Esslinger Stadtmarketing Verlust wegen Absage des Weihnachtsmarkts
Nicht nur die Marktbeschicker, auch die Stadt als Veranstalterin verzeichnet Verluste wegen der Absage des Mittelalter- und Weihnachtsmarkts.
Nicht nur die Marktbeschicker, auch die Stadt als Veranstalterin verzeichnet Verluste wegen der Absage des Mittelalter- und Weihnachtsmarkts.
Esslingen - Die kurzfristige Absage des Mittelalter- und Weihnachtsmarkts hat die Beschicker hart getroffen. Viele von ihnen sind auf die Einnahmen angewiesen – und angesichts der zahlreichen pandemiebedingten Ausfälle von Veranstaltungen wirtschaftlich angeschlagen. Aber auch die Stadt verzeichnet Verluste wegen des abgesagten Events: Ihr sind dadurch Einnahmen in sechsstelliger Höhe entgangen.
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Konkret hat die Absage des Weihnachtsmarkts ein Loch von rund 220 000 Euro in den Etat der städtischen Veranstaltungsgesellschaft Esslinger Markt und Event GmbH (EME) gerissen. Schließlich sind ihr bei der Vorbereitung der Veranstaltung Kosten entstanden, etwa für die Planung, das Eventmanagement, für Dekoration, Werbung und Personal. Auch die Bereitstellung der Infrastruktur auf dem Marktplatz wie der Stromversorgung oder der Beschilderung verursachte Kosten, ebenso wie die Vorbereitung der Reinigung und Müll-Entsorgung – auch wenn diese letztendlich doch nicht gebraucht wurde. Normalerweise werden die Ausgaben der EME von den Einnahmen durch Standgebühren und Sponsorengelder gedeckt. „Aber wir haben sämtliche Gebühren zurückgezahlt, um die Marktbeschicker zu entlasten“, sagt Michael Metzler, Geschäftsführer der Veranstaltungsgesellschaft.
Auch den Sponsoren habe man ihre Zuwendungen wieder zurück gegeben. „Das versteht sich von selbst“, findet Metzler. Allerdings verfüge die relativ neu gegründete EME noch nicht über Rücklagen oder stille Reserven, daher könne sie das Minus nicht in Eigenleistung ausgleichen. Deshalb wird die Esslinger Stadtmarketing- und Tourismusgesellschaft (EST), ebenfalls eine städtische Tochter, 220 000 Euro aus ihrer Kapitalrücklage zur Verfügung stellen. Und das, obwohl die EST auch für die eigene Bilanz in die Rücklagen greifen muss, weil sie angesichts der Coronapandemie ebenfalls Einbußen zu verzeichnen hat. Aber Michael Metzler, der auch Geschäftsführer der EST ist, betont: „Bei der EST sind ausreichend Mittel vorhanden, um das zu decken.“ Er halte es für ein wichtiges Signal, dass kein Geld aus dem Kernhaushalt der Stadt benötigt werde. Zumal man versuche werde, die Ausgabe durch Fördergelder wieder auszugleichen. Unterdessen müsse man bedenken, dass die Planung des Mittelalter- und Weihnachtsmarkts von Anfang an unter schwierigen Vorzeichen stand, so Metzler. Lange sei unklar gewesen, ob die Veranstaltung überhaupt möglich ist. Erst im September habe das Land mitgeteilt, dass Weihnachtsmärkte prinzipiell erlaubt seien – wenn auch mit strengen Auflagen. Innerhalb kurzer Zeit habe die EME daraufhin ein Hygiene- und Veranstaltungskonzept erarbeitet, das den damaligen Vorgaben entsprochen habe – man habe aber gleichzeitig stets auf die Unsicherheiten in Bezug auf Planung und Rechtssicherheit hingewiesen. Diese hätten unter anderem mit den zeitlich befristeten Corona-Verordnungen in Zusammenhang gestanden, die mit dem geplanten Beginn des Weihnachtsmarkts oder kurz danach ausliefen. Letztlich habe man aber doch die Reißleine ziehen müssen, um die Pandemiebekämpfung nicht zu konterkarieren, während die Kliniken an der Überlastungsgrenze arbeiteten. Zudem hätte sich die Veranstaltung laut Metzler mit den zuletzt beschlossenen noch strengeren Vorgaben wohl auch wirtschaftlich für kaum jemanden noch gelohnt.