Esslinger Tierpark Nymphaea und ihre größte Herausforderung
Der Esslinger Tierpark auf der Neckarinsel plant das ehrgeizigste Bauvorhaben seiner Geschichte. Ein neues Aufzuchthaus soll entstehen.
Der Esslinger Tierpark auf der Neckarinsel plant das ehrgeizigste Bauvorhaben seiner Geschichte. Ein neues Aufzuchthaus soll entstehen.
Prag hat eine wunderschöne Altstadt. Doch die City der tschechischen Hauptstadt haben Christoph Kässer und seine Vereinskollegen links liegen lassen. Denn die Abgesandten des Esslinger Tierparks Nymphaea hatten andere Interessen: Sie waren auf einer großen Zootour in vielen Städten unterwegs. Die meisten üblichen Sehenswürdigkeiten blieben da außen vor. Sie konzentrierten sich auf die Tierparks und suchten dort nach Anregungen. Denn die Nymphaea peilt derzeit ein ehrgeiziges Bauvorhaben an: „Es ist die größte Maßnahme, die der Verein jemals angepackt hat“, sagt der für Öffentlichkeitsarbeit zuständige Christoph Kässer.
Das Aufzuchthaus soll abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Einst war es der Star des Tierparks. Nun ist es in die Jahre gekommen. Früher, schwelgt Christoph Kässer in Erinnerungen, gehörte zum Aufzuchthaus eine riesengroße Voliere mit Papageien und anderen Ziervögeln. In unmittelbarer Nachbarschaft befand sich ein Gehege für Schildkröten. Manfred Künzl, der Erbauer, habe es auf unerklärliche Weise immer geschafft, dass die verschiedenen Tierarten in Harmonie miteinander lebten, und er hatte auch bei Bauvorhaben ein glückliches Händchen: „Das Aufzuchthaus hat wirklich extrem lange gehalten.“
Denn die Nymphaea hat eine lange Geschichte. 1931, erklärt Kässer und blättert in der Historie, hatte sich der Aquarien- und Terrarienverein Esslingen auf der Neckarinsel niedergelassen. Zuvor hatte es immer wieder einzelne Ausstellungen gegeben. Doch dann hatte der Verein ein Gelände für sich und seine Tiere gesucht – und hatte von der Stadt Esslingen das Grundstück auf der Neckarinsel gepachtet. Dort wurde das damalige Vereinsheim und heutige Haus für die Jugendgruppe errichtet, das in der Nähe des Eingangs steht.
Das waren die Anfänge. Doch diese Anfänge waren laut Christoph Kässer schwierig, anstrengend und finanziell unsicher. Weitere Gebäude wurden mit einfachen Mitteln vor allem in den 1960er Jahren hochgezogen – und an ihnen nagt nun der Zahn der Zeit. Auch das Aufzuchthaus sei marode, nicht mehr reparaturfähig und könne nicht im Bestand saniert werden: „Es ist am Ende seiner Lebenszeit angekommen.“
Daher soll es nun weg. Ein Abriss und ein Neubau sind vorgesehen. Die Kosten beziffert der Vereinsvorsitzende Andreas Wörz auf eine Summe zwischen 600 000 und 800 000 Euro. Die Bauzeit werde zwischen zwei und drei Jahren betragen. Doch wann die Bagger anrücken können, sei noch nicht abschließend geklärt: „Wir befinden uns in der Planungsphase.“ Für einen rein ehrenamtlich betriebenen Verein sei das Vorhaben ein enormer Kraftakt. Sehr viel wollen die Mitglieder in Eigenleistung erledigen.
Noch sind im Aufzuchthaus Schlangen, Schildkröten und ein paar Kleinsäuger wie Mäuse und Degus untergebracht. Sie könnten leicht in andere Gehege umgesiedelt werden, meint Kässer. „Klotzen, nicht kleckern“ ist nach Angaben der beiden Vereinsmitglieder die Devise bei dem Neubau. Es solle etwas richtig Schickes mit Aufenthalts- und Sanitärräumen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Gehegen für Tiere entstehen. Während der Bauarbeiten werde es im Park auf jeden Fall Einschränkungen für Besucher geben, doch komplett geschlossen werde die Nymphaea nach jetziger Planung nicht. Jedenfalls hat der Tierpark einige Ideen für den Neubau in der Pipeline. Die Zootour in verschiedene Städte hat sich ausgezahlt.