Es ist ein Abend an einem Wochentag. Der Weihnachts- und Mittelaltermarkt in Esslingen ist nicht ganz so dicht bevölkert wie etwa an einem Freitag- oder Samstagabend. Genug Zeit also, gemütlich über die Plätze zu schlendern. Aber dabei bleibt es nicht: Wer auf den Weihnachtsmarkt geht, möchte auch konsumieren. Der Besuch hat also seinen Preis. Wie weit kommt man mit 50 Euro?
Die Glühweinpreise sind nicht überall gleich. Viele Ess- und Trinkstände werben mit „Bio“. Was genau das bedeutet, ist zwar nicht klar, aber es ist zuweilen ein Signal, dass es hier ein bisschen mehr kostet. Beliebt und viel besucht ist der Stand des Teamwerks unterhalb des alten Rathauses – einer Winzergenossenschaft aus Esslingen. Hier verzichtet man auf das Zauberwort „Bio“, aber der Glühwein schmeckt. Er kostet 4,20 Euro plus Pfand pro Glas. Das Pfand bekommt man später zurück. Zwei Gläser Glühwein – denn wer ist schon alleine unterwegs? – kosten 8,40 Euro.
Eine Wurst für 4,50 Euro
Nach dem Trinken ist vor dem Essen. Es soll eine einfache Wurst sein. Der Stand „Röstbroterei“ auf dem Marktplatz klingt vom Namen her ganz gut und ist relativ leer, da kommt man schnell dran. Die „Wurst im Laugenweck“ kostet pro Stück 4,50 Euro. Für zwei Personen also neun Euro. Zusammen mit den beiden Gläsern Rotwein liegen die Ausgaben jetzt bei 17,40 Euro. Die Zufriedenheit hält sich hier in Grenzen. Die Verkäuferin ist mürrisch, die Wurst nicht richtig warm.
Damit der Weihnachtsmarktgeschmack zurückkommt und die Stimmung steigt, gibt es eine zweite Runde Glühwein – dieses Mal mit Schuss. Nun soll es „Bio“ sein, deshalb findet der Einkauf am Stand „Bio-Glühwein“ statt. Pro Glas sind das sechs Euro, bei zwei Gläsern zwölf Euro. Die Gesamtausgaben liegen jetzt bei 29,40 Euro.
Badezuber gibt es erst ab 100 Euro
Kurzer Halt am Zuber auf dem Hafenmarkt. Hier recken sich zwei Köpfe aus der großen Badewanne und blicken unsicher auf den Platz – ein eigenartiges Vergnügen. Die Miete für anderthalb Stunden beginnt bei hundert Euro am Morgen und steigt, je frequentierter der Markt ist – kostet also an einem Samstagabend deutlich mehr. Mit 50 Euro kommt man hier nicht weiter – also zurück zum Markt. Am Stand „Schokofrüchte“ gibt es Nachtisch: Die Schokobanane kostet vier Euro, für zwei Personen acht, womit die Gesamtausgaben auf 37,40 Euro steigen.
Der Abend ist noch jung, aber es sind nur noch 12,60 Euro im Portemonnaie. Wer mal muss, findet am alten Rathaus einen mittelalterlich dekorierten Toilettenwagen. Der „Eintritt“ ist frei, aber man darf einen „Wegezoll in freiwilliger Höhe“ leisten. Hier gehen zwei Euro weg, bleiben 10,60. Die gehen weg auf der Kakao-Alm für zwei Tassen Chai Latte (jeweils vier Euro, zusammen acht Euro) und einem Beutel Mandel (2,50 Euro).
Am Ende des Abends gab es für 49,90 Euro vier Glühweine, davon zwei mit Schuss, zwei Würste in einem Laugenbrötchen, zwei Schokobananen, zwei WC-Besuche, zwei Tassen Chai-Latte und eine Tüte Mandeln.