Esslinger Wein Traubenauslese in Esslingens bekanntester Lage

Die drei Esslinger Burgwengerter Jochen Clauß, Achim Jahn und Jochen Kenner (von links) verpassen dem Burgwein 2025 mit dem letzten Schnitt den letzten Schliff. Foto: Roberto Bulgrin

So erhöhen drei Esslinger Wengerter die Qualität des Weins in der Lage direkt unter der Burg. Aber wie er am Ende wird, wissen auch sie noch nicht genau.

Im Angesicht einer ehemaligen Befestigungsanlage ist schon mal ein martialischer Vergleich zulässig: Achim Jahn, Jochen Clauß und Jochen Kenner sind die drei Musketiere der Esslinger Burg. Wobei ihnen der Muskateller näher steht als die Muskete, auch wenn sie die Rebsorte so wenig anbauen, wie sie aus dem Schießrohr ballern. Aber das Wengerter-Trio bewirtschaftet mit dem Burgweinberg die Esslinger Renommierlage: sichtbar von allen Seiten, gekrönt mit Hochwacht, Seilergang und Dickem Turm, Postkarten-Vedute und Wahrzeichen der alten Reichstadt als Metropole des Wein.

 

Da darf es an der Qualität nicht mangeln. Was optisch so imponierend das Stadtbild überragt, soll auch dann Eindruck machen, wenn es in anderer Gestalt die Kehle hinunterspaziert. Aber wie erzeugt man besonders edle Tropfen vom Burgwengert?

Die Auslese der Trauben gehört zum Hauptgeschäft der Wengerter

Durch Traubenauslese. Sie ist derzeit das Hauptgeschäft der Burgwengerter. Es ist der zweite Scherenschnitt am Rebstock. Der erste findet im Mai statt, nimmt die angepeilte Ertragsmenge ins Visier und verbessert durch gelichtete Reben zugleich die Wachstumsbedingungen am Stock. Jetzt im August werden noch einmal gezielt Trauben aussortiert, teilweise auch nur die Spitzen gekappt, damit die Beeren möglichst viel Licht, Luft und Sonne erhalten, erklärt Jahn, der auch Vorsitzender der Esslinger Weingärtnergenossenschaft Teamwerk ist.

Ohne die Ertragsregulierung, rechnet Jahn vor, „würden wir am Burgweinberg rund 25 000 Flaschen pro Jahrgang rausholen.“ Mit Regulierung sind es nur 7000 bis 8000, aber dafür „in einer der Toplage entsprechenden Qualität“, verspricht der Wengerter. Da einige der angebauten Sorten, etwa Cabernet Sauvignon oder Cabernet Syrah, eher kleine Trauben mit wenig Fruchtfleisch haben, liegt die Ausbeute „bei 0,75 oder auch nur 0,7 Liter pro Kilogramm“, sagt Clauß. „Bei 80 Kilo pro Ar muss man da gar nicht mehr so viel auslesen.“

Manche Trauben werden jetzt noch aussortiert, anderen wird nur die Spitze gekappt. Foto: Roberto Bulgrin

Für die Wengerter sind nach dem jetzigen Rebschnitt die Arbeiten vor dem Großeinsatz im Herbst weitgehend abgeschlossen. Auch der Pflanzenschutz mit dem Spritzen von Fungiziden gegen den echten und den falschen Mehltau ist mit ordnungsgemäßem Zeitabstand zur Weinernte beendet.

Mitte September beginnt in den ersten Rebflächen in Esslingen die Ernte

„Jetzt kommt die Zeit, in der auch wir ein oder zwei Wochen Urlaub machen können“, sagt Jochen Kenner. Mitte September beginnt in ersten Esslinger Rebflächen die Lese, in den meisten Lagen allerdings erst Anfang Oktober.

Einen besonderen Segen gab dem Esslinger Wein der Regen der vergangenen Wochen. „Genau zum richtigen Zeitpunkt“, freut sich Clauß. Und trotz Gewittern und teilweise heftigem Niederschlag „war es nicht zu viel“, ergänzt Kenner. Eine erneute Gefahr des Pilzbefalls aufgrund der Feuchtigkeit sehen die beiden nicht: „Das Jahr hat sehr trocken begonnen. Deshalb gibt es jetzt kein großes Pilzrisiko mehr“, sagt Kenner.

Clauß weist darauf hin, dass in den Rebhängen das Gras ordentlich gestutzt sein muss. „Wenn es bis zu den Trauben hochwuchert, bilden sich Fäulnisherde, da die Feuchtigkeit kaum mehr abtrocknet.“ Dann könne es zum Befall mit dem Botrytis-Pilz kommen, der in der Reifephase durch Traubenfäule die Ernte vernichtet.

Sonne ist gut für die Trauben in den Esslinger Weingärten – aber nicht immer

Auch eitel Sonnenschein tritt manchmal den Trauben zu nahe – beziehungsweise der lokalen Identität ihres Produkts: „Wir stehen hier in Esslingen für fruchtige, nicht für mediterrane Weißweine“, sagt Jahn. „Anders als beim Rotwein lassen wir deshalb beim Riesling die Blätter an den Reben hängen, weil sie Schatten spenden. Sonst kocht uns die Frucht aus der Beere heraus.“

Doch trotz aller Weinbaukünste: Wie der Jahrgang 2025 wird, wissen auch die Wengerter „erst im November“, sagt Jahn. „Da kann man zumindest ahnen, was es für einen Wein gibt.“ Und einstweilen nur befinden: „Die Voraussetzungen für einen guten Jahrgang sind erfüllt. Es ist nichts erfroren und nichts verhagelt. Die Sonne hat geschienen, und es hat geregnet.“ Doch „wie der Weißwein seine Fruchtigkeit gestaltet, wie der Rotwein seine Fülle und Kraft ausprägt“ – das ist die Wahrheit im Wein, die er vorerst noch für sich behält.

Weinanbau in Deutschland

Rückgang 2024
Ein feuchtes Frühjahr und extremes Wetter drückten 2024 die Menge des von Winzern erzeugten Weins in Baden und in Württemberg deutlich. Während in den beiden größten Anbaugebieten Rheinhessen (2,44 Millionen Hektoliter) und Pfalz (1,78 Millionen Hektoliter) die erzeugte Menge nahezu auf dem Niveau des Vorjahres blieb, mussten die Regionen im Südwesten herbe Verluste hinnehmen.

Baden und Württemberg
In Baden schrumpfte die Menge um ein Viertel auf 954.000 Hektoliter, in Württemberg um mehr als 18 Prozent auf 667.000 Hektoliter. Das ist deutlich weniger als die noch im vergangenen September prognostizierte Menge. Insgesamt kamen in den deutschen Weinanbaugebieten 2024 mit 7,75 Millionen Hektolitern Weinmost knapp zehn Prozent weniger zusammen als im Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Esslingen Burg Wengerter