Esslinger Stadtteil Zollberg Gelebte Vielfalt in reizvoller Umgebung

Der Zollberg atmet noch immer den planerischen Geist des „Neuen Bauens“ in den 1950er Jahren: Adrette Häuser und viel Grün prägen im westlichen Teil das Bild. Foto: Roberto Bulgrin

Der Esslinger Stadtteil Zollberg ist ein Kind der 1950er-Jahre. Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden dort Menschen mit ganz unterschiedlichem Hintergrund zusammen. Heute ist der Generationenwechsel unübersehbar, doch der gute Geist des Stadtteils lebt.

Reporter: Alexander Maier (adi)

Der Stadtteil Zollberg, der in den 1950er Jahren auf Esslingens Höhen entstanden ist, atmet bis heute in weiten Teilen den städtebaulichen Charakter jener Zeit. Zwischen der Pliensauvorstadt im Nordwesten, Berkheim im Südosten und Nellingen im Süden leben heute etwa 5400 Menschen. Während auf der westlichen Seite Reihenhäuser mit liebevoll gepflegten Gärten und viele kleine Fußgängerwege das Bild prägen, begegnet man im östlichen Teil häufig mehrgeschossigen Mehrfamilienhäusern, deren Struktur durch Grünzonen aufgelockert wird. Und auch wenn sich durch den Generationenwechsel der jüngeren Zeit und den Zuzug neuer Bewohnerinnen und Bewohner manches verändert hat, schätzen und pflegen gerade die Älteren im Stadtteil noch immer jenen Zusammenhalt, der den Zollberg stets ausgezeichnet hat.

 

Stadtplanung im Geist des „Neuen Bauens“

Seinen Namen verdankt der Stadtteil einem Zollhaus, das einst dort droben stand. Bis ins 20. Jahrhundert gab es nur vereinzelte Häuser – die meisten in attraktiver Halbhöhenlage oberhalb der Pliensauvorstadt. Das Waldheim war ein beliebtes Ausflugsziel, auf dem Sportplatz fanden Wettbewerbe statt. Während des Krieges gab es auf dem Zollberg ein Lager für russische Kriegsgefangene, nach 1945 fanden Kriegsflüchtlinge aus den ehemals deutschen Ostgebieten in eilends errichteten Holzbaracken Zuflucht.

1952 begann die Stadt mit der Planung eines neuen Stadtteils. „Der Bebauungsplan zeigte die damals aktuellen Prinzipien des Neuen Bauens (Zeilenbauten im Grünen statt Blockrandbebauung, Licht, Luft, Raum abseits des Verkehrs) und Gestaltungsformen der 1950er Jahre (geschwungene Straßenzüge, Fußwege abseits der Straßen, aufgelockerte Bebauung)“, heißt es in der Esslinger Denkmaltopografie. Ein zentral gelegenes Ladenzentrum sollte die Versorgung der Zollberger garantieren. Kindergärten, Schulen und zwei Kirchen wurden geplant. 1955 wurden die ersten Häuser gebaut, 1956 zogen die ersten Mieter ein. Menschen mit sehr unterschiedlichen Erfahrungen kamen zusammen, wie das Stadtmuseum im Projekt „Stadtgefährten“ betont hat: „Schwaben und Flüchtlinge, Häuslebauer und Mieter der neu gebauten, erschwinglichen Sozialwohnungen.“ Selbst eine Künstlerkolonie, in der sich Mitglieder der Künstlergilde zusammenfanden, gab es im Auchtweg. Manche nannten den Zollberg scherzhaft „Schuldenbuckel“, weil viele Häuser mit Krediten finanziert worden waren.

Es lohnt sich, den Zollberg zu Fuß zu erkunden. Abseits der viel befahrenen Straßen ist vor allem der westliche Teil reizvoll: Zwischen Mutzenreisstraße, Blienshaldenweg, Auchtweg und Eichendorffstraße findet man kleine Wege, die der Erschließung der dortigen Reihenhäuschen und als Abkürzungen für Fußgänger dienen. Gerade in der Sommerzeit zeigt sich, wie liebevoll viele ihre Gärtchen hegen und pflegen. Man empfindet an vielen Stellen Ruhe und Gelassenheit, anderswo spielen und toben Kinder, so wie das ihre Eltern in ihrer Jugend schon genossen hatten. Und man freut sich an gepflegten Beeten, blühenden Sträuchern und adrett gestutzten Hecken. Und manche spüren dort noch immer einen Hauch von heiler Welt.

Mehr Jüngere, weniger Senioren

Heute leben rund 5400 Menschen auf dem Zollberg. Der städtische Sozialmonitor hat festgestellt, dass sich die Strukturen im westlichen und im östlichen Teil deutlich unterscheiden. „Der Anteil der Altersgruppe 18 bis unter 65 Jahre ist deutlich kleiner als in der Gesamtstadt, die Altersgruppe unter 18 Jahre ist dagegen deutlich größer und wächst weiter“, heißt es über den östlichen Zollberg. Der Anteil der Familienhaushalte ist dort größer als in der Gesamtstadt, der Anteil der Alleinerziehenden fällt mit 22,8 Prozent ungewöhnlich hoch aus. Der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund ist überdurchschnittlich hoch. Im westlichen Teil des Zollbergs ist der Generationenwechsel laut Sozialmonitor unübersehbar: „Der Anteil der Bevölkerung unter 18 Jahre liegt deutlich höher als im städtischen Durchschnitt und wächst seit 2012. Der Anteil der Senioren sinkt seit 2012 stark. Der Anteil der Bevölkerung mit langer Wohndauer ist deutlich höher als in der Gesamtstadt, sinkt aber ebenfalls stark.“

Nach der Jahrtausendwende haben Bürgerausschuss und Stadt intensiv über die weitere Entwicklung des Zollbergs nachgedacht. Ziel war die Entwicklung einer „modernen und zukunftsfähigen Stadtteilmitte“. Schließlich wurde 2012 der neu gestaltete Zollernplatz eingeweiht. Doch der wirkt auf viele Esslinger heute so einladend wie der Bahnhofsplatz. Nun will die Stadt über mehr Aufenthaltsqualität für den Zollernplatz nachdenken. „Mit wenig finanziellem Aufwand soll viel erreicht werden“, heißt es im Rathaus. Schließlich hat die Stadt nur einen Steinwurf entfernt das nächste Großprojekt zu meistern: den Neubau der Zollberg-Realschule, dessen Fertigstellung von Schülern und Lehrern sehnlich erwartet wird.

Zollberger feiern und genießen

Waldbühne
Auf dem Zollberg ist übers Jahr einiges geboten. Für gute Unterhaltung sorgt in der Sommerzeit stets die TSG Esslingen mit ihrer Waldbühne. Eröffnet wird die Saison diesmal am Samstag, 5. August, um 19 Uhr mit einem Rockkonzert der Band Squeezed. Sandy Heller und ihre tolle Truppe lassen die goldene Ära von Rock- und Popmusik mit authentisch und leidenschaftlich gespielten Klassikern lebendig werden. Weiter geht’s am Freitag, 11. August, um 20 Uhr mit Werner Koczwara und Ernst Mantel. Die beiden haben die Popgeschichte nach Welthits durchforstet, die sie als Coverversionen schwäbischer Originale entlarven wollen. Und am Samstag, 12. August, sind ab 20 Uhr die Dirty Saints auf der Waldbühne zu hören. Die Partyband verspricht Cover-Rock-Songs, Pop-Hymnen, aktuelle Charthits und gefühlvolle Balladen.

Stadtteilfest
Der Zollberg-Förderverein lädt am Samstag und Sonntag, 16. und 17. September, zum traditionellen Zollberg-Bürgerfest auf das Gelände der Württembergischen Landesbühne ein. Das umfangreiche Festprogramm wird von Schulen, Kirchen und Vereinen gestaltet. Am Samstagabend rockt der Zollberg mit Live-Musik. Und am Sonntag beginnt das Programm um 10.30 Uhr mit einem ökumenischen Gottesdienst.

Adventsmarkt
Und schließlich steigt am Samstag, 2. Dezember, ein Adventsmarkt auf dem Zollernplatz. Gestaltet wird der Markt vom Zollberg-Förderverein, dem ASB, den Johannitern, den Kindergärten, der ambulanten Tagespflege, dem Förderverein der Eichendorffschule, der evangelischen Kirche, der katholischen Kirche und dem Posaunenchor.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Esslingen Stadtteilserie Kreisserie