Esslinger Tonart-Festival Musikalische Antworten auf Zeitenwenden

Künstliche Intelligenz hält auch in Kunst und Kultur Einzug, wie diese Illustration fürs Tonart-Programmheft zeigt, die Alex Waite mit Hilfe von Chat GPT kreiert hat. Foto: privat

„Die Musik kann nicht alle Probleme dieser Welt lösen“, wissen die Macher des Esslinger Tonart-Festivals. „Doch sie kann helfen, anders mit dem umzugehen, was viele bewegt.“ Vom 8. Februar bis 12. März sucht das Festival musikalische Antworten auf die Zeit.

Kriege, Krisen, Klimawandel, Hunger und die wachsende Bedrohung unserer Demokratie – die Welt scheint vielen aus den Fugen geraten zu sein. Immer wieder ist von einer „Zeitenwende“ die Rede, die überzeugende Antworten verlangt. Das Esslinger Tonart-Festival mag darüber nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. „Die Musik kann nicht alle Probleme dieser Welt lösen“, ist sich Albrecht Imbescheid, einer der Initiatoren, wohl bewusst. „Doch sie kann helfen, anders mit dem umzugehen, was viele bewegt.“ Deshalb steht das Festival in diesem Jahr unter dem Motto „Zeiten wenden“, das sich auf unterschiedliche Weise interpretieren lässt. Vom 8. Februar bis 12. März sind acht Konzerte geplant, die sich auf vielfältige Weise mit den Irrungen und Wirrungen unserer Zeit auseinandersetzen.

 

Die Anfänge des Tonart-Festivals reichen ins Jahr 1985 zurück. Esslinger Komponisten fanden sich damals zusammen, um ihre Werke in Studiokonzerten aufzuführen. Daraus ist das Tonart-Festival entstanden, das sich unter der Federführung von Albrecht Imbescheid, Klaus Dreher, Christian Pfeiffer und Frank Wörner der Auseinandersetzung mit der zeitgenössischen Musik verschrieben hat – sei es in der Musik selbst, aber auch im Bild oder in der Sprache. Tonart ist ein eingetragener Verein, der alle zwei Jahre verschiedene Esslinger Kultureinrichtungen unter einem verbindenden Motto zusammenbringt, um die Neue Musik zu pflegen und ein klangfarbenreiches Festival zu organisieren, wie man es anders in der Region so rasch nicht noch mal finden wird.

Blick in die Ewigkeit

Kooperationen helfen, das künstlerische Spektrum zu erweitern. Was dadurch möglich wird, zeigt sich bereits beim Auftaktkonzert, das am Samstag, 8. Februar, um 19 Uhr in der Stadtkirche St. Dionys beginnt. Veranstalter ist das Kantorat der Stadtkirche in Zusammenarbeit mit Tonart. Erklingen wird Olivier Messiaens „Quatuor pour la fin du temps“, eine Komposition, die 1941 inmitten von Krieg und Naziterror in einem Kriegsgefangenenlager entstanden ist. Als Inspiration für dieses achtsätzige kammermusikalische Werk dienten die Bilder aus der Offenbarung des Johannes, in denen der Übergang der menschlichen Zeit in Gottes Ewigkeit beschrieben ist. „Aus Vogelstimmen, Farb-Akkorden und unumkehrbaren Rhythmen entwickelt Messiaen eine Klangsprache, die in der Zeit-Kunst Musik die Ewigkeit Gottes erahnen lassen“, erklären die Veranstalter.

Die weiteren Konzerte versprechen ebenso spannende und teils ungewöhnliche Begegnungen mit der zeitgenössischen Musik. „Bricht Schönheit Gewalt?“ ist das zweite Konzert am 16. Februar ab 17 Uhr im Blarer-Gemeindehaus überschrieben. Zu hören sind Arnold Schönbergs Vertonung von Lory Byrons „Ode an Napoleon“, George Crumbs Vertonung von Federico Garcia Lorcas Lyrik und Luciano Berios kammermusikalische Hommage an den ermordeten Bürgerrechtler Martin Luther King. Zwei Abende unter dem Titel „flow my tears“ werfen am 20. Februar in der Dieselstraße und am 22. Februar in St. Paul einen Blick auf Zeitenwenden über die Jahrhunderte hinweg.

Schüler setzen den Schlussakkord

Studierende dreier Hochschulen gehen am 27. Februar in der Dieselstraße der Frage nach, wie künstliche Intelligenz die Welt und mit ihr die Musik verändert. Im Kommunalen Kino ist am 5. März mit livemusikalischer Begleitung „Die Stadt ohne Juden“ zu sehen, eine Filmsatire von 1924. Zum internationalen Frauentag lädt Tonart am 8. März ins Münster St. Paul zu einem Konzert für die Tonkünstlerin und belarussische Oppositionspolitikerin Maria Kalesnikava ein. Und am 12. März zeigen Schülerinnen und Schüler des Georgii-Gymnasiums im Komma, welche klanglichen Finessen sie selbst gebauten Synthesizern zu entlocken vermögen.

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