Esslinger Trinkwassernetz wird saniert Die Rotenberger Leitung steht auf den Schlauch

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Durch ein ganz neues Verfahren wird eine der wichtigsten Trinkwasserrohre der Stadt saniert.

Pro Minute verlegen die Arbeiter etwa fünf Meter Schlauch. Foto: Ines Rudel
Pro Minute verlegen die Arbeiter etwa fünf Meter Schlauch. Foto: Ines Rudel

Esslingen - Mit einem eleganten Verfahren wird zur Zeit die Wasserleitung nach Esslingen erneuert. Das 100 Jahre alte Rohr, das von Stuttgart-Rotenberg nach Esslingen-Rüdern führt, wird innen mit einem blauen Kunststoffschlauch ausgekleidet.

Zunächst wird das Rohr mit einer Kamera befahren

Am Montag, bei der Eröffnung des Esslinger Bauabschnittes, haben sie es vorgeführt, die Mitarbeiter der Firma Primus Line aus dem bayrischen Ort Cham, wie das vor sich geht. Zunächst wird das Rohr mit einer Kamera befahren, die eine Art Leine hinter sich herzieht. Entlang dieser Leine wird ein doppelt gefalteter Kunststoffschlauch auf der einen Seite eingeschoben und auf der anderen Seite gezogen. Zwei Mitarbeiter von Primus Line überwachen in einer Baugrube die Arbeit. Einer kontrolliert die Winde, einer schmiert den Schlauch mit Fett ein, dass er gut durch die Kanalröhre kommt.

Die Vorteile des Verfahrens liegen auf der Hand. Es ist sehr schnell, weil der Schlauch mit etwa vier bis fünf Metern pro Minute in das Rohr eingeschossen wird, und es ist gut um die Hälfte billiger. Denn ohne dieses minimalinvasive Verfahren müsste man die Weinberge etwa drei Kilometer lang aufgraben.

Etwa 950 000 Euro kostet es, die gesamte Leitung zu erneuern. Sie ist 3,3 Kilometer lang und wurde im Kriegsjahr 1917 unter schwierigsten Bedingungen gebaut. Alles Eisen wurde für das Militär gebraucht, und es waren kaum Arbeiter aufzutreiben. Der Esslinger Oberbürgermeister Jürgen Zieger würdigte am Montag die Leistung der schwäbischen Ingenieure. Sie hatten trotz dieser schlechten Bedingungen so gut gearbeitet, dass die Leitung 100 Jahre gehalten hat. Jürgen Zieger ist zugleich der Vorsitzende der Landeswasserversorgung, deren Einzugsgebiet vom Bodensee bis nach Stuttgart reicht.

Mit dieser Wasserleitung wurde Esslingen zum ersten Mal an eine Fernwasserversorgung angeschlossen. Seit dieser Zeit fließen rund 1,5 Millionen Liter Trinkwasser in die Esslinger Kernstadt. Sie werden über den Wasserbehälter Rotenberg eingespeist, der sich mitten in den Weinbergen unterhalb der Württembergischen Grabkapelle befindet.

Die Leitung versorgt auch Teile von Stuttgart

Die Leitung versorgt auch die Stuttgarter Stadtteile Uhlbach, Obertürkheim und Rotenberg, die noch einmal 1,1 Millionen Liter Wasser pro Jahr benötigen. Jetzt wo die Leitung nach Esslingen gekappt ist, wird die Kernstadt von einem zweiten großen Zubringer an der Katharinenlinde versorgt. Im März haben die Bauarbeiten auf Stuttgarter Markung angefangen, auf Esslinger Markung fehlen noch etwa 700 Meter, die verlegt werden müssen. Michael Senbert, Mitarbeiter von Primus Line, schätzt, dass die Arbeiten Mitte November beendet sein werden.