Poller sollen den Esslinger Mittelalter- und Weihnachtsmarkt vor Terroranschlägen schützen. Foto: Roberto Bulgrin
Eine Verbotszone für Waffen und Messer, mehr Sicherheitspersonal, eine neue Polleranlage: Die Veranstalter des Esslinger Mittelalter- und Weihnachtsmarktes wollen die Gefahr von Anschlägen minimieren. Wie fühlen sich Aussteller und Besucher der Budenstadt?
Vorsicht auf Weihnachtsmärkten: Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) spricht von einer „hohen Bedrohungslage“, warnt vor Terrorgefahr und mahnt zur Wachsamkeit. Wie gehen Veranstalter, Besucher und Aussteller des Esslinger Mittelalter- und Weihnachtsmarkts mit diesen Worten um? Haben sie Angst?
Hundertprozentige Sicherheit könne es nicht geben, meint Michael Metzler. Doch der Geschäftsführer der städtischen Esslinger Markt und Eventgesellschaft (EME), die den Weihnachtsmarkt veranstaltet, verweist auf die beruhigende Erfahrung vergangener Esslinger Budenstädte: „Der Weihnachtsmarkt ist seit vielen Jahren eine äußerst friedliche Veranstaltung, auf der gemessen an der großen Besucherzahl so gut wie gar keine sicherheitsrelevanten Vorkommnisse wie zum Beispiel Vandalismus auftreten.“ Blauäugig sind er und sein Team nach eigenen Angaben aber nicht in die Organisation gegangen. Es bestehe ein ständiger Austausch mit den Sicherheitsbehörden in Esslingen, die ihrerseits mit Behörden in Bund und Land in Kontakt seien, um „sich so fortlaufend über die Sicherheitslage zu informieren“.
Das 2011 verfasste Sicherheitskonzept für den Weihnachtsmarkt werde stets umfassend weiterentwickelt, so Metzler. Auch in diesem Jahr sei es fortgeschrieben und an aktuelle Entwicklungen angepasst worden: „Neu ist die Waffen- und Messerverbotszone auf der gesamten Veranstaltungsfläche.“ Zu ihrer Kontrolle hätten die Veranstalter die Anzahl der Sicherheitskräfte und Ordnungsdienste mehr als verdoppelt. Kommunaler Ordnungsdienst und Security würden das Areal des Weihnachtsmarktes überprüfen: „Außerdem wurden die Zufahrtsbereiche ausgebaut und verstärkt.“ Zusätzlich zu der Polleranlage in der Ritterstraße seien in der Abt-Fulrad-Straße Sicherheitspfosten installiert worden, die nach Veranstaltungsende wieder abgebaut werden.
Gute Stimmung auf Weihnachtsmarkt
Auf dem Esslinger Weihnachtsmarkt ist von Angst oder Sorge am Samstagnachmittag und -abend wenig zu spüren. „Wenn etwas passiert, dann passiert es“, fasst Günter Bühler, der im historischen Gewand der Landsknechte aus Bopfingen durch die Budenstadt schlendert, die allgemeine Stimmung zusammen. Er übt harsche Kritik an der Politik: Nach jedem Anschlag würden die gleichen bedauernden Worte gefunden. Er könne sie fast schon auswendig mitsprechen. Passieren aber würde nichts. Dabei sei die islamistische Gefährderszene den Behörden bekannt – und es müsse eben etwa mit Ausweisungen oder Einsperren darauf reagiert werden: „Es wird zu wenig getan.“
Eine Besucherin sieht das anders. Anschläge seien schlimm, sagt sie. Aber Panikmache, Vorurteile, Vorverurteilung und Hass, der Menschen mit Migrationshintergrund entgegenschlage, provoziere diese, erzeuge großen Druck und könne zu Straftaten wie Anschlägen führen. Sie möchte nur ihren Vornamen Veronika nennen. Den Nachnamen verschweigt sie: „Sonst werden noch Anschläge auf mich verübt.“
An Anschläge dächten Besucher des Marktes gar nicht, meint Julius Kritz, der Betreiber der „Pyramide“ auf dem Marktplatz. Beim Einschalten des Fernsehers und dem Hören der Nachrichten könne man angesichts der Negativschlagzeilen Depressionen bekommen, meint er. Die dargestellten Probleme zu Kriegen oder steigenden Preisen seien auch keine Hirngespinste, sondern sehr real: „Es ist eine unsichere Zeit.“ Daher seien die Menschen froh über die positive Ablenkung, die der Weihnachtsmarkt biete. Über eine mögliche Gefährdungslage denke sie gar nicht nach, ergänzt Bettina Eggert an ihrem Stand. Sonst müsste sie ja hinter jedem Besucher, jedem Kunden, jedem Käufer einen möglichen Attentäter sehen: „Das würde keinen Spaß machen.“
Auf dem Mittelaltermarkt beim Neuen Rathaus hilft Thomas Ott im Kostüm eines Wikingers Kindern und Erwachsenen beim Einsteigen in ein Karussell. Die Aussteller und Standbetreiber auf dem Weihnachtsmarkt, sagt er, seien alle wie eine große Familie. Wenn einem etwas Verdächtiges oder Bedrohliches auffallen würde, würde er seine Kollegen sofort warnen. Die Atmosphäre auf dem Weihnachtsmarkt sei „sehr nett“, die Besucher sehr freundlich, das Flair angenehm, ergänzt Marcell Nagy am Stand gegenüber. Sorgen mache er sich keine.
Sicherheitsnetz in Esslingen wird gelobt
Auch Robert Böhm, der in der Vinothek am Markt arbeitet, fühlt sich sicher. Nur wenige Schritte von der Budenstadt entfernt sei das Polizeirevier an der Agnespromenade, sagt er, und ein engmaschiges Sicherheitsnetz sorge dafür, dass auch gegen Veranstaltungsende, wenn sich der Platz leere, Security-Mitarbeiter unterwegs seien.
Esslinger Mittelalter- und Weihnachtsmarkt
Eckdaten Der Esslinger Mittelalter- und Weihnachtsmarkt geht bis Sonntag, 22. Dezember, in Teilen der Altstadt über die Bühne. Öffnungszeiten der Budenstadt mit ihren 180 Ständen und etwa 500 kulturellen Programmpunkten sind täglich von 11 bis 20.30 Uhr sowie freitags und samstags von 11 bis 21.30 Uhr.
Wochenende „Wir wurden überrannt“, resümiert Mitveranstalter Michael Metzler das erste Weihnachtsmarktwochenende. Genaue Besucherzahlen seien schwer zu ermitteln, da der Markt 28 Zu- und Abgänge habe. Aber der Andrang sei groß gewesen. Am Sonntagmorgen hätten Menschen bereits um 9 Uhr auf Einlass gewartet.
Tipp Angesichts der Beliebtheit des Marktes auch bei internationalem Publikum rät Michael Metzler zu einem Besuch unter der Woche. Dann sei der Andrang nicht ganz so hoch.