Esslingen - Nach langer Durststrecke meldet sich die Kultur zurück: Ob Dieselstraße, Galgenstricke, WLB oder die örtlichen Kinos – überall kehrt wieder Leben ein. Und auch im Stadtbild hinterlassen Künstlerinnen und Künstler die lange vermissten Spuren. Am 16. und 17. Juli soll die ganze Stadt zur Bühne werden – das Straßenkunstfestival Straku macht’s möglich. Philipp Falser, der Intendant des Kunstdruck Central-Theaters und sein Team versprechen ein kunterbuntes Programm aus Aktionskunst, Akrobatik, Jonglage, Luftartistik, Clownerie und Musik. Zum sechsten Mal geht das Straku an den Start, und die Idee zieht mittlerweile Kreise: Mitte September planen Falser & Co. in Heilbronn ein inklusives Straku.
Zurück zum bewährten Konzept
Das vergangene Jahr war nicht leicht für die Macherinnen und Macher des Straßenkunstfestivals: Corona hatte ihnen 2020 einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht: Wegen der damaligen Infektionslage musste das Festival viel kleinformatiger angelegt werden, die einzelnen Darbietungen verteilten sich über die ganze Innenstadt, damit sich das Publikum nirgendwo ballen konnte. Nun können Philipp Falser und sein Team wieder zu ihrem bewährten Konzept zurückkehren: Das Programm konzentriert sich auf sechs Plätze in der Bahnhofstraße, der Inneren Brücke und am Postmichelbrunnen.
Es war kein leichtes Unterfangen, das Festival diesmal zu planen. Lange war unklar, was die Infektionslage überhaupt zulassen würde, und auch die Sponsorensuche gestaltete sich alles andere als einfach. Doch mit der Initiative Bahnhofstraße, dem Esslinger Stadtmarketing, dem städtischen Kulturamt und dem Architekturbüro Rainer Künkele sind vier starke Partner im Boot, zu denen sich mit dem Spiel- und Lederwarenhändler Heiges, mit Juwelier Sandkühler, Optik Haug, Enkel Schulz, Mattis und Paulette weitere Unterstützer gesellen. Doch der wichtigste Erfolgsfaktor des Festivals sind die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, deren Einsatz Samira Hadi organisiert: „Wir haben ein bunt gemischtes Helferteam: Manche sind jedes Jahr dabei, andere zum ersten Mal. Manche sind ganz jung, andere im Rentenalter. Aber alle verbindet die Begeisterung für ein Festival, das Straßenkunst in ihrer ganzen Vielfalt zeigt.“
Bewerbungen aus aller Welt
Dass die Vorlaufzeit angesichts der unsicheren Pandemielage kürzer als sonst war, hat Falser kein Kopfzerbrechen bereitet: „Wir hatten 170 Bewerbungen. Das beweist, dass das Straku in der Szene einen guten Namen hat.“ 14 Acts haben Falser und sein Team ausgewählt – das Spektrum ist so bunt und vielfältig wie die Straßenkunst an sich: Das Akrobaten-Duo Vollegro kommt aus Stuttgart, die Clownin Karina Syndicus aus Köln spürt der Absurdität eines Gewürzrondells nach, Verena Rau aus Karlsruhe verbindet Tanz und Jonglage, der kapverdische Künstler Clown Idà reist aus Italien an und bringt seine Seifenblasenfabrik mit, Julia Piening und Arne Wittenhorst sind in Schleswig-Holstein und den Niederlanden zuhause und haben ihren Kofferzirkus dabei.
Und es gibt ein Wiedersehen mit alten Bekannten: Der Stuttgarter Diabolo-Künstler Jonas Kerner ist wieder dabei, ebenso wie das Duo Felice & Cortes aus Berlin. Letztere verbinden Artistik und Musik auf poetische Weise. Und schließlich gibt es noch ein besonderes Schmankerl, das einmal mehr beweist, wie originell Straßenkunst sein kann: Nici Halschke und Julia Lenzmann wollen mit ihren Ein-Minuten-Porträts verblüffen: Erstere charakterisiert Passanten in kurzen Texten, aus denen Zweitere eine gezeichnete Version anfertigt, ohne die Porträtierten gesehen zu haben.
Natürlich darf auch die Musik beim Straku nicht fehlen. Sophia Baur hat sich für sechs Acts entschieden: das Acoustic-Duo Andiemo aus Esslingen, das Indie-Country-Folk-Trio Daily Journey aus Konstanz und Tübingen, den Herrenberger Sänger und Songwriter Joris, die Songwriterin Joanne aus Stuttgart, das Acoustic-Indie-Rock-Quartett Phi aus Esslingen und Rahi aus Heilbronn und Stuttgart, die Rap und Soul miteinander verbinden. Sie alle wollen dafür sorgen, dass im Straku 2021 so richtig Musik drin ist.