Nach Aus für Esslinger Zwiebelfest Rennen um den Nachfolger ist eröffnet

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Das Zwiebelfest ist Geschichte. Doch schon ist das Rennen um die Nachfolge eröffnet. Der Stuttgarter Event-Gastronom Christian List will noch in diesem Jahr ein neues Fest organisieren.

Christian List (rechts) – hier mit dem Roter-Hirsch-Partner Steffen Kauderer – will die Lücke auf dem Marktplatz schließen. Foto: Ines Rudel
Christian List (rechts) – hier mit dem Roter-Hirsch-Partner Steffen Kauderer – will die Lücke auf dem Marktplatz schließen. Foto: Ines Rudel

Esslingen - Sie wollen nicht mehr. Am Montag haben die Zwiebelfestwirte ihren Entschluss öffentlich gemacht, aus Ärger über die Behandlung durch die Stadtverwaltung in diesem und im kommenden Jahr keine Sommerhocketse auf dem Marktplatz mehr ausrichten zu wollen. Schon einen Tag später präsentiert die Esslinger Stadtverwaltung nun einen potenziellen Nachfolger.

Der Stuttgarter Event-Gastronom Christian List, der seit dem vergangenen Jahr auch im Esslinger Weißinger Areal tätig ist und dort den „Roten Hirsch“ betreibt, hat nach Angaben des Esslinger Pressesprechers Roland Karpentier bereits im Dezember 2018 einen Antrag gestellt. Er will im August 2019 und 2020 zusammen mit anderen Gastronomen im Sommer zu einem Marktplatzfest einladen.

Zelte statt Lauben

„Es wird nicht mehr das Zwiebelfest sein“, betont List auf Anfrage. Allerdings werde es sich im von ihm angedachten Aufbau auch nicht wesentlich vom bisherigen Festcharakter unterscheiden. „Es wird aber keine Lauben geben“, betont List. Vielmehr wolle er mit Zelten arbeiten, „die dann allerdings alle einheitlich aussehen sollen“.

„Das ist ganz klar nur eine Interimslösung, um zu gewährleisten, dass der Marktplatz nicht zwei Sommer lang ungenutzt bleibt“, betont List. Als Kooperationspartner des Zwiebelfests im Jahr 2018 habe er im Dezember von den Überlegungen erfahren, auf eine weitere Ausgabe des Zwiebelfests zu verzichten. Nachdem die Zwiebelfestwirte nun ihren Rückzug offiziell bekannt gegeben hätten, fühle er sich frei, in die weitere Organisation zu gehen.

Er werde sich nun intensiv nach gastronomischen Partnern umsehen, die mit ihm zusammen das neue Fest auf die Beine stellen wollten. Im Jahr 2021 soll dann das von der Stadt organisierte Nachfolgefest seine Premiere feiern.

Wer den Zuschlag bekommt, ist offen

Ob List allerdings den Zuschlag für die Freilufthocketse erhält, ist momentan noch vollkommen offen. Denn entsprechend der Freiluftrichtlinien der Stadt haben Konkurrenten noch bis zum 31. März die Gelegenheit, ihrerseits die Nutzung des Marktplatzes in den Sommermonaten zu beantragen. Ist die Bewerbungsfrist abgelaufen, prüft das Ordnungsamt die Anträge und bittet um eine konkrete Ausarbeitung der Festpläne. Schließlich werde, so kündigt Roland Karpentier an, der Esslinger Oberbürgermeister Jürgen Zieger dem Gemeinderat die Entscheidung überlassen, ob die Stadt einem oder mehreren Gastronomen den Zuschlag für das Sommerfest gibt, oder ob man lieber eine zweijährige Pause einlegen und dann mit dem professionell organisierten städtischen Marktplatzhock in die Zukunft starten soll.

Zu einer gewissen Zurückhaltung rät schon einmal der SPD-Fraktionsvorsitzende Andreas Koch: Seine Partei hoffe, dass das geplante Nachfolgeprojekt unter Regie der Esslinger Stadtmarketing und Tourismusgesellschaft bald an den Start gehen könne. Koch wörtlich: „Wir warnen aber vor übertriebener Eile: Gut Ding will auch und gerade in diesem Fall Weile haben.“

„Uns wurde gesagt, der Neuanfang sei rechtlich unumgänglich“

Die Esslinger CDU, die der langjährige Festwirt Gerd Trautwein als „Totengräber des Zwiebelfests“ bezeichnet hat, reagiert gelassen: „Es gibt in unserer Stadt wirklich Wichtigeres als das Zwiebelfest“, erklärt der CDU-Fraktionschef Jörn Lingnau. Die Partei habe bis zum Schluss der Diskussion erklärt, man schätze die Arbeit der Zwiebelfestwirte sehr. Lingnau: „Allerdings hat der EST-Geschäftsführer Michael Metzler uns erklärt, dass es rechtlich unumgänglich ist, das Fest auf eine neue Basis zu stellen. Dem haben wir uns letztlich gebeugt.“ Der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Tim Hauser fordert nun, dass auch bei neuen Überlegungen, die alten Zwiebelfestwirte unbedingt berücksichtigt werden müssten.

„Wir sind sehr traurig über die Entwicklung“, erklärt Daniela Hemminger-Narr für die Freien Wähler. Allerdings könne ihre Fraktion die Entscheidung der Festwirte „voll und ganz“ verstehen und halte deren Entscheidung zum Rückzug für richtig: „Dass trotz unserer mehrfachen Aufforderung, die Stadt noch nicht wieder mit den Festwirten gesprochen hat, schockiert uns maßlos.“ Metzler hat derweil angekündigt, im zweiten Quartal des Jahres das Gespräch mit allen Gastronomen in Esslingen zu suchen, um gemeinsam mit ihnen das neue Fest auf den Weg zu bringen.