Esslinger Weihnachtsmarkt Zu teuer? Veranstalter nehmen Stellung

Von Dienstag, 25. November, bis Montag, 22. Dezember, ging der Esslinger Mittelalter- und Weihnachtsmarkt rund um den Marktplatz über die Bühne. Foto: Roberto Bulgrin

Der Esslinger Weihnachtsmarkt ist Geschichte. Die Veranstalter ziehen ein positives Fazit. Doch manche Besucher und Standbetreiber üben Kritik an Preisen und Gedränge.

Reporterin: Simone Weiß (swe)

Da werden sogar Marketingleute poetisch: „Der Mittelalter- und Weihnachtsmarkt hat die Stadt für fast vier Wochen in ein Märchenwunderland verwandelt“, schwärmt Michael Metzler. Als Geschäftsführer der veranstaltenden Esslinger Markt und Event GmbH (EME) mag er es so empfunden haben. Doch manche Besucher, Gäste und Standbetreiber kritisierten den Markt in Kommentaren auch in den sozialen Medien wegen der aus ihrer Sicht zu hohen Preise, dem nervigen Gedränge oder den opulenten Standgebühren als wenig märchenhaft.

 

In seinem nächsten Leben werde er Baumkuchen-Verkäufer, verriet Michael Metzler im Abschlussgespräch zum Mittelalter- und Weihnachtsmarkt. Denn an diesem, aber auch an den anderen Ständen müssten die Geschäfte angesichts der hohen Nachfrage sehr gut gelaufen sein. Von einem allzu großen Ansturm wollen er und Veranstaltungsleiterin Petra Pfeiffer aber nicht sprechen: Unter der Woche habe es – abgesehen von punktuellen Ansturmphasen – genügend Raum zum Bummeln und Verweilen ohne Gedränge gegeben. Und auch an den Wochenenden sei ein gutes Durchkommen auf dem Markt möglich gewesen. Große Menschenansammlungen habe es höchstens und vor allem vor den Schaubühnen und bei kulturellen Darbietungen gegeben.

Trotz fehlendem Massenauflauf hat die stimmungsvolle Esslinger Hüttenstadt laut Veranstalter ungefähr eine Million Besucher angelockt. Abgesehen von zwei regnerischen Sonntagen sei der Zuspruch vom Start weg gut gewesen. Das trockene Winterwetter danach habe sich als ideal erwiesen. Frequenzbringer waren nach den Worten der Organisatoren vor allem das dritte und das vierte Adventswochenende.

Der Badezuber als besonders „heißer Treffpunkt“

Ziehen ein zufriedenes Fazit vom Esslinger Weihnachtsmarkt: Petra Pfeiffer und Michael Metzler von der veranstaltenden Esslinger Markt und Event GmbH (EME). Foto: Roberto Bulgrin

Ein besonders „heißer“ Treffpunkt war nach Darstellung von Petra Pfeiffer der Badezuber. Anmeldungen seien in der Regel ab Oktober möglich, und die festen Zeiten seien nach kürzester Zeit fast ausgebucht. Wenige Tage nach dem Start des Weihnachtsmarktes am Dienstag, 25. November, habe es gerade noch einen freien Termin gegeben. Die Menschen würden das außergewöhnliche Gemeinschaftserlebnis mit Ausblicken auf das Marktgeschehen als sozialen Event genießen. Frostbeulen werde sich im 37 Grad warmen Wasser sicher niemand holen.

Doch manche Besucher ließen laut Kommentaren in den sozialen Medien die Preise auf dem Markt frösteln. Michael Metzler verweist in Reaktion auf die bemängelte Hochpreisigkeit auf die Inflation, steigende Ausgaben für Energie sowie höhere Personalkosten, auch mit Blick auf den Mindestlohn. Die Standbetreiber des Weihnachtsmarktes müssten selbst mehr im Einkauf für ihre Waren bezahlen. Ein EME-interner Preisvergleich habe ergeben, dass der Kinderpunsch auf dem Markt vor sieben Jahren noch drei Euro gekostet habe – nun seien es 3,50 Euro. Das sei keine große Steigerung.

Immer ein Blickfang: der Esslinger Mittelalter- und Weihnachtsmarkt. Foto: Roberto Bulgrin

Auch angesichts von Klagen über zu hohe Standgebühren verweist der EME-Geschäftsführer auf die hohe Qualität, die der Esslinger Weihnachtsmarkt durch sein Rahmenprogramm, die aparte Umgebung der Altstadt oder die Betreuung der Standbesteller biete: Das Preis-Leistungs-Verhältnis sei sehr gut, so Metzler. An den Wochenenden würden etwa 200 Hütten aufgestellt – doch die Nachfrage von Standbetreibern nach einer Teilnahme am Mittelalter- und Weihnachtsmarkt sei dreifach so hoch. Auch im Vergleich mit anderen Städten wie Ludwigsburg oder Stuttgart erweisen sich laut den EME-Verantwortlichen Preise und Standgebühren als keineswegs erhöht. Petra Pfeiffer verweist auf Gespräche und den regelmäßigen Austausch mit den Standbetreibern, bei denen die überwiegende Mehrheit ein hohes Maß an Zufriedenheit signalisiere.

Eintrittsgebühren für den Markt bleiben laut Veranstalter tabu

Damit das so bleibt, wird nach Angaben der Veranstalter auch nicht über eine Eintrittsgebühr beim Zugang zum Markt nachgedacht. Das Erheben eines Einlasstarifes sei schon logistisch schwer zu stemmen, denn bei 28 Ein- und Zugängen sei das kaum umsetzbar. Das somit eingenommene Geld würde für die Personalkosten zum Erheben der Gebühr aufgebraucht, und Einzelhändler und Gastronomen rund um den Marktplatz würden sich sicher nicht über eine solche Maßnahme freuen. Zudem, so betonen Pfeiffer und Metzler, widerspreche es der Eigenphilosophie von einer „offenen Stadt“ für das Betreten des zentralen Platzes Geld zu verlangen.

Kein Eintritt also. Dabei musste auch und gerade für das Sicherheitskonzept mehr Geld in die Hand genommen werden. Die finanzielle Zuständigkeit dafür, so Michael Metzler, werde gerade geklärt. Bisher habe die Stadt Esslingen die Ausgaben getragen. Da es sich aber um Terrorschutz handle, müsse Baden-Württemberg für die Kosten aufkommen. Das sei Ländersache und falle keinesfalls in den Zuständigkeitsbereich der Kommunen. Das Sicherheitskonzept an sich aber habe sich 2025 bewährt. Es sei zu keinen Zwischenfällen gekommen. Auch beim Verkehrsaufkommen habe es wenig Probleme gegeben: „Das Mobilitätsverhalten der Menschen hat sich geändert.“ Viele Besucher seien mit Bus oder Bahn angereist.

Weihnachtsmarkt 2026

Termin
Nach dem Weihnachtsmarkt ist vor dem Weihnachtsmarkt. 2026 wird er von Dienstag, 24. November, bis Dienstag, 22. Dezember, über die Bühne gehen. Laut Michael Metzler wird bereits am Dienstag gestartet, weil die Veranstaltung immer ein paar Tage brauche, um so richtig in Gang zu kommen – und am Wochenende solle alles passen.

Internationalität
Neben Tageszeitungen und Radiosendern waren laut Veranstalter TV-Formate wie die SWR-Landeschau oder Channel 4 aus England beim Weihnachtsmarkt vor Ort. Ausgelöst wurde der Medienhype auch durch die Top 25 Platzierung in Europa durch die Times und die Top 8 Platzierung in Deutschland durch die Zeit.

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