Esslinger WLB Landesbühne plant Stück zum Stadtjubiläum – Inhalt geheim

Im Esslinger Schauspielhaus finden die Premieren statt, aber die Landesbühne spielt im ganzen Land. Weil Gastspiele frühe Planung fordern, sind bereits jetzt die Stücke für die Saison 2026/27 eingetütet.Foto: Ines Rudel Foto:  

Schon jetzt steht der Spielplan 2026/27 der Esslinger Landesbühne fest. Zum Auftakt gibt es „Richard III.“, zum Abschluss ein Freilichtstück zu 1250 Jahre Esslingen.

Schon wieder ein neuer Spielplan der Esslinger Landesbühne? War da nicht erst kürzlich... Ja, da war was. Intendant Marcus Grube und sein Team stellten die nächste Saison 2025/26 vor. Aber weil eine Landesbühnen ihrer Zeit voraus ist, steht bereits jetzt der Spielplan 2026/27 fest. Denn wer auf dem hart umkämpften Gastspielmarkt punkten will – und das schreibt den Landesbühnen ihr Kulturauftrag vor –, muss frühzeitig auf der Matte stehen. Nämlich ein Jahr vor den Stadt- und Staats- und anderen Theatern, die nur ihre eigenen Häuser bespielen. Der Württembergischen Landesbühne Esslingen (WLB) geht es hingegen wie dem VfB. Sie hat pro Saison 50 Prozent Auswärtsspiele zu bestehen. Sagt zumindest die Richtlinie.

 

Und was schickt dann die WLB nach den Sommerferien 2026 in Stadt und Land? Einen königlichen Massenmörder. Gleich zum Saisonauftakt lässt Shakespeares Richard III. alle über die Klinge springen oder um die Ecke bringen, die seiner unersättlichen Machtgier im Wege stehen. Deren Opfer er am Ende selbst wird.

Ein Klassikerstatement zu Beginn, dann schreitet der Spielplan „mehr in Richtung Gegenwartsdramatik“, wie Marcus Grube programmatisch ankündigt. Zunächst mit Marius von Mayenburgs 2022 uraufgeführtem Stück „Nachtland“, in dem ein erwachsenes Geschwisterpaar auf dem Speicher des elterlichen Hauses ein eigentlich harmloses Gemälde entdeckt, wäre dieses nicht mit „A. Hitler“ signiert. Was jetzt? Verbrennen – oder verkaufen? Geschwister samt Ehepartner geraten in einen Streit, der nach dem Motto „Ich bin ja kein Antisemit, aber...“ ein antisemitisches Klischee nach dem anderen zutage fördert. Womit die „bitterböse Komödie“, so Grube, zum Stück der Stunde wird.

WLB-Intendant Marcus Grube setzt mit seinem neuesten Spielplan verstärkt auf Gegenwartsdramatik. Foto: Roberto Bulgrin

Ebenfalls in aktualdeutschen Horror führt Rebekka Kricheldorfs „Das Waldhaus“, eine unheimliche Begegnung der dritten Reichsbürgerart: Eine junge Frau lernt ihre künftigen Schwiegereltern kennen, seltsame Eso-Ökos in ihrer abgeschiedenen Behausung, wo sie offenbar den langen Marsch von Bio-Links nach Biodeutsch-Rechtsaußen zurückgelegt haben.

Merkwürdige Verwandlungen

Auch in „James Brown trug Lockenwickler“, dem jüngsten Stück von Yasmina Reza, geht es um merkwürdige Verwandlungen, nun allerdings die eines Jugendlichen in Céline Dion. Seine Eltern bringen ihn in die Klinik. Doch bald zeigt sich, bei wem tatsächlich die Schrauben locker sind.

Laut Dramaturgin Anna Gubiani „ein leichtfüßiges Spiel mit einem schweren Thema“. Ebenso: „Die ganze Welt“ von Theresia Walser, ein Doppelpaar-Beziehungsfight in der Gewichtsklasse von „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“

Neben diesen Stückkreationen der jüngsten Jahre gibt es von der WLB mit Goethes „Leiden des jungen Werther“ unvergängliche Schullektüre, mit dem Erfolgsmusical „Linie 1“ Berliner 80er-Jahre-Nostalgie, mit „Harold und Maude“ Herzerwärmendes, brüllend Komisches, Tieftrauriges – und eine Superrolle für die großartige Gesine Hannemann. „Es war klar, dass sie die Maude sein wird“, sagt Grube.

Der Hölle Rache

Derweil drängt sich eine Idealbesetzung für „Florence Foster Jenkins – Die Lerchenkönigin“ im WLB-Ensemble nicht auf. Bill Whites Stück handelt von der legendären amerikanischen Sopranistin, deren Auftritte zu den extremen Härtetests nicht nur der klassischen Musik zählen – für das handverlesene Publikum, wohlgemerkt. Die Nachwelt kann mitfühlen dank der leider nur wenigen Schallplattenaufnahmen aus der Kehle der beleibten Silberlerche. Namentlich ihre Interpretation von Mozarts Königin-der-Nacht-Arie „Der Hölle Rache“ lässt den Wortlaut zur radikalen Wahrheit werden.

Ein Mörder begegnet der Liebe

Ganz anderes Chaos präsentiert die Junge WLB mit Christine Nöstlingers „Konrad oder das Kind aus der Konservenbüchse“ als Familienstück vor Weihnachten. Laura Tetzlaff, die Leiterin der Kinder- und Jugendsparte, setzt auf Kontrastprogramm für die diversen Altersgruppen. Bis hin zu David Greigs „Gelber Mond“ für das „ältere“ Publikum ab 14: die „heftige Geschichte“, so Tetzlaff, eines 17-jährigen Kleinkriminellen, der zum Mörder wird – und dem auf der Flucht vor seiner Tat und seinem verpfuschten Leben die Liebe begegnet.

Zuguterletzt steht 2027 ein besonderes Datum an: das Esslinger Stadtjubiläum. Vor exakt 1250 Jahren – anno 777 – wurde die spätere Reichsstadt erstmals urkundlich erwähnt. Ein Anlass für die WLB, ein Stück in Auftrag zu geben, dessen Inhalt noch so geheim ist wie sein Titel und sein Autor. Klar ist nur: Es geht um Esslingen und seine Geschichte. Und: Die Uraufführung ist die Freilichtinszenierung im Sommer 2027.

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