Die Frage ist ein Politikum: Werden Innenstädte attraktiver, wenn man den Autoverkehr weiträumig verbannt? Es wird nicht viele geben, die sich nach jener Zeit zurücksehnen, als sich in Esslingen Blechlawinen durch die Bahnhofstraße schoben. Kein Zweifel: Die Stadt ist durch ihre Fußgängerzonen attraktiver geworden.
Dafür stellt sich jedoch ein anderes Problem: Der Einzelhandel ist unter Druck, Traditionsgeschäfte verschwinden. Man kann es sich leicht machen und auf das veränderte Einkaufsverhalten verweisen. Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit.
Wer die Esslinger Innenstadt besucht, will dafür einen Mehrwert. Fehlen Besuchsanreize etwa durch unverwechselbare Geschäfte, wird sich der eine oder andere überlegen, ob er nach Esslingen kommt. Vor allem dann, wenn jeder Besuch mit stattlichen Parkgebühren verbunden ist. Da geht es nicht nur ums Einkaufen, sondern auch um den Besuch von Gaststätten oder Kulturveranstaltungen – und um ehrenamtliches Engagement. Und zwar nicht nur um das von Gemeinderäten, sondern um alle, die etwas für die Allgemeinheit tun und dafür ungern tief in die eigene Tasche greifen wollen, wenn die Kasse im Parkhaus klingelt.
Drehen an der Gebührenschraube
Alexander Maier Foto: Gaby Weiß
Natürlich kann man einwenden, dass es Umwelt und Geldbeutel nutzt, wenn man mit Bus und Bahn anreist – vor allem dann, wenn Esslingen das Stadtticket wieder einführt. Doch gerade für Menschen, die weniger gut zu Fuß sind, für diejenigen, die sich zu späterer Stunde nicht sicher fühlen, deren Einkäufe man nicht so einfach im Bus transportieren kann oder die aufs eigene Auto partout nicht verzichten wollen, muss es bezahlbare Parkmöglichkeiten in Zentrumsnähe geben. Das mag nicht allen gefallen, doch man darf sich nicht wundern, wenn mancher Kunde ansonsten lieber anderswo einkauft.
Das Kirchheimer Teck-Center lockt mit attraktiven Parkmöglichkeiten. Foto: privat
Wenn Parkhäuser und Tiefgaragen wie in Esslingen privat betrieben werden, hat die Stadt kaum Einfluss auf die Gebühren – vor allem dann, wenn sie bei Parkplätzen im öffentlichen Raum selbst kräftig an der Gebührenschraube gedreht hat. Wenn sie jedoch eine Parkgarage selbst betreibt, kann sie mit attraktiveren Preisen und besserem Service ein Vorbild für private Betreiber sein – und ihnen notfalls auch den Rang ablaufen.