Esslinger Zollberg Verjüngungskur für das Waldheim

Hier wird zurzeit niemand bewirtet: Die traditionsreiche Waldheim-Gaststätte der TSG ist geschlossen. Der Verein hofft, dass nach Abschluss der Sanierung bereits im Frühjahr neue Pächter eröffnen können. Doch der Zeitplan ist ambitioniert. Foto:  

Seit dem Winter steht die Gaststätte der TSG Esslingen auf dem Zollberg leer. Bevor ein neuer Pächter einzieht, muss das Gebäude grundlegend saniert werden. Die „Rentnergang“ des Vereins packt bereits seit Wochen kräftig an.

Esslingen - Seit dem vergangenen Jahr sind die Gitter vor dem Eingang der Waldheim-Gaststätte der TSG Esslingen an der Neuffenstraße heruntergelassen, die Rollläden geschlossen, der gastronomische Betrieb ruht. Derweil laufen Sanierungsarbeiten. Dabei tut sich besonders eine Gruppe älterer Herren hervor: der MAD.

 

MAD? Nein, nicht der gleichnamige Geheimdienst, sondern der Mittwochs-Arbeits-Dienst. Diese Gruppe der Vorruheständler und Rentner in der TSG existiert seit 1999. Die engagierten Männer sind stets da zu finden, wo angepackt werden muss. Wie jetzt bei den laufenden Sanierungsarbeiten im Waldheim. Es hämmert und rattert, Rasenmäher surren, Kreissägen kreischen. Es ist Mittwoch und die „Rentnergang“ der TSG, wie sich die Gruppe selbst nennt, ist wie jede Woche im Einsatz. Sie arbeiten am Umbau der Gaststätte, dem Herzstück der TSG-Sportanlage auf dem Zollberg.

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Seit die Pächter Alexander und Isabella Koutny im vergangenen Winter nach fast 40 Jahren in den Ruhestand gegangen sind, ist das Waldheim geschlossen. Fast alles muss erneuert werden: Die Küche wird komplett saniert, die Bühne im großen Saal modernisiert und mit zeitgemäßer Technik ausgestattet. Abwasserkanäle müssen erneuert, Fluchtwege und Brandschutz den heutigen Anforderungen angepasst werden. Die sanitären Anlagen genügen ebenfalls nicht mehr den gesetzlichen Anforderungen, unter anderem müssen in der Gastronomie Toiletten ausschließlich für das Personal vorgehalten werden. Und an den Waschbecken muss auch warmes Wasser fließen.

Alter Wasserschaden im Keller

In den vergangenen Wochen haben Ehrenamtliche des Vereins die einzelnen Räume leer geräumt und entkernt, die Küche abgebaut, die Fliesen rausgeklopft, Mobiliar zwischengelagert und Sperrmüll abtransportiert. „Wir haben allein rund 800 Kilogramm alte Rohre entsorgen müssen“, sagt Peter Uttler, der die Aufgabe der Bauleitung übernommen hat. Dabei machten die Arbeiter auch einige unliebsame Entdeckungen, wie beispielsweise einen Wasserschaden, der schon vor Jahrzehnten im Heizungskeller aufgetreten sein muss. „Ein Sorgenkind“, sagt Uttler. Oder andere Schäden, die nur mit sparsamen Mitteln notdürftig repariert wurden. „Wir erleben gerade die Schattenseiten der Hemdsärmeligkeit früherer Jahre“, sagt Uttler. „Jemand, der handwerklich ein wenig geschickt war, hat halt schnell irgendwas irgendwie repariert.“

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Schwierigkeiten bereitet laut Uttler auch das Fehlen von Plänen, in denen der Verlauf von Leitungen und Kanälen dokumentiert ist. „Auch bei der Stadt fanden wir keine Pläne“, sagt Uttler. Dort habe man aber noch gewusst, dass die Amerikaner nach dem Krieg das Waldheim als Casino genutzt hätten. Aber auch Schätze wurden gehoben: Die alte Registrierkasse der Gaststätte ist aufgetaucht, neben einer Vielzahl alter Gläser und Krüge, ebenso der Safe – alles viel zu schade, um es auszusortieren.

Neben der Erfüllung gesetzlicher Vorgaben beim Brandschutz haben sich die Verantwortlichen auch ein neues Konzept für Gaststätte, Saal und Bühne vorgenommen. „Solche Räume wie unseren Saal gibt es nicht häufig in Esslingen“, sagt der Vereinsvorsitzende Gerald Lietzenmayer. „Das ist das Pfund, mit dem wir wuchern wollen.“ So habe der Verein vor Beginn der Umbauten ein Gutachten erstellen lassen, das den Bedarf für solche Räume bestätige. Veranstaltungen, private wie geschäftliche, könnten im neu gestalteten Saal stattfinden, flankiert von einer funktionierenden Eventgastronomie. Die Bühne bietet wie bisher die Möglichkeiten für kulturelle Veranstaltungen. Theater, Comedy und Live-Musik können künftig aber mit neuester Klima- und Lüftungstechnik, professioneller Beleuchtung und Schallschutz aufgeführt werden. Der Saal und das Nebenzimmer der Gaststätte bieten künftig rund 200 Plätze, im Innenbereich des Waldheims finden 65 Besucher Platz, draußen auf der Terrasse können 150 Gäste sitzen. Auch der Außenbereich soll verschönert werden. Schwäbisch-gutbürgerliche Küche soll angeboten werden. Auch für die Verpachtung gibt es schon Interessenten. „Es hat sich herumgesprochen, dass das Waldheim einen neuen Wirt sucht“, erklärt Lietzenmayer. Mit einem Bewerber stehe man schon länger in Kontakt.

Pächter zeigen bereits Interesse

Bis zum Frühjahr wollen die TSGler fertig sein. Lietzenmayer bezweifelt aber, ob das zu schaffen ist: Die Pandemie habe viele geplante Arbeiten verzögert. Die Kosten für den Umbau beziffert der Präsident mit rund einer Million Euro. Die Rentnergang MAD und andere Freiwillige hätten bereits Eigenarbeiten im Wert von etwa 3000 Euro geleistet, aber für das meiste müssten Handwerksbetriebe eingesetzt werden – der Gewährleistung wegen. So muss die Summe gestemmt werden, über Eigenmittel, Kreditaufnahme, die Neuverpachtung sowie Zuschüsse von Stadt und Württembergischem Landessportbund – erwartet werden 25 000 Euro. Und eben auch über Spenden.

Spenden unter www.betterplace.org – „Renovierung Vereinsheim TSG Esslingen 1898 e.V.“ oder an IBAN DE22 61150020 0000 312 176.

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