Esslinger Reizthema Verkehrsversuch in Rüdern bleibt bis zuletzt umstritten

Bei einem Lokaltermin formulierten Anwohner im November ihre Kritik am Verkehrsversuch. Foto: Roberto Bulgrin

Mit einem Verkehrsversuch wollte die Stadt Esslingen die Situation in der Rüderner Straße verbessern. Nun ist der Versuch beendet. Im Rathaus wurde nochmals diskutiert.

Reporter: Alexander Maier (adi)

Anwohner der Sulzgrieser Straße im Stadtteil Rüdern klagen seit Jahren über zu hohe Geschwindigkeiten, nächtliche Lärmbelästigung, riskante Ausweichmanöver über Gehwege und missachtete Vorfahrtsregelungen. Zuletzt hatte die Stadt versucht, durch provisorische Verkehrsmaßnahmen Abhilfe zu schaffen. Viele Anwohner fanden jedoch, dass dadurch nur wenig besser, vieles jedoch umso schlechter geworden sei. Die CDU-Ratsfraktion hatte deshalb darauf gedrängt, den Verkehrsversuch zu beenden. Mitte April hat die Stadt einen Teil der provisorischen Maßnahmen zurückgenommen. Im Ausschuss für Bauen, Mobilität und Klimaschutz prallten die Meinungen nochmals aufeinander.

 

Einen CDU-Antrag zum „Rückbau der im Rahmen des Verkehrsversuchs installierten Maßnahmen in der Sulzgrieser Straße sowie Verzicht auf weitere bauliche Veränderungen“ vom vergangenen November mochte die Stadtverwaltung nicht mehr zur Abstimmung stellen. Dem Gemeinderat fehle „für den betreffenden Sachverhalt die erforderliche Organzuständigkeit“, befand Ordnungsamtsleiterin Brigitte Länge.

Das sah CDU-Fraktionschef Tim Hauser ganz anders: „Der Gemeinderat ist bei einem so grundlegenden Verkehrsversuch durchaus zuständig, schließlich geht es hier nicht nur um einige Schilder.“ Weil die Stadt den Versuch inzwischen für beendet erklärt hatte, verzichtete Hauser auf eine Abstimmung. Carmen Tittel (Grüne) fand indes, Verkehrsversuche wie dieser seien üblich.

Bewährtes soll bleiben

Zwischen Sulzgries und Rüdern gilt nun durchgehend Tempo 30. Das Parken auf Höhe der Kirche und des Friedhofs bleibt nur zeitlich begrenzt möglich. Bestehen bleiben auch die Halteverbote sowie die vergrößerten Ausweichflächen für den Busverkehr, die zusätzliche Querungshilfe auf Höhe der Kirche sowie die punktuell angebrachten Poller auf den Gehwegen. Neben den Markierungen, die die Vorfahrtsregelungen in Rüdern verdeutlichen, bleiben auch die veränderten Parkmarkierungen in den Einmündungen bestehen. Entfernt wurden die provisorischen Einengungen vor dem Bürgerhaus beziehungsweise rund um den Bauernackerweg, die nicht zur Verkehrsberuhigung beigetragen haben.

Tim Hauser betonte, dass einige der Maßnahmen etwa im Bereich von Kirche und Friedhof schon vor dem Verkehrsversuch auf Drängen seiner Fraktion umgesetzt worden seien und sich bewährt hätten. Dass in der Tempo-30-Zone die Rechts-vor-links-Regelungen aufgehoben wurden, damit der Busverkehr seine Taktzeiten einhalten kann, merkte Hauser kritisch an. Umso mehr wünscht er sich den regelmäßigen Einsatz von Geschwindigkeitsanzeigen, die per Smiley signalisieren, ob ein Fahrzeug korrekt oder zu schnell vorbeifährt. Dass die Vorfahrtsregelungen im Interesse des Busverkehrs aufgehoben wurden, findet Carmen Tittel richtig: „Der öffentliche Nahverkehr muss immer Vorrang haben vor dem Individualverkehr.“

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