Esslinger Ukraine-Hilfe Kultur zeigt Flagge gegen den Krieg

Martin Auerbach und Hermine Perzlmeier lesen in der Maille aus Bertolt Brechts „Mutter Courage“. Foto: oh

Das Entsetzen über den russischen Angriff auf die Ukraine und die Sorge um die Menschen vor Ort sind hierzulande groß. Viele wollen den Betroffenen helfen. Die Esslinger Kulturszene beweist mit zahlreichen Aktionen ihre Solidarität.

Reporter: Alexander Maier (adi)

Quer durch die Republik zeigen viele ihre Solidarität mit der Ukraine und den vom Krieg Betroffenen. Eine Welle der Hilfsbereitschaft ist entstanden, und alle suchen nach Möglichkeiten, wie sie etwas für die Menschen in der Ukraine und für die Kriegsflüchtlinge tun können. Die Esslinger Kulturszene hat sich auf unterschiedliche Weise für die Ukraine-Hilfe engagiert, an weiteren Ideen fehlt es nicht. Vergangene Woche haben die Macherinnen und Macher des Podium-Festivals gemeinsam mit dem Jugend- und Kulturzentrum Komma und dem Kulturzentrum Dieselstraße zum Benefizkonzert in die Esslinger Stadtkirche eingeladen, kommenden Samstag treten Musikerinnen und Musiker im Neckar Forum für die Ukraine-Hilfe auf. Und auch sonst zeigen Künstlerinnen, Künstler und Kulturschaffende in Esslingen Kreativität, um ihre Solidarität zu beweisen.

 

Beklemmende Aktualität

Martin Auerbach und Hermine Perzlmeier fühlten sich angesichts des russischen Überfalls auf die Ukraine auf fatale Weise an Brechts Theaterstück „Mutter Courage und ihre Kinder“ erinnert: „Dieses Werk ist bedeutend, und es geht ja auch um die Übertragung in die Gegenwart – die individuellen Eindrücke, die man gewinnt, und die Gefühle, die einen angesichts der Aktualität überkommen.“ Spontan hatten sich Perzlmeier und Auerbach am ersten März-Wochenende entschlossen, zusammen mit anderen in der Maille Brechts Bühnenstück mit verteilten Rollen zu lesen. Die Resonanz war noch ausbaufähig, doch Martin Auerbach will nicht lockerlassen und für kommenden Sonntag, 20. März, ab 13.30 Uhr erneut zur gemeinsamen „Mutter Courage“-Lesung in der Maille einladen. Mitmachen dürfen und sollen alle, die ein Zeichen gegen Kriege überall auf der Welt setzen wollen. Und Auerbach hat noch weitere Ideen in petto: „Ich könnte mir auch Veranstaltungen mit Menschen vorstellen, die vor anderen Kriegen geflohen sind und die wir nicht vergessen dürfen, auch wenn unsere Solidarität im Ukraine-Krieg natürlich sehr wichtig ist.“

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Die Esslinger Künstlerin und Kinder-Biennale-Initiatorin Margit Bäurle fühlt sich ob des Kriegs in der Ukraine an ein Goethe-Wort erinnert: „Die Kunst ist eine Vermittlerin des Unaussprechlichen.“ Deshalb hat sie Kolleginnen und Kollegen gebeten, ihre Werke für eine Solidaritätsaktion für die Ukraine-Hilfe zur Verfügung zu stellen. Rund 50 Künstlerinnen und Künstler machen mit, die Kosten pro Werk liegen zwischen 50 und 300 Euro. „Viele der Arbeiten wären um einiges teurer“, weiß Margit Bäurle, die auch auf zusätzliche Spenden hofft. Die Kunstwerke werden vom 21. März bis zum 14. April in der Radiologischen Praxis im Lammgarten (Plochinger Straße 115 in Esslingen) ausgestellt.

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Die Schreckensbilder aus der Ukraine und die Berichte seiner Freunde aus Czernowitz haben Lyrik-Bühne-Initiator Harald Vogel veranlasst, eine Benefiz-Soiree für die Ukraine zu organisieren. Gemeinsam mit dem Gitarristen Johannes Weigle und der argentinischen Cellistin Cecilia Castillo wird Vogel am Donnerstag, 31. März, ab 19.30 Uhr im Gemeindehaus am Blarerplatz Texte von Rose Ausländer, Paul Celan und Selma Meerbaum-Eisinger, die allesamt aus Czernowitz stammten, zu Gehör bringen. „Wir möchten mit den Gedichten der Czernowitzer Autoren, die den entsetzlichen Völkermord an den Juden erlebt haben, Zeichen setzen gegen das erneute Sterben und die erneute Vertreibung im aktuellen Ukraine-Krieg. Es war uns allen unvorstellbar, dass dieses Leid sich noch einmal wiederholen könnte.“

Der Wille, zu unterstützen

„Als uns die Nachrichten über den Angriffskrieg aus der Ukraine erreichten, überwogen Schock, Unverständnis und Wut. Unverständnis und Wut sind geblieben, der Schock wurde vom Willen, zu unterstützen, abgelöst“, sagt Maren Weber, die Geschäftsführerin der Dieselstraße. Deshalb lädt das Kulturzentrum am Samstag, 26. März, ab 20 Uhr zu einem Benefizkonzert „Musik gegen Krieg“ ein – auf der Bühne stehen die Musikerin Jiska sowie ihre Kollegen Loki und Tiemo Hauer.

Buchregal in Blau und Gelb

Ein originelles Zeichen der Solidarität mit den Menschen in der Ukraine setzt die Esslinger Stadtbücherei. Für ihren Instagram-Account haben Bibliothekarin Ellen Schröders und ihre Kolleginnen und Kollegen blaue und gelbe Bücher im Regal wie eine ukrainische Flagge angeordnet. Dazu gab es Infos zum Esslinger Hilfstransport für die Ukraine, Medientipps auch für Kinder und Hinweise, wie man sich gegen Falschinformationen wappnet, die im Netz kursieren.

Benefizkonzert im Neckar-Forum für die Ukraine-Hilfe

Konzert
Unter dem Motto „Gemeinsam für Geflüchtete“ lädt die Stadt Esslingen zusammen mit Esslinger Künstlerinnen und Künstlern am Samstag, 19. März, ab 19 Uhr zu einem Benefizkonzert für die Ukraine ins Neckar Forum ein.

Programm
Zunächst erklingen Friedenslieder am Klavier. Die Sängerin Lavinia Hope und der Gitarrist Roberto Hurtado Salgado werden einige ihrer Songs präsentieren. Der Sprechkünstler Ramon Schmid wird mit poetischen Texten auf die aktuelle Situation reagieren. Der Sänger und Liedermacher Buddy Bosch singt nachdenkliche Lieder in schwäbischer Mundart. Der Teufelsgeiger Martin Schnabel und der Gitarrist Matt Fleischmann sind zu hören, Ulf Deutscher und Wolfgang Fuhr bringen eigene Texte und Lieder sowie Songs von Kollegen mit.

Tickets
Eintrittskarten gibt es für 15 Euro plus Vorverkaufsgebühren bei allen Reservix-Vorverkaufsstellen und unter www.reservix.de. Weitere Informationen unter esslingen.de/benefiz. Die Einnahmen werden für die Ukraine-Hilfe und für Geflüchtete verwendet.

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