Michalis Karanastassis heißt der neue Pächter des seit Mitte Juni geschlossenen Traditionslokals Schwanen in Esslingens Altstadt. Auch wenn sein Name griechisch ist, wird er schwäbische Küche anbieten und auf Bier setzen. „Es bleibt ein Wirtshaus mit gut bürgerlicher Küche“, freut sich Alexander Lebèus. Der gebürtige Esslinger ist seit 2020 Braumeister im Schwanen und soll unter dem neuen Pächter nicht nur wie bisher Märzenbier brauen, sondern auch Pils und Helles.
Karanastassis habe verstanden, dass man aus dem Schwanen kein Weinlokal machen sollte, wie es manch anderer Bewerber geplant hatte, so der Braumeister. Der neue Pächter habe sehr großes Know-how bei Bier. „Ich habe fast alles probiert von der Luxusklasse bis zur Rarität“, erklärt Karanastassis. Er wolle künftig von Mittwoch bis Sonntag zwischen 17.30 Uhr und 21.30 Uhr warme Küche anbieten und anschließend Barbetrieb. Dafür werde es eine andere Getränkekarte geben. Außerdem plane er Bier-, Wein-, Rum- und Gintastings im oberen Teil des Gasthauses. Der Keller hingegen soll für Veranstaltungen vermietet werden. Die Belegschaft zähle bislang drei Vollzeitkräfte inklusive seiner Person, zwei weitere möchte er noch einstellen. Am Freitag, 3., und Samstag, 4. November, wird es um 17.30 Uhr losgehen. Es gebe drei Zapfbiere zu verkosten sowie acht nationale und internationale Bierspezialitäten. Welche es sein werden, will der Wirt nicht verraten. „Es soll eine Überraschung werden“, sagt er. Auch wolle er Weine aus der Region anbieten. Essen sei für diesen Abend noch nicht geplant.
Der neue Pächter freut sich „endlich wieder Kochen“ zu können
Karanastassis blickt eigenen Angaben zufolge auf Jahrzehnte Erfahrung in der Gastronomie zurück. Zuletzt habe er das Mon Petit Café in Bad Cannstatt betrieben, das Braumeister Lebèus zufolge bekannteste Bierlokal in ganz Deutschland. In der Bistrobar habe es für den Griechen allerdings nur begrenzte Möglichkeiten zum Kochen gegeben. „Im Schwanen kann ich nun endlich wieder kochen“, erklärt Karanastassis.
Er habe auf Rhodos in einer der besten Schulen Griechenlands sein Handwerk gelernt. Zuvor hatte er in Kiel, der Heimatstadt seiner Mutter, E-Technik an der FH studiert. „Das war mir zu langweilig“, begründet der heute 43-jährige Familienvater seinen Wechsel in die Gastronomie. Bis 2012 habe er in Griechenland in verschiedenen Restaurants von Mykonos bis Athen gearbeitet, darunter auch als Koch in einem 5-Sterne Hotel auf Rhodos.
Wegen der seit 2010 andauernden griechischen Staatsschuldenkrise sei er 2012 nach Deutschland gegangen. Dank des deutschen Nachnamens seiner Mutter – sie lebt seit 1977 auf Rhodos – habe er in Bad Cannstatt schließlich eine Wohnung gefunden. „Sie schickte einfach eine Mail von ihrem Account ab“, erzählt er schmunzelnd. Zunächst habe er im „87“ in Bad Cannstatt gearbeitet, das Augustiner im Kursaal mit aufgebaut und sich schließlich 2013 mit dem Mon Petit Café selbstständig gemacht.
Die Leute sollen unter anderem wegen des Bieres in den Schwanen kommen
„Aus dieser Zeit verfügt er über ein gutes Netzwerk“, meint der Braumeister über den medienscheuen Karanastassis. Wer ihn im Internet suche, werde keine Fotos von ihm finden. „Ich bin das Gesicht im Restaurant“, sagt der Pächter, Lebèus nach außen. Letzterer hofft, dass dem Griechen der Spagat zwischen Geschäftsführer, Gastgeber und Koch gelingt und Leute aus ganz Deutschland wegen des Bieres in den Schwanen kommen. Sie sollen dabei „absolut toll kulinarisch versorgt werden“, sagt er.
Der Esslinger Schwanen hat seit 2017 mehrere Pächterwechsel hinter sich. Auf Rudolf Reutter von der Weinstube Schellenturm folgte Jan Scheu und dann Kevin Lutz mit einem Geschäftspartner. Dieser war bereits vor der Krankheit von Lutz ausgeschieden. Deshalb hatte Inhaber Andreas M. Langheck zwischen März und Juni gemeinsam mit seiner Familie und dem Beikoch den Geschäftsbetrieb aufrecht erhalten und seitdem einen neuen Pächter gesucht. Dieser sollte qualitativ hochwertige Gastronomie anbieten und zum Konzept des Hauses mit seiner Brauerei passen.