Esslinger Wohnprojekt Salucci-Höfe werden zum Sorgenkind

Mieter und Eigentümer machten die CDU-Ratsfraktion bei einem Lokaltermin auf Probleme in den Salucci-Höfen aufmerksam. Foto: Roberto Bulgrin

Mit vielen Vorschusslorbeeren war das neue Wohnquartier im Esslinger Stadtteil Weil gestartet – inzwischen macht sich bei vielen Bewohnern Ernüchterung breit.

Reporter: Alexander Maier (adi)

Ein „neues Wahrzeichen in Esslingen“ wurde gepriesen, als die Salucci-Höfe im Stadtteil Weil 2021 eröffnet wurden. „Perfekt, um ein Leben in Balance und Ausgeglichenheit zu führen.“ Doch von Balance und Ausgeglichenheit mögen viele der rund 500 Menschen, die dort wohnen, schon lange nicht mehr reden. Viele klagen über Müll, Beschädigungen und extremen Lärm bis in die Nacht. Immer wieder müsse die Polizei gerufen werden. Technische Probleme, um die sich keiner kümmert, tun ein Übriges. „Ich habe in meinen 38 Jahren noch nie so einen Zustand erlebt in diesem Land“, klagt Bisan Temeiza, die sich mit ihrem Ehemann Üstünel ein Reihenhäuschen in den Salucci-Höfen gekauft hatte und ihren Traum von den eigenen vier Wänden nun wie einen Albtraum empfindet. Bei einem Lokaltermin der CDU-Ratsfraktion machten sie und weitere Anwohner ihrem Ärger nun Luft. Sie drängten auf Abhilfe – und hatten dafür auch einen Vorschlag.

 

Wenn Bisan Temeiza über ihren Alltag in den Salucci-Höfen spricht, kommen ihr die Tränen: „Die Atmosphäre hier war uns auch ganz anders versprochen worden. Mittlerweile entwickle ich eine innerliche Unruhe, die mich jeden Tag in Stress bringt.“ Auf rund 19 000 Quadratmetern sollte ein Quartier mit 142 Wohnungen, 43 Reihenhäusern, einer Tiefgarage, Gewerbeflächen und einer Kita entstehen.

Ein Mix aus Mietwohnungen für mittlere Einkommen, geförderten Wohnungen, seniorengerechten Apartments und preiswertem Wohneigentum sollte gelebtes Miteinander ermöglichen. Doch davon ist bei vielen Bewohnern keine Rede mehr. Viele finden, dass die unterschiedlichen Lebensentwürfe nicht zusammenpassen. „Wenn ich auf meiner Terrasse sitze und von oben fliegen Zigarettenkippen oder auch mal eine volle Mülltüte herunter, geht das gar nicht“, erzählt eine Mieterin.

„Wir fühlen uns total alleingelassen“

„Ich wollte unbedingt hierher“, erzählt Turgay Sarvan, der anfangs ganz glücklich über seine Mietwohnung in den Salucci-Höfen war. „Doch die Ernüchterung hat sich rasch eingestellt. Wenn man etwas zu denen sagt, die für die Störungen verantwortlich sind, eskaliert die Situation.“ Was den Alltag vieler Mieter zusätzlich erschwert: „Wenn die Heizung nicht funktioniert oder ein Abfluss verstopft ist, erreicht man niemanden bei der Hausverwaltung“, erzählt Turgay Sarvan. Und sein Nachbar Mike Arnold ergänzt: „Wir fühlen uns total alleingelassen. Gern würden auch wir als Mieter Verantwortung übernehmen, damit es schön bleibt. Aber da hat man keine Chance.“

Wilde Sperrmüll-Ablagerungen stören das Bild der Salucci-Höfe. Foto: Roberto Bulgrin

Kurt Hilsenbeck, der sich als Quartiersmanager um die Menschen im Stadtteil Weil kümmert, weiß um die Probleme in den Salucci-Höfen. Immer wieder erfährt er von defekten Heizungen, Schäden und baubedingten Mängeln in Wohnungen und der Tiefgarage und Problemen im Außenbereich, die nicht behoben werden: „Da kommt vieles zusammen, was zu einer verständlichen Unzufriedenheit führt“, resümiert Hilsenbeck. Genau wie die Stadt hat auch er oft versucht, mit der Hausverwaltung zu einer Lösung zu kommen. Eine Kommunikation kam nicht zustande. Und auch der Bürgerausschuss hat sich bislang trotz vielfältiger Bemühungen die Zähne ausgebissen.

Nachdem sich verschiedene Mieter und Eigentümer aus den Salucci-Höfen bislang mit ihren Sorgen und Nöten alleingelassen fühlen, bat Bisan Temeiza die CDU-Ratsfraktion um Unterstützung. Um sich ein Bild zu machen, luden die Christdemokraten nun zum Lokaltermin mit Eigentümern, Mietern und Bürgerausschuss ein. Für Fraktionschef Tim Hauser ist klar, dass es so nicht weitergehen kann: „Aktuell scheint sich die Situation derart zugespitzt zu haben, dass einzelne Eigentümer über einen Verkauf ihrer Wohneinheiten nachdenken.“ Deshalb hat die CDU die Stadtverwaltung aufgefordert, die Probleme vor Ort und mögliche Gegenmaßnahmen detailliert zu benennen.

„Ein Stadtteilplatz wäre ideal“

Ein Aspekt, der beim Lokaltermin offenkundig wurde, war der bislang nicht realisierte Stadtteilplatz beim Marstallgebäude. Dort könnten sich auch jene Menschen treffen, die sich bislang inmitten der Salucci-Höfe aufhalten, obwohl sie gar nicht dort wohnen. „Viele verhalten sich rücksichtslos, verursachen Lärm und Schmutz, der die Anwohner der Freiflächen unnötig belastet“, erzählt Bisan Temeiza. „Ein Stadtteilplatz wäre auch für sie ideal und könnte die Situation entspannen.“

Von dieser Lampe ist nur der Elektroanschluss übriggeblieben. Foto: Roberto Bulgrin

Für Tim Hauser ist das ein Ansatz, um vonseiten der Stadt etwas zur Verbesserung der Wohnsituation in den Salucci-Höfen beizutragen: „Wir müssen alle Möglichkeiten nutzen, die der Stadt zur Verfügung stehen.“ Dabei denkt Hauser auch an eine „offenkundig vorliegende Vielzahl brandschutzrechtlicher und feuerpolizeilicher Verstöße und Beeinträchtigungen von Feuerwehr-Aufstellplätzen“. Außerdem möchte die CDU erfahren, welche Erkenntnisse die Stadt zu unerlaubten Anbauten an Wohnungen und im Freigelände hat und was dagegen zu tun wäre. „Besonders kritisch ist dabei, dass trotz wiederholter Hinweise aus der Bürgerschaft bislang keine nachhaltige Verbesserung erkennbar ist“, heißt es im CDU-Antrag. Das müsse sich nun ändern.

Das Projekt Stadtteilplatz

Idee
Der Esslinger Stadtteil Weil hat sein Gesicht in den letzten Jahren verändert. Was bislang fehlt, ist ein Mittelpunkt, wo sich die Menschen treffen können. Das wirke sich „negativ auf die Möglichkeiten der Kommunikation und der gemeinsamen Aktivitäten sowie auf die Außenwirkung und Identität des Stadtteils aus“, hieß es 2024 im Rathaus. Damals gab der Gemeinderat grünes Licht für einen Stadtteilplatz zwischen dem Marstallgebäude, den Salucci-Höfen und dem Parkdeck des Neckar-Centers. 2700 Quadratmeter sollen Raum für Grünflächen, Bäume, Spielmöglichkeiten und befestigte Areale bieten, die „eine vielfältige Nutzung für alle Generationen“ ermöglichen sollen.

Finanzierung
Auf 1,3 Millionen Euro war das Projekt 2024 taxiert – Ende 2025 sollte alles fertig sein. Bis heute lässt die Realisierung auf sich warten. Aus dem Länderprogramm Soziale Integration im Quartier erhält die Stadt einen 812 000-Euro-Zuschuss.

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