Esslinger Stadtjubiläum Kein Festwochenende: Lieber ein Stadtjubiläum light

Einladende Sprüche sollen auf das Stadtjubiläum 2027 einstimmen. Foto:  

Manche mögen’s traditionell. Sie machen in Nostalgie und hätten gerne ein Festwochenende zum Stadtjubiläum. Simone Weiß meint in ihrem Kommentar: Esslingen macht es ganz anders.

Reporterin: Simone Weiß (swe)

So wurde es immer gemacht – so sollte es wieder gemacht werden. Manche Einwohner wünschen sich ein Stadtjubiläum ganz „Old School“. Mit einem geballten Festwochenende. Mit Umzug, Schülervorführungen, Festzelt, Roter Wurst und Blasmusik. Doch die Stadt Esslingen verlässt ausgetretene Pfade und betritt neue Wege städtischer Festkultur: Bürger konnten Ideenvorschläge zur Gestaltung des Geburtstages im nächsten Jahr einbringen.

 

Das ist gut so. Statt Stadtjubiläum heavy während eines Wochenendes gibt es Stadtjubiläum light auf das ganze Jahr verteilt. So haben die Einwohner zwölf Monate lang etwas davon. Den Esslingerinnen und Esslingern wird zudem kein von der Verwaltung geschaffenes Festkonzept zum Ehrenjahr ihrer Stadt übergestülpt – Esslingen kann seine Geburtstagsparty selbst gestalten.

Eine Feier von Bürgern mit Bürgern für Bürger entsteht. Eine solche Organisationsstruktur kann identitätsstiftend wirken in kommunalpolitisch turbulenten Zeiten mit Haushaltsdesaster, geplanter massiver Stellenabbau im öffentlichen Dienst und spaltenden Streitfragen wie dem Standort der Bücherei.

Foto: Robin Rudel

Durch die Breite der Ideengeber für das Stadtjubiläum wird ein breiter Querschnitt der Bevölkerung mit ins Festjahr eingebunden – auch Menschen, die sonst eher schwer Gehör erhalten, können ihren Beitrag leisten. Nicht alle Events werden gehäuft in ein einziges Wochenende gepresst. Das ganze Jahr über sollen Veranstaltungen über die Bühne gehen. Veranstaltungen mit ganz unterschiedlichen Schwerpunkten. Musikfans, Theaterfreunde, Geschichtsliebhaber oder Einwohner mit anderen Interessen können so auf ihre Kosten kommen. Und manche der Projektideen wie die Beleuchtung der Ritterstraße können über das eigentliche Festjahr 2027 hinaus wirken und so nachhaltige Nach-Fest-Vorteile mit sich bringen.

Geld für die Projektideen gibt es erst im Mai

Viele der Projektideen-Geber haben sich den Marktplatz zum Standort ausgewählt. Das macht Sinn – schließlich ist es Esslingens zentraler und einer seiner städtebaulich schönsten Plätze. Es bleibt aber zu hoffen, dass die Bauarbeiten bis zum Start des Jubiläumsjahres abgeschlossen sind. Zwischen Baggern und Baustaub lässt es sich schlecht feiern.

Die finanziellen Schwierigkeiten der Stadt bohren sich zudem in die Festtagsstimmung. Zugesagte Fördergelder für die 55 ausgewählten Projekte können laut Marius Osswald, dem Leiter des städtischen Sozialamtes, erst im Mai ausbezahlt werden. Bis dahin sollte der städtische Doppelhaushalt genehmigt sein. Auch hier bleibt zu hoffen, dass der Zeitplan eingehalten werden kann. Die Ideengeber wollen sich schließlich an die Umsetzung ihrer Vorschläge machen können – und ohne finanzielle Rückendeckung wird das schwer gehen. Sie sollen ihr bürgerschaftliches Engagement ja nicht aus eigener Tasche bezahlen müssen. Und die Zeit bis zum Stadtjubiläum drängt.

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