Streifenhörnchen sind kleiner als Präriehunde. Sie waren somit eine leichtere Beute für die Ratte. Foto: dpa/Soeren Stache
Das hat den Esslinger Tierpark Nymphaea hart getroffen: Die Streifenhörnchen fielen einem brutalen Eindringling zum Opfer. Das Team spricht von einem „so noch nie da gewesenen Vorfall“.
Das Gehege in der Nähe des Kassenhäuschens ist leer. Früher hatte sich hier im Tierpark Nymphaea auf der Esslinger Neckarinsel eine tierische WG getummelt. Präriehunde und Streifenhörnchen hatten friedlich zusammengelebt – bis ein brutaler Störenfried von außen das muntere Zusammenleben beendete.
Das Gehege ist leer. Die Präriehunde sind Langschläfer. Sie haben es auch an diesem Morgen nicht so mit dem frühen Aufstehen und dösen noch unsichtbar für die Besucher in ihren Erdhöhlen. Doch die Streifenhörnchen fehlen. Christoph Kässer spricht von einem „tragischen Verlust“, einem „so noch nie da gewesenen Vorfall“ und einem „schlimmen Ereignis, das nicht vorhersehbar war“. Eine Ratte, sagt der im Tierpark für die Öffentlichkeitsarbeit Zuständige, habe sich Zugang zum Gehege mit der zuvor so umtriebigen Tier-WG verschafft. Wie das Nagetier in den Käfig gelangt ist, kann nur vermutet werden. Das Nymphaea-Team glaubt, dass es selbst ein Loch in die Wand gebissen hat und so ins Innere gelangt ist.
Auf dem Balkon des neuen Aufzuchthauses im Tierpark Nymphaea: Andreas Wörz und Christoph Kässer mit Finch. /Bulgrin
An die Präriehunde, sagt Christoph Kässer, traute sich der Eindringling wohl nicht ran. Sie seien größer als die Streifenhörnchen – und darum habe die Ratte wahrscheinlich sicheren Abstand gewahrt. Die Streifenhörnchen waren eine leichtere Beute. Nun im Winter seien sie etwas träger als im Sommer und daher wohl einfacher zu erhaschen gewesen. „Ratten sind kompromisslose Opportunisten“, sagt Christoph Kässer. Wie viele Tiere dem Rattenangriff zum Opfer fielen, kann wegen der zahlenmäßigen Schwankungen in der Gruppe schwer gesagt werden. Christoph Kässer schätzt den früheren Bestand auf bis zu sechs Tiere.
Präriehunde bleiben allein im Esslinger Tierpark
Ob wieder Streifenhörnchen angeschafft werden, werde gerade noch überlegt. Es müsse zudem recherchiert werden, ob diese Tiere verfügbar seien. Es werde auch darüber nachgedacht, wie das Gehege noch sicherer gemacht und vor dem Zugriff von Ratten geschützt werden könne. Doch vorerst sind die Präriehunde allein in ihrem Gehege.
Der Vorfall hat das Nymphaea-Team hart getroffen. Doch es blickt auch in die Zukunft. Der Bau des neuen Aufzuchthauses hält die Verantwortlichen in Atem. Das größte Bauvorhaben in der Geschichte des Tierparks soll laut Andreas Wörz, dem Vorsitzenden des Aquarien- und Terrarienverein Nymphaea Esslingen als Trägerin der Einrichtung, wohl bis zum Jahresende abgeschlossen werden. Es sei noch einiges zu tun: Der Innenausbau müsse erfolgen, die Wände gemacht, weitere Arbeiten verrichtet werden. Doch hinter den Fenstern im Erdgeschoss wurden bereits Gehege mit Tieren platziert. Sie sollen bis zum endgültigen Ausbau stehen bleiben.
Wege zum neuen Aufzuchthaus sollen ebenfalls noch angelegt werden. Sie sollen auch am ehemaligen Hirschgehege vorbeiführen. Die Publikumslieblinge waren wegen der Bauarbeiten an den Freizeitpark Tripsdrill abgegeben worden – und laut Christoph Kässer werden sie nicht zurückkehren. Zur weiteren Nutzung des frei gewordenen Platzes gebe es viele Wünsche und Vorstellungen im Verein. Was verwirklicht wird, müsse abgewartet werden.
Streifenhörnchen in Aktion
Vielleicht findet ja auch ein besonderer Nymphaea-Bewohner dort eine neue Heimat. Die Geierschildkröte, die im Mai vergangenen Jahres mitten auf einem Feldweg bei Weilheim von einem Hundehalter beim Gassigehen gefunden worden war, könnte am ehemaligen Hirschgehege ein Domizil erhalten. Dann wäre sie auch für Besucher sichtbar. Bislang ist das Tier fern vom Publikumsverkehr in einem hinteren Bereich des Esslinger Tierparks untergebracht.