Die Puppenspielerin Alice Therese Gottschalk arbeitet mit Marionetten und Webrahmen. Foto: Roberto Bulgrin
Mit dem Puppentheater „Der Drache vom Drackenstein“ bringt die Junge WLB eine Sage von der Alb auf die Bühne. Alice Therese Gottschalk erzählt den Märchenstoff ganz neu.
Elisabeth Maier
12.02.2026 - 18:00 Uhr
Die Geschichte einer mutigen Prinzessin, die sich gegen ihren Vater durchsetzt, bringt die Puppenspielerin Alice Therese Gottschalk auf die Bühne. Sie interpretiert die schwäbische Sage „Der Drache vom Drackenstein“ aus heutiger Sicht neu. Das Märchentheater der Jungen WLB für Kinder ab vier Jahren hat am Sonntag, 15. Februar, um 15 Uhr im Studio am Blarerplatz der Esslinger Landesbühne Premiere.
Eine Sage von der Alb auf die Bühne zu bringen, das hat die Künstlerin gereizt. Viele kennen den Drackensteiner Hang an der Autobahn A 8 nur von den Staudurchsagen. Die geheimnisvolle Wald- und Felslandschaft hat Erzählerinnnen und Erzähler zu den wildesten Fantasien inspiriert. In der überlieferten Sage ist die Rede von einem Drachen, der die Tochter des Kaisers von Marokko übers große Wasser entführt und im Drachenloch gefangen gehalten haben soll. Diese Höhle wurde beim Bau der Autobahn verschüttet. Ein Junker von Westerstetten habe die Prinzessin dort befreit, das Ungetüm umgebracht und dann mit ihr Hochzeit gefeiert.
Mit dieser Erzählung bricht die Puppenspielerin, denn ihre Drachendame Anna hilft der Prinzessin Amira, sich gegen den übermächtigen Vater durchzusetzen. „Märchen dürfen wachsen, denn sie spiegeln die jeweilige Zeit und ihre Wirklichkeit wider.“ Im 21. Jahrhundert ist der Drache kein böses Monster, sondern die Drachendame Anna. Sie hilft der Prinzessin Amira im Kampf gegen ihren Vater. Dann verführt sie ein mutiger Schneider dazu, selbst Abenteuer zu erleben. Wie lässt sich dieser Stoff Kindern ab vier Jahren vermitteln? „Es geht darum, selbstbewusst zu sein“, sagt die 47-Jährige, die viel Erfahrung im Kindertheater hat. Das vermittelt die Solospielerin den Kindern mit ihren Marionetten und Figuren.
Kinder verfolgten die erste Probe des „Drachen vom Drackenstein“
Etwas aufgeregt sei sie gewesen, als eine Kindergruppe in eine Durchlaufprobe kam. Da Gottschalk mit griffigen Figuren arbeitet und durch ihre zugewandte Art beim Gegenüber schnell Vorbehalte abbaut, schauten die Kinder gebannt zu. Da die Jungs und Mädchen selbst mit Webrahmen gearbeitet hatten, fanden sie es spannend, wie die Spielerin Figuren durch die gespannten, dicken Fäden zog.
„Fäden sind in der Inszenierung wichtig“, verrät die Künstlerin, die ihren Abschluss im Figurentheater an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart gemacht hat. Sinnliche Erfahrung ist ihr wichtig. Gelernt hat sie die Puppenspielkunst beim Altmeister Albrecht Roser; das Studium begonnen hat sie an der Hochschule Ernst Buch in Berlin im Studiengang Puppenspiel. Das Bühnenbild erinnert an einen Webrahmen, auf dem Landschaften angedeutet sind. Da grasen Schafe, darüber scheint die Sonne.
„Märchen dürfen wachsen, denn sie spiegeln die jeweilige Zeit und ihre Wirklichkeit wider.“
Alice Therese Gottschalk, Puppenspielerin
Das kompakte Konstrukt hat die Schreinerei der Esslinger Landesbühne gebaut. „Mit den Werkstätten arbeiten zu dürfen, ist für mich als freie Künstlerin eine große Chance.“ Sie lebt in Stuttgart, geht mit den Produktionen ihres FAB-Theaters auf Tournee. Leo Lionnis Kinderbuch von der Maus „Frederick“ hat sie 2024 in Esslingen auf die Bühne gebracht. Für die Junge WLB war sie auch als Ausstatterin tätig.
Die Spielerin trägt die kunstvoll gestaltete Drachenmaske. Foto: Roberto Bulgrin
Die Marionetten hat Gottschalk selbst gebaut und gestaltet. Da sie in „Der Drache vom Drackenstein“ selbst spielt und die kunstvoll gestaltete Drachenmaske trägt, „war es wichtig, dass man die Figuren mit einer Hand führen kann.“ Damit das gelingt, hat die vielseitige Künstlerin getüftelt. Geschichten mit Figuren, Bildern, Objekten und Sprache zu erzählen, das ist ihre Leidenschaft. Obwohl sie mit Material und Objekten experimentiert, setzt sie auf klassische Marionetten. Neugierig blickt die Prinzessin Amira ins Weite. Die zarten, filigran gestalteten Händchen strahlen Unruhe, aber auch Lust auf Neues aus. Das gilt auch für die Figur des Schneiders. Der König ist kugelrund und schwerfällig. Dass er seine Tochter überrennt, sieht man der Figur an.
Obwohl die Künstlerin keinen Hehl daraus macht, dass sie im Theater auf das Erzählen setzt und im analogen Raum unterwegs ist, ist sie neugierig auf neue Medien. Mit dem Regisseur Stephan Wunsch hat sie die Produktion „Free as a Robot – über verkabelte Marionetten und aufgehängte Roboter“ realisiert. Mit den Möglichkeiten der Robotik zu spielen, das hat ihr gefallen. Von der Technik leiten lassen will sie sich aber nicht, denn es geht für sie um die Menschen und ihre Geschichten.
Die Premiere „Der Drache vom Drackenstein“ ist am Sonntag, 15. Februar, 15 Uhr, im Studio am Blarerplatz in Esslingen. Weitere Termine: 1. März sowie 12. und 23. April.