Esslinger Stadtentwicklung Projekt Flandernhöhe soll vorankommen und 500 Wohnungen bringen

Wenn auf der Flandernhöhe ein neues Wohnquartier entsteht, sollen die Hochschulgebäude weitgehend erhalten bleiben. Foto: Roberto Bulgrin

Wenn die Hochschule ihren Standort an der Flandernhöhe räumt, sollen dort 500 neue Wohnungen entstehen. Nun wollen Gemeinderat und Verwaltung aufs Tempo drücken.

Reporter: Alexander Maier (adi)

Händeringend sucht Esslingen nach Möglichkeiten, um neuen Wohnraum zu schaffen, doch die Spielräume der Stadt sind überschaubar. Neue Perspektiven eröffnen sich, wenn die Hochschule voraussichtlich Ende 2027 ihren Standort an der Flandernstraße räumt, um in die Weststadt umzuziehen. Dann können auf der Flandernhöhe rund 500 neue Wohnungen und ein Quartierszentrum entstehen. Eigentlich sollten die Bagger anrollen, sobald die Hochschule ausgezogen ist. Doch davon ist schon länger keine Rede mehr. Nun soll Finanzbürgermeister Ingo Rust dafür sorgen, dass erste Bauvorhaben auf der Flandernhöhe ab 2030 realisiert werden.

 

Um einen Umzug der Hochschule zu ermöglichen, war 2016 ein Tauschgeschäft vereinbart worden: Das Land erwirbt 17 500 Quadratmeter Baugrund in der Neuen Weststadt für 5,8 Millionen Euro von der Stadt. Im Gegenzug kauft die Stadt das 67 400 Quadratmeter große Hochschulareal an der Flandernstraße für 23 Millionen Euro vom Land. Das Geld soll fließen, sobald die Hochschule ihren Campus dort geräumt hat. Das Geld für den Grundstückstausch mit dem Land lässt sich erst refinanzieren, wenn Investoren gefunden wurden. Bis dahin rechnet die Stadt mit jährlichen Kosten von etwa einer Million Euro für die Zwischenfinanzierung.

Kaum einer kennt die vertraglichen Finessen dieses Grundstückstauschs besser als Finanzbürgermeister Ingo Rust. Der hatte das Geschäft vor Jahren mitverhandelt – damals noch als Staatssekretär im baden-württembergischen Finanzministerium. Manche Stadträte bescheinigen ihm heute süffisant, Rust habe sehr gut verhandelt. Für das Land. Nun soll er als Esslinger Finanzdezernent zusammen mit einem Lenkungskreis dafür sorgen, dass es auf der Flandernhöhe vorangeht und dass die Stadt ihr Ziel erreicht, mit einer „schwarzen Null“ aus dem Geschäft herauszukommen. Deshalb drücken auch die Ratsfraktionen aufs Tempo. Nach der CDU, die schon vor längerer Zeit zur Eile gemahnt hatte, wollte zuletzt auch die SPD Aufschluss darüber, wie das Areal „schnellstmöglich zumindest teilverkauft und einer Wohnbebauung zugeführt werden kann“.

Das Hochschulgelände aus der Vogelperspektive betrachtet. Foto: Stadt Esslingen

Größtes Stadtentwicklungsprojekt

Der Stadt geht es erklärtermaßen nicht nur ums Geld. „Das Hochschulareal an der Flandernstraße ist derzeit das größte Entwicklungsprojekt der Stadt“, heißt es im Rathaus. Anvisiert ist die Übergabe Ende 2027 oder Anfang 2028. Ein konkretes Datum steht noch nicht fest, da sich auch der Hochschulneubau in der Weststadt verzögert hat. Das Stadtplanungsamt hat bis 2024 das Areal an der Flandernstraße untersucht, derzeit wird ein städtebaulicher Rahmenplan erarbeitet. Mitte 2026 möchte die Stadtverwaltung eine Grundsatzvorlage präsentieren, damit der Gemeinderat das weitere Vorgehen des Areals festlegen kann. Darin enthalten sind die städtebaulichen Eckdaten für eine Kalkulation der Arealentwicklung, ein „Quartiersprogramm“ sowie die Einbindung von Fachkonzepten.

Zunächst muss die Stadt weitere Vorleistungen erbringen wie die Prüfung und Ertüchtigung der Anschlüsse an die Verkehrs- und Entwässerungsnetze, die Wärmeversorgung und die Unterbringung einer Kita. Vermarktet werden soll die Flandernhöhe in mehreren Abschnitten. Steht der Grundsatzbeschluss des Gemeinderats, soll ein erstes größeres Baufeld zur Vermarktung ausgeschrieben werden. Dabei will die Stadt auch die neuen Möglichkeiten des „Bauturbos“ für eine zügige Genehmigung und bauliche Realisierung prüfen.

Nach der Aufstellung eines Bebauungsplans 2026 soll ab 2027 die Vermarktung vorbereitet und begonnen werden, ab 2028 sind Baugenehmigungsverfahren und Vertragsabschlüsse geplant. „Erste Bauvorhaben könnten ab 2030 entstehen“, erklärt die Verwaltung. „Dies hängt jedoch vom dann aktuellen Marktgeschehen ab.“ OB Matthias Klopfer hatte schon vor Jahresfrist erklärt: „Das Projekt wird uns bis weit in die 2030er-Jahre begleiten.“

Im Ausschuss für Bauen, Mobilität und Klimaschutz (ABMK) des Gemeinderats, wo die Verwaltung nun den jüngsten SPD-Antrag beantwortet hat, gab es viel Zustimmung. Markus Binder, beratendes Mitglied für die SPD, befand: „Das ist eine Riesenchance für Esslingen. Wenn das Projekt gelingt, wird das republikweit zur Kenntnis genommen.“ Herbert Schrade (CDU) könnte mit dem Ziel einer „schwarzen Null“ leben, monierte aber auch, dass die Stadt sehr viel Zeit bei der Umsetzung des Projekts verloren habe: „Jetzt sind wir in einer schwierigen Phase für solche Projekte.“

„Die Qualität muss stimmen“

Carmen Tittel (Grüne) findet: „Auf der Flandernhöhe kann etwas Tolles entstehen.“ Sie regte an, sich um eine Beteiligung durch den Grundstücksfonds des Landes zu bemühen, der Kommunen bei schwieriger Haushaltslage bei der Realisierung von Wohnbauprojekten unterstützt. Annette Silberhorn-Hemminger (Freie Wähler) drängte auf eine schnelle Vermarktung der Flandernhöhe, fordert aber auch: „Die Qualität muss stimmen. Investoren können weiterziehen – wir müssen mit dem leben, was hier entsteht.“

Die Flandernhöhe im Kurzporträt

Bestand
Der Hochschulstandort an der Flandernstraße wurde in den Jahren 1971 bis 1979 gebaut. Prägendes Element ist ein achtgeschossiges Seminarhochhaus, die so genannte „Akropolis“, der Planer eine hohe gestalterische Qualität attestieren. Vorgelagert sind zwei- bis viergeschossige Bauten, die sich gestaffelt dem Hang anpassen. Eine Studie hatte schon vor Jahren gezeigt, dass wesentliche Teile der heutigen Hochschulgebäude als Wohn-, Arbeits- oder Freizeitbereiche genutzt, aufgestockt und bei Bedarf mit Neubauten kombiniert werden könnten.

Zukunft
Wenn die Hochschuleinrichtungen aus der Flandernstraße voraussichtlich Ende 2027 in die Weststadt umziehen, übernimmt die Stadt das 70 000 Quadratmeter große Areal. Mehr als 500 Wohnungen und ein neues Quartierszentrum könnten entstehen. Ziel ist „ein spannungsvolles, hochwertiges Quartier“, das mit dem Slogan „Wohnen in Panoramalage“ für sich wirbt. Ausgehend vom aktuellen Bestand sollen sich Identität und Strukturen des Quartiers entwickeln. Bestehende Infrastrukturen sollen weiter genutzt, neue Versiegelungen sollen vermieden werden. Baumbestand und Grünflächen sollen erhalten bleiben.

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