Herausforderung für alle: Das denkmalgeschützte Wasserhaus in der Nähe des Landratsamtes wurde generalsaniert. Nun ist es wieder für den Fußgängerverkehr freigegeben Foto: Roberto Bulgrin
Ein Esslinger Schmuckstück sieht wieder schmuck aus: Das historische Wasserhaus in der Nähe des Landratsamtes wurde auf Vordermann gebracht – mit einigen Extras.
Simone Weiß
27.07.2025 - 18:00 Uhr
Eine grell glitzernde Lightshow gibt es nicht. Allzu auffallende Lichtreflexe ließ der Denkmalschutz nicht zu. Doch eine dezente Beleuchtung des Handlaufs rückt das Wasserhaus in der Nähe des Landratsamtes in Esslingen des Nachts in ein sanftes Licht. Der zarte Schein soll die Sicherheit der Fußgänger beim Überqueren der Brücke erhöhen sowie Schmierer und Vandalen fernhalten. Denn nach einer etwa 15-monatigen Bauzeit wurde das historische Bauwerk aus dem Jahr 1824 erneuert und saniert.
Statt Kelle, Hammer, Meißel oder Schreibblock halten sie nun eine Rote Wurst in der Hand. Die Stärkung haben sich die Handwerker und Planer nach eigener Ansicht redlich verdient. Denn die im Mai letzten Jahres gestartete Sanierung des Wasser- und des kleinen Wehrhauses in unmittelbarer Nähe sei herausfordernd gewesen. Das Ende der Bauarbeiten und die Freigabe für die Nutzung durch die Fußgänger wurden daher zwar nicht mit einer offiziellen Einweihung mit Bürgermeistern und großem Tamtam, aber immerhin mit einer kleinen Feier begangen, wie Uwe Heinemann, der Leiter des städtischen Tiefbauamtes, mehrfach betonte. Eröffnungsfest und Rote Würste sollten ein Dankeschön an alle am Bau Beteiligten sein.
1824 war das Wasserhaus über den Neckar beim Landratsamt in Esslingen erbaut worden. Heute dient es als Fußgängerbrücke. Foto: Roberto Bulgrin
Wasserhaus Esslingen musste aufwendig saniert werden
Denn mit einem einfachen Fingerschnippen war es nicht getan. Die Akteure mussten mächtig Hand anlegen. Viele Facetten mussten bei der Sanierung bedacht werden. Denn das Wasserhaus an der Ecke von Kurt-Schumacher-Straße und Pulverwiesen ist multi-tasking-fähig. Es dient als Fußgängerbrücke über den Neckar, ist ein historisches Wahrzeichen der Stadt und ein sogar von der B 10 aus ein Blickfang. Früher diente das Bauwerk auch als Hochwasserschutz für die historische Altstadt. Über sogenannte Fallen konnten Wassermassen gebremst werden. Diese Fallen wären heute noch funktionstüchtig, doch Wartung, Reparatur und Unterhalt wären zu aufwändig, hatte Architekt Heinz Springmann beim Pressetermin gesagt.
Esslinger Wasserhaus dient noch immer als Wasserregulierer
Dennoch, so Uwe Heinemann, hat das historische Bauwerk am Hammerkanal in bescheidenerem Maße nach wie vor eine regulierende Funktion. Normalerweise fließen etwa zehn Kubikmeter Neckarwasser pro Sekunde durch. Bei Trockenheit, bei sehr viel Regen oder anderen Sonderfällen, so der Leiter des Tiefbauamtes, können die Wassermengen erhöht oder reduziert werden – je nach Bedarf. Bei Normalwasser sei das historische Bauwerk hilfreich.
Hochwasserschutz aber kann es nicht mehr leisten. Darum wird über einen modernen Helfer nachgedacht. In der Nähe und auf einer der beiden Seiten des Wasserhauses könnte eine Wehranlage installiert werden, so Heinemann. Im Auftrag der Stadt und des Regierungspräsidiums würden gerade hydraulische Untersuchungen am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) durchgeführt. In Kürze würden die Ergebnisse erwartet. Dann könne entsprechend geplant werden.
Technik im Innern: Früher diente das Wasserhaus auch als Hochwasserschutz für die Esslinger Innenstadt. Foto: Roberto Bulgrin
Viel Planung war auch für die Sanierung des Wasserhauses nötig. In den vergangenen Wochen waren laut städtischem Pressereferat noch einige Restarbeiten erledigt worden. Die Wehrfelder unterhalb der Brücke waren erneuert worden, Steinmetzarbeiten wurden an den Pfeilern und Zugängen zum Bauwerk erledigt. „Hier wurden zum Teil per Kran neue Sandsteine eingesetzt“, erklärt Stadtsprecher Marcel Meier. Zu guter Letzt hat das Wasserhaus eine neue Elektronik und den beleuchteten Handlauf erhalten. Generalüberholt wurden zudem die Fensterläden an der Rückseite des Wehrs in Richtung Innenstadt.
Genehmigung für Gerüst dauerte laut Architekt sehr lange
Spannend war’s. Von Anfang an. Das Erteilen der Genehmigung für das Erstellen des Baugerüsts im Neckar durch das Landratsamt habe sich hingezogen, so Christian Berndt vom beauftragten Architekturbüro Springmann. Es hätten eben viele Akteure miteinander abgestimmt werden müssen. Zunächst sei er wegen der Verzögerungen etwas verärgert gewesen. Doch als dann das Hochwasser im letzten Juni das Wasser des Neckars ansteigen ließ, war er froh, dass das Gerüst am Wasserhaus noch nicht angebracht gewesen war.
Das Wasserhaus dient heute als Fußgängerbrücke Foto: Roberto Bulgrin
Teil der Sanierungsarbeiten sei auch die Erneuerung des Daches gewesen, an dem seit der Erbauung nichts mehr gemacht worden war. Die historischen Dachschindeln wurden von Moos befreit, gereinigt und teilweise ersetzt. Die neuen Ziegel sind wegen ihrer hellen Farben noch leicht von den alten unterscheidbar. Doch in ein, zwei Jahren, so der Architekt, werde durch Witterungseinflüsse kein Unterschied mehr zu erkennen sein. Auch für den Schutz vor Tauben wurde etwas getan. Lücken zwischen den Balken im Brückendurchgang wurden geschlossen, damit es keinen Platz mehr für Nester gibt.
Gerne hätte das Architekturbüro seinen Worten zu Folge auch eine auffallendere Beleuchtung eingebaut, damit das Bauwerk nachts noch mehr auffalle. Denkmalschutz und historisches Erscheinungsbild ließen es nicht zu. Damit fällt die Lightshow am Wasserhaus eben etwas bescheidener aus.
Neuer Glanz für ein altes Gemäuer
Sanierung Gründe für die Sanierung des Wasserhauses waren die Statik, eine bessere Stand- und Verkehrssicherheit sowie der dauerhafte Erhalt des Bauwerks gewesen. Eine Generalüberholung wurde vorgenommen. Auch die Holzkonstruktion als tragende Säule des Wasserhauses wurde erneuert.
Kosten Etwa 900 000 Euro werden laut Architekturbüro in die Sanierung des historischen Bauwerks gesteckt. Ursprünglich sind nach Angaben der Stadt etwa 500 000 Euro an Ausgaben veranschlagt gewesen, doch die Arbeiten hätten sich als aufwendiger erwiesen. Nach genaueren Untersuchungen habe sich gezeigt, dass der Zustand des Gebäudes schlechter gewesen sei als zuerst angenommen. Vom Land Baden-Württemberg gab es einen Kostenzuschuss in Höhe von 45 760 Euro aus der Denkmalförderung.