ellée. „Musik kann sich mit den aktuellen Krisen und Herausforderungen auseinandersetzen, neue Perspektiven eröffnen und Trost und Anker für viele Menschen sein. Sie hat die wunderbare Gabe, die Seelen zu erreichen und sie zu beschützen.“

So wichtig wie das richtige Gespür für die relevanten Themen unserer Zeit ist dem künstlerischen Leiter auch die lokale Verankerung des Festivals: Noch konsequenter als bisher öffnet sich das Podium für die Zusammenarbeit mit lokalen Partnerinnen und Partnern. „Wir haben so viele interessante Musikerinnen, Musiker und Ensembles in Esslingen“, sagt Joosten Ellée. „Ihr Zusammenwirken mit den Podium-Künstlerinnen und -Künstlern hat einen ganz eigenen Reiz.“ Das zeigt sich bereits im Eröffnungskonzert am 20. April in der Stadtkirche St. Dionys: Unter dem Titel „Sinfonie in ES“ präsentieren die Kantorei der Stadtkirche sowie Musikerinnen und Musiker der städtischen Musikschule Esslingen und der Filum Musikschule Filderstadt gemeinsam mit Podium-Musikerinnen und -Musikern Werke von der Renaissance bis zur Gegenwart. „Damit zeigen wir gleich zu Beginn, wofür das Podium steht: vielfältige Musik von alt bis ungehört und die Einbeziehung der Gesellschaft, in der das Festival stattfindet“, erklärt der künstlerische Leiter, der im Zusammenspiel von musikalischer Finesse, breit gefächerter thematischer Aktualität und lokaler Bodenhaftung ein wichtiges Erfolgskriterium des Festivals sieht.

Den Nachwuchs im Blick

Neben ambitionierten neuen Konzepten bietet das Festival auch in diesem Jahr liebevoll kuratierte Werke in kammermusikalischen Formaten, überraschende musikalische Effekte, ungewöhnliche Stücke von häufig noch immer zu Unrecht vergessenen Komponistinnen sowie einfühlsame Raum- und Lichtinszenierungen und ein ausgefeiltes Sounddesign. Darüber hinaus wird Partizipation weiterhin großgeschrieben – erstmals ist der Verein BuntES mit verschiedenen Tanzgruppen bei einem Podium-Konzert in der Dieselstraße vertreten. Und in der erfolgreichen Education-Reihe, die jungen Menschen die Musik und ihre Reize näherbringen möchte, widmet sich das Podium diesmal der amerikanischen Komponistin Florence Price. Die musikalisch-szenische Produktion wird nicht nur im Rahmen des Esslinger Kulturrucksacks in Schulen gezeigt, sondern auch in einem Familienkonzert im Alten Rathaus. Schließlich will das Festival alle Generationen ansprechen.

Der Vorverkauf für die Konzerte des Podium Festivals 2023 beginnt am 3. März. Weitere Infos gibt es unter www.podium-esslingen.de.

Podium in neuen Formaten

Sieben letzte Worte
 Um der jungen Generation angesichts aktueller Krisen eine musikalische Stimme zu geben, wurde das Recherche-, Kompositions- und Konzertprojekt „Sieben letzte Worte – Kein Erlöser am Kreuz“ auf den Weg gebracht. Joseph Haydns klassischem Werk „Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze“ werden Neukompositionen gegenübergestellt. Die Basis liefern Workshops, in denen sich junge Menschen mit aktuellen Krisenszenarien auseinandersetzen. Inspiriert durch diese Debatten werden neue „Letzte Worte“ verfasst, die sieben Komponistinnen als Titel ihrer neuen Werke dienen.

Megaphonie
Mit diesem Projekt verlässt das Podium die geschlossenen Veranstaltungsräume, um mit lauter Musik unwirtliche städtische Räume für sich und ein neugieriges Publikum zu erschließen. Mit Blick auf die Verkehrswende werden Unterführungen als urbane Orte bespielt, an denen sich die aktuellen Herausforderungen einer städtischen Gesellschaft erleben lassen.

Last Chance to hear
„Tiere sind der Zerstörung ihres Lebensraums wesentlich direkter ausgeliefert und von der Klimakrise viel ausweg-loser betroffen als wir Menschen“, findet das Podium-Team. „Last Chance to hear“ setzt bedrohten Tierarten musikalische Denk- und Mahnmale, die in der Maille präsentiert werden sollen.

Tuned
Mit diesem mehrjährigen Programm unterstützt die Kulturstiftung des Bundes innovative Ansätze, die Alternativen zum „klassischen“ Konzertbetrieb aufzeigen. Podium wurde als eines von sechs Festivals für dieses bundesweite „Netzwerk für zeitgenössische Klassik“ ausgewählt.

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