Über die Plattform Volunteam sollen junge Menschen für einen Einsatz in sozialen Einrichtungen geworben werden. Foto: dpa
Man kennt es von Reiseportalen: Mit ein paar Klicks kann man vergleichen und dann buchen. So ähnlich soll die Ehrenamtsplattform Volunteam eines Esslinger Start-ups funktionieren. Ist das förderungswürdig? Darüber entscheiden die Gemeinderäte.
Ehrenamtliche zu gewinnen, ist in den letzten Jahren immer schwieriger geworden. „Insbesondere bei jungen Menschen gibt es zwar eine hohe Bereitschaft für Engagement, viele möchten sich aber nicht dauerhaft verpflichten, sondern eher punktuell aktiv werden“, heißt es in einer Vorlage des Amts für Soziales, Integration und Sport. Um alle Zielgruppen besser erreichen zu können, müssten neue Methoden erprobt und besser auf deren Bedürfnisse eingegangen werden. Deshalb will die Verwaltung mit dem Esslinger Start-up Socialsquared zusammenarbeiten, um die Entwicklung und Umsetzung der digitalen Plattform „Volunteam“ voranzutreiben. Die Stadt schlägt vor, Socialsquared für die Jahre 2025 und 2026 mit jeweils 15 000 Euro zu unterstützen. Darüber wird am Montag der Esslinger Ausschuss für Kultur, Sport und Soziales beraten.
Finanziert die Stadt Doppelstrukturen?
Für Diskussion könnte sorgen, dass es bereits eine Datenbank gibt. Seit 1998 fungiert die Esslinger Freiwilligenagentur (Efa) als Vermittlungsstelle zwischen Bürgern und Organisationen aus Bildung, Kultur, Umwelt, Soziales und Gesundheit. Die Stadt stellt nach eigenen Angaben für dieses Angebot Räume und Infrastruktur bereit. Efa betreibt die Ehrenamts-Plattform www. engagier-dich.de. „Um Doppelstrukturen zu vermeiden, wird mittelfristig eine Verlinkung oder Zusammenführung der beiden Datenbanken angestrebt“, schreibt die Stadt. Die Kooperation mit Volunteam sei als Marketing-Maßnahme zu sehen, um gezielt Jüngere anzusprechen, und ergänze das bisherige Angebot. Die Efa-Plattform müsse zudem überarbeitet werden.
Tristan Eberhardt hat die Ehrenamtsplattform Volunteam entwickelt. Foto: Bulgrin
Die Idee für Volunteam hatte Tristan Eberhardt. Sein Geschäftspartner Noah Scholz ist für die Programmierung zuständig. Zusammen haben sie die gemeinnützige Gmbh Socialsquared gegründet. Die digitale Plattform soll es webbasiert und als App geben. „Aktuell laufen die Arbeiten an der Plattform auf Hochtouren“, sagt der Esslinger Gründer, der selbst im sozialen Bereich arbeitet. In der Öffentlichkeit würden zu oft nur die Probleme der Branche in den Vordergrund gestellt. Wie erfüllend diese Arbeit sei, trete oft in den Hintergrund. Das aber möchte er vermitteln, aber dafür müssten vor allem jüngere Menschen soziale Einrichtungen erst einmal von innen kennenlernen. Wenn der Weg dorthin zu kompliziert sei, würden viele schnell aussteigen, so die Erfahrung des 26-Jährigen.
Hier setzt Volunteam an. Wie bei einer Buchungsplattform sollen sich Interessierte mit nur wenigen Klicks für Aufgaben melden können. Ziel des niederschwelligen Angebots ist es zudem, den Fachkräftemangel im sozialen Bereich zu reduzieren. Denn die Teilnehmer sollen gezielt auf FSJ-Stellen, Ausbildungsplätze und Studiengänge aufmerksam gemacht werden. „Damit bildet Volunteam eine wichtige Schnittstelle zwischen ehrenamtlichem Engagement und beruflicher Orientierung“, betont die Stadt.
„Leuchtturmprojekt“ steckt noch in der Pilotphase
Noch befindet sich Volunteam in der Pilotphase. „Die Stadt Esslingen wäre die erste Kooperationspartnerin für dieses Leuchtturmprojekt“, heißt es in der Ausschussvorlage. Geplant sei, dass soziale Einrichtungen und die Stadt über die Plattform eigene Profile mit vorgefertigten Vorlagen zur Verfügung gestellt bekommen. So sollen sie Aufgaben selbstständig auf Volunteam anbieten und effizient verwalten können. Die fachliche und längerfristige Betreuung oder gar die Finanzierung der Ehrenamtlichen sei im Angebot der Plattform nicht vorgesehen, stellt die Stadt klar.