Lesen Sie aus unserem Angebot: Theaterstück gegen Gewalt in Esslingen
Sabine Metzger ist im Vorstand von „Ein Stern für Lena“, und sie weiß als langjährige Grundschullehrerin: „Es ist wichtig, schon Kinder in den ersten Klassen zu stärken. Durch die Einschränkungen der Coronazeit fehlt vielen die soziale Erfahrung der ersten Klasse. Wir müssen in diesem Alter ein Fundament für gutes Miteinander bauen. Gemeinsamkeit stärkt gegen Mobbing. Kinder sollen erkennen, dass jeder in einer Gemeinschaft wichtig ist und seine individuellen Eigenschaften einbringen muss.“
Bildungsstiftung macht’s möglich
„Ein Stern für Lena“ macht vieles möglich. „Das Interesse an solchen Projekten ist bei vielen Schulen vorhanden“, weiß Sandra Hehrlein vom Theater Q-rage. „Der Knackpunkt ist oft das fehlende Geld.“ Und da kommt der Verein ins Spiel. „Es darf nicht sein, dass Schulen solche Präventionsangebote nicht nutzen können, weil es ihre finanziellen Mittel nicht erlauben“, betont Vereinskassierer Friedhelm Hoffmann. Deshalb mobilisiert der Verein Spenden und Zuwendungen von Stiftungen, damit Q-rage in möglichst vielen Schulen präsent sein kann. Dass unter anderem die Bildungsstiftung der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen im Boot ist, „ist ein großartiges Geschenk“, findet Sandra Hehrlein.
Jedes Kind ist richtig
Ihr Kollege Jörg Pollinger weiß aus vielen Gesprächen, dass Mobbing und Gewalt vielen Kindern schon begegnet sind: „Diese Themen sind in unserer Gesellschaft präsent – das bekommen Kinder mit. Es geht nicht nur um körperliche, sondern auch um verbale und psychische Gewalt.“ Sandra Hehrlein betont: „Durch Stärkung der Kinder kann man viel erreichen.“ Als sie ihr neues Kinderstück „Tierisch gut!“ erarbeitet haben, suchten die Theatermacher Gespräche mit Leuten, die sich in der Welt der Kinder auskennen: Eltern, Lehrer, Erzieher, Schulsozialarbeiter – und natürlich Kinder. So entstand der Gedanke, ein Stück zu entwickeln, das sich mit der Verschiedenheit von Menschen auseinandersetzt und zeigt, dass jeder mit all seinen individuellen Merkmalen wichtig ist für eine Gemeinschaft. Und dass auch in einer Klasse jedes Kind richtig ist.
Was die Theatermacher auf die Bühne bringen, soll nicht von oben herab bei den Jungs und Mädchen ankommen. „Wir wollen Kindern auf Augenhöhe begegnen. Man könnte einfach nur zeigen, was richtig ist. Viel schöner ist jedoch die Selbsterkenntnis. So bleibt vieles besser hängen“, weiß Sandra Hehrlein. „Wir freuen uns jedes Mal, wenn wir sehen, wie aufmerksam die Kinder unser Stück verfolgen und wie sehr sie sich mit dem, was sie auf der Bühne erleben, identifizieren.“ Und dass die beiden Darsteller keine Menschen mimen, sondern bewusst in die Rollen ganz unterschiedlicher Tiere schlüpfen, die sich zusammenraufen, um gemeinsam ein Abenteuer zu bestehen, gibt dem Ganzen etwas Märchenhaftes.
Nachhaltiges soziales Lernen
Friedhelm Hoffmann und seinen Mitstreitern im Verein „Ein Stern für Lena“ ist es besonders wichtig, solche Projekte langfristig anzulegen: „Wir wollen nicht nur das Theaterstück präsentieren, sondern noch mehr Nachhaltigkeit einbringen.“ Deshalb fördert der Verein nicht nur die Aufführungen, sondern einige Tage später auch eine Nachbereitung im Unterricht, damit sich die Eindrücke verfestigen können. So können die Lehrerinnen und Lehrer später an das gemeinsam Erlebte immer wieder anknüpfen. Fortbildungen, Elternabende und pädagogische Tage können ebenfalls ermöglicht werden. „Dadurch werden die Theateraufführungen zum Auftakt eines Übungsprozesses“, sagt Sabine Metzger. „Soziales Lernen braucht eine gewisse Regelmäßigkeit.“
Engagiert für Prävention
Der Verein
Lena Nadine Wacker wurde am 9. September 2015 im Alter von 21 Jahren in Stuttgart ermordet. Ihre Eltern Conni und Norbert Wacker hätten nach diesem Schicksalsschlag verzweifeln oder in Wut erstarren können. Stattdessen hat das Esslinger Ehepaar in Erinnerung an Lenas Schicksal gemeinsam mit Freunden den Verein „Ein Stern für Lena. Gegen Gewalt“ gegründet. Dessen Ziel ist es, mit gewaltpräventiven und selbststärkenden Angeboten und Fortbildungen in Schulen sowie Kinder- und Jugendeinrichtungen Projekte zu initiieren und finanziell zu fördern, die der Prävention und Aufklärung dienen. So soll dem unsagbaren Leid, das die Familie nie mehr loslassen wird, etwas Positives entgegengesetzt werden.
Das Theater Q-rage
Sandra Hehrlein und Jörg Pollinger haben Q-rage 2004 gegründet. Mit Präventionstheaterstücken zu Themen wie Gewalt, Mobbing, Sexualität oder moderne Medien ist Q-rage in Schulen, Jugendeinrichtungen und Kindergärten unterwegs.