Es gibt nicht viele Themen, die so heiß diskutiert wurden wie die Abschaffung des Stadttickets. Denn das vergünstigte Tagesticket wurde nach seiner Einführung 2019 zur Erfolgsgeschichte. Umso größer war die Enttäuschung, als der Gemeinderat das Stadtticket in einer Sparrunde 2023 kassierte. Und als sich später herausstellte, dass sich die Kassenlage nicht halb so dramatisch erwies wie vom Finanzbürgermeister vorhergesagt, schlug der anfängliche Frust bei vielen in schieren Ärger um. Stadträtinnen und Stadträte bekamen das zu spüren, als ihnen viele Bürger in seltener Deutlichkeit eine klare Fehlentscheidung vorwarfen.
Nun hat der Verwaltungsausschuss den Weg frei gemacht, damit der Gemeinderat die Wiedereinführung des Stadttickets demnächst endgültig beschließen kann. Bis zum Comeback wird es allerdings noch dauern.
Dass viele im Gemeinderat einräumen, die Abschaffung des Stadttickets sei ein falsches Signal gewesen, ehrt sie. Und dass manche Ratsmitglieder zumindest hinter vorgehaltener Hand versichern, künftig gelassener auf Finanzprognosen zu reagieren, ist kein Fehler. Das ändert aber nichts daran, dass von der Erkenntnis bis zur Korrektur (allzu) viel Zeit vergangen ist. Gerade in einer Stadt, die den Individualverkehr reduzieren möchte und in der Parkgebühren aufgerufen werden, die alles andere als ein Beitrag zur Innenstadtbelebung sind, braucht es alternative Angebote – vom sozialen Aspekt ganz zu schweigen. Schaut man sich an, wem das Stadtticket nützt, mögen die Begründungen unterschiedlich sein: Viele werden ermuntert, ihren Wagen stehen zu lassen, auf den Bus umzusteigen und vielleicht häufiger in die Innenstadt zu kommen. Und weniger Begüterte werden entlastet. In Summe tut es der Stadt und vielen Menschen gut, dieses Angebot für einen attraktiven und günstigen Busverkehr wieder aufzulegen.