Das Programm der Stunde der Kirchenmusik ist reich an Höhepunkten. Foto: Roberto Bulgri/n
Die Stunde der Kirchenmusik in der Esslinger Stadtkirche hat eine lange Tradition – und sie spricht auch Menschen an, die keinen engeren Bezug zur Kirche haben. Für seine letzte Saison vor dem Ruhestand hat sich Kirchenmusikdirektor Uwe Schüssler viel vorgenommen.
Alexander Maier
24.01.2025 - 18:00 Uhr
Geistliche Musik steht in der Esslinger Stadtkirchengemeinde hoch im Kurs: Rund 150 Sängerinnen und Sänger sind in Kinderchor und Kurrende, Jugendkantorei und Kantorei engagiert, und mit der Stunde der Kirchenmusik gibt es eine ebenso profilierte wie beliebte Konzertreihe. Was die früheren Kantoren Hans-Arnold Metzger und Hans Georg Bertram einst begonnen hatten, führt Kirchenmusikdirektor Uwe Schüssler seit 36 Jahren mit Unterstützung seiner Frau Hanna Schüssler fort. Im Oktober werden die beiden in den Ruhestand gehen. Bis dahin darf sich das Publikum noch auf manchen Höhepunkt freuen.
Uwe Schüler prägt seit 36 Jahren die Stunde der Kirchenmusik. Foto: Roberto B/ulgrin
Die Gesangsensembles der Stadtkirchengemeinde spielen bei der Programmplanung eine wichtige Rolle – und sie genießen beim Publikum hohe Wertschätzung. Wenn etwa an Karfreitag die Jugendkantorei, die Kantorei und das Ensemble Musica viva gemeinsam mit einigen Solisten unter der Leitung von Uwe Schüssler Antonin Dvoraks „Stabat mater“ präsentieren werden, dürften die Plätze in St. Dionys wie zuletzt im November bei einer Aufführung von Felix Mendelssohns zweiter Symphonie „Lobgesang“ knapp werden. Am 12. Juli führen Kurrende, Jugendkantorei und Kantorei geistliche Chormusik auf. Und nicht nur die erfahreneren Sängerinnen und Sänger kommen in dieser Konzertreihe zur Geltung: Hanna Schüssler präsentiert am 22. und 23. März mit Kinderchor und Kurrende der Stadtkirche das Singspiel „Träume werden wahr“, das die Josefsgeschichte erzählt.
Manche sind seit Kindertagen dabei
Weil die Sängerinnen und Sänger spüren, dass ihr Engagement geschätzt wird, kennen Uwe und Hanna Schüssler bei ihren Ensembles keine Nachwuchssorgen. Während Kirchengemeinden vielerorts in diesen Zeiten über einen spürbaren Mitgliederschwund klagen, ist das Interesse an einer Mitwirkung in Kinderchor, Kurrende, Jugendkantorei und Kantorei der Esslinger Stadtkirchengemeinde ungebrochen. Was Uwe Schüssler besonders freut: Viele bleiben der gemeinsamen Arbeit über lange Jahre hinweg treu. „Manche, die schon im Kinderchor dabei waren, singen heute auf hohem Niveau in unserer Kantorei mit“, erzählt der Kirchenmusikdirektor, der mit seinen Sängerinnen und Sängern gerne auch mal außergewöhnlichere Projekte auf den Weg bringt: 2023 war die Esslinger Jugendkantorei auf Konzertreise in Indien, für dieses Jahr ist eine Tour von Hongkong über China bis nach Malaysia geplant. Das Konzertprogramm widmet sich europäischer Chormusik aus vier Jahrhunderten und wird am 27. Juli auch in der Stadtkirche zu hören sein.
In seinen 36 Jahren als Kantor der Stadtkirchengemeinde war Uwe Schüssler stets offen für Kooperationen. Diesem Gedanken bleibt er in seiner letzten Saison als Verantwortlicher für die Stunde der Kirchenmusik treu: In Kooperation mit dem Tonart-Festival ist am 8. Februar in St. Dionys Olivier Messiaens „Quartett für das Ende der Zeit“ zu hören, am 22. Februar erklingen unter dem Titel „Flow my tears #2“ Lyrik, Klanginstallationen und Musik, darunter Kompositionen von Johannes Schop, John Dowland und Helmut Lachenmann. Und auch mit dem Podium Festival wird die Stunde der Kirchenmusik wieder kooperieren: Unter dem Titel „Vier Gesänge“ gibt es am 16. Mai „Chor, Blech und Akkordeon aus allen Ecken“. Neben den Ensembles Vocappella und Accordionados sowie Podium-Musikerinnen und -Musikern ist auch die Kantorei der Stadtkirche dabei. Und als Extra-Bonbon gibt es vom 19. Juli bis 9. August vier Konzerte im Rahmen des Orgelsommers.
Spenden zeigen Anerkennung
Auch in der neuen Saison wird es einige respektable Gastspiele geben: Johann Sebastian Bachs Goldbergvariationen stehen am 8. März in einer Bearbeitung für drei Streicherinnen auf dem Programm. „Trost und Zuversicht“ ist am 5. April ein Konzert mit Arien und Instrumentalmusik von Graupner und Bach überschrieben. Das Frauenvokalensemble Luminosa ist am 3. Mai zu Gast. Unter der Leitung von Hanna Schüssler bietet die Stunde der Kirchenmusik am 31. Mai Solokantaten und Kammermusik von Georg Philipp Telemann. Und am 28. Juni haben sich die Aurelius Sängerknaben Calw angesagt. Es gehört zum Konzept, dass der Eintritt zu den Konzerten dieser Reihe in aller Regel frei ist. „Dass wir an solchen Abenden viele Spenden erhalten, die uns bei der Finanzierung helfen, ist auch ein Zeichen für die Anerkennung, die die Stunde der Kirchenmusik in Esslingen genießt“, resümiert Schüssler.
Der Tradition verpflichtet
Die Reihe Die Stunde der Kirchenmusik wurde 1964 vom Kirchenmusiker Hans Arnold Metzger ins Leben gerufen. Seither sind die Kantoren der Stadtkirche für diese kirchenmusikalische Reihe verantwortlich. Das Programm umfasst Chor-Aufführungen, Orgelkonzerte, Abendmusiken mit Solisten sowie die Aufführung großer Oratorien.
Der Auftakt Mit einem Konzert der Stuttgarter Hymnus-Chorknaben geht die Reihe am Samstag, 25. Januar, um 19 Uhr in St. Dionys ins neue Jahr. Dieses Ensemble wurde im Jahr 1900 von Paul Lechler gegründet und steht für geistliches Liedgut. Unter der Leitung von Rainer Johannes Homburg feiert der Knabenchor sein 125-jähriges Bestehen mit einem besonderen Programm: In einer musikalischen Biografie führen die Chorknaben neben Werken von Heinrich Schütz und Johann Sebastian Bach Kompositionen aus dem Hymnus-Umfeld auf. Der Eintritt ist frei, Spenden werden erbeten.