Esslinger Zukunftpläne Was wird aus dem Hochschul-Campus an der Flandernstraße?

Das Interesse an der Zukunft des Campus Flandernstraße ist groß: Viele nutzten die Chance, sich vor Ort zu informieren. Foto: Roberto Bulgrin

Seit vielen Jahren ist klar, dass die Hochschule Esslingen ihren Campus Flandernstraße aufgeben wird. Noch steht nicht fest, wohin die städtebauliche Reise gehen wird. Die Architects for Future haben beim Lokaltermin erklärt, worauf bei der Planung zu achten ist.

Reporter: Alexander Maier (adi)

Wenn die Hochschule Esslingen 2026 ihren Campus an der Flandernstraße räumt, ist der Weg frei für eine städtebauliche Neuordnung des rund 70 000 Quadratmeter großen Areals. Ursprünglich sollten die Bauarbeiten zeitnah nach dem Auszug beginnen, doch davon ist die Stadt noch weit entfernt. Eine Potenzialstudie hatte vor Jahren gezeigt, welche Möglichkeiten in diesem Gelände stecken, bis heute fehlt eine verbindliche Planung. Aktuell läuft ein Werkstattverfahren – acht Planungsbüros wurden eingeladen, ein Konzept zu entwickeln. Demnächst soll sich entscheiden, wie es weitergeht. Die Gruppe Architects for Future hat zum Lokaltermin eingeladen, um zu zeigen, dass es sich lohnt, offen zu sein für neue Ideen. Das große Publikumsinteresse hat gezeigt, wie sehr die Zukunft des Areals vielen am Herzen liegt.

 

Die Architects for Future setzen sich für einen nachhaltigen Wandel in der Baubranche ein: So sollen etwa Bestandsgebäude nicht einfach abgerissen, sondern besser ganzheitlich saniert werden, Klimaschutz und -resilienz sollen gestärkt werden. Vieles von dem wollen die Architects for Future auch beim Hochschulareal an der Flandernstraße berücksichtigt sehen. Michael Durst ist überzeugt: „Das ist Esslingens größtes Nachnutzungsprojekt. Es bietet viele Möglichkeiten, aber auch viele Risiken, falsch zu handeln. Wir haben die Sorge, dass eine große Chance eventuell verpasst wird.“

„Dieser Standort hat Qualität“

Die Bibliothek bietet einen traumhaften Ausblick über die Stadt. Foto: Roberto B/ulgrin

Volker Thümmel erinnerte an die Potenzialstudie, die die Stadt 2017 in Auftrag gegeben und die wichtige Hinweise für die Zukunft des Areals geliefert hatte: „Mit Blick auf die Internationale Bauausstellung hatte man damals sehr ambitioniert gedacht. Hier sollte vielfältiges Leben entstehen. Im aktuellen Wettbewerbsverfahren ist der Blick jedoch vor allem auf das Wohnen gerichtet.“ Bis zu 650 Wohnungen könnten auf dem bisherigen Hochschul-Campus entstehen. Entscheidend ist für Thümmel, wie der Anspruch, dringend benötigten Wohnraum zu schaffen, umgesetzt wird. Die Architects for Future haben die jüngsten Entwicklungen intensiv verfolgt und in Stellungnahmen im vergangenen Juli und dann noch einmal im Dezember dafür geworben, die richtigen Weichen für die Zukunft zu stellen.

Klimaschutz muss in den Fokus

Das Interesse am Lokaltermin der Architects for Future war groß. Foto: Roberto B/ulgrin

Umso wichtiger sei es, die klimatischen Auswirkungen zu berücksichtigen, forderte Volker Thümmel beim Lokaltermin. Als Teilnehmerin am European Energy Award sei Esslingen in besonderer Verantwortung, solche Aspekte intensiv zu berücksichtigen. Die Architects werben dafür, die eingereichten Entwürfe sehr intensiv zu begutachten und dabei auch die Öffentlichkeit einzubeziehen: „Vielleicht wird es ja wirklich sehr gute Entwürfe geben. Aber die Öffentlichkeit möchte beteiligt werden – gerade bei einem Projekt dieser städtebaulichen Bedeutung.“ Die vielen Interessierten an diesem Abend haben die Architects for Future bestätigt.

Das Hochschul-Areal Flandernstraße im Wandel

Das Areal
 Der Hochschulstandort an der Esslinger Flandernstraße ist 1971 bis 1979 entstanden. Einem achtgeschossigen Seminarhochhaus sind zwei- bis viergeschossige Bauten vorgelagert, die sich gestaffelt dem Hang anpassen.

Umzug
Wenn die Hochschule Esslingen, die den Gebäudekomplex heute nutzt, 2026 in die Neue Weststadt umzieht, übernimmt die Stadt das Areal. Ein Tauschgeschäft sieht vor, dass das Land den Baugrund in der Neuen Weststadt mit 17 500 Quadratmetern Fläche für 5,8 Millionen Euro von der Stadt erwirbt. Im Gegenzug kauft die Stadt vom Land das rund 70 000 Quadratmeter große Hochschulareal an der Flandernstraße für 23 Millionen Euro. Fällig wird diese Summe kurz nach Auszug der Hochschule.

Ideen
Eine Potenzialstudie, die 2017 in Auftrag gegeben wurde, hat gezeigt, dass wesentliche Teile der heutigen Gebäude als Wohn-, Arbeits- oder Freizeitbereiche genutzt werden können. Eine Kombination mit Neubauten könne „ein spannungsvolles, hochwertiges Quartier ergeben“. Das Hauptgebäude könne als Tagungshotel, als Bürogebäude, als Wohnhaus oder in einem Mix aus Wohnen und Arbeiten genutzt werden, die Aula als Veranstaltungsraum, die Kellerräume für Vereine, die Mensa für Eventgastronomie – vielleicht auch in Kombination mit urbanen Gärten. Auf der mittleren Fläche gebe es Potenzial für Aufstockungen, Nachverdichtungen und ein Wohnhochhaus. Außerdem wären Terrassen, Restaurants, Bars oder öffentliche Gärten auf Flachdächern denkbar, hieß es damals.

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