Lange Zeit zählte Christa Vossschulte zu den prägenden Persönlichkeiten in der Landespolitik und in der Esslinger Bildungslandschaft. Die Christdemokratin war Landtagsabgeordnete, Landtagsvizepräsidentin und Rektorin des Theodor-Heuss-Gymnasiums. Und auch im Ruhestand hat sie sich vielfältig engagiert. Am Sonntag feiert die gebürtige Bayerin ihren 80. Geburtstag. Viele denken bei ihrem Namen an eine Frau, die stets sachlich und gerne auch couragiert für ihre Überzeugungen eingetreten ist, weil ihr Verlässlichkeit und ein klarer Kurs in der Politik wichtig sind. Und weil sie jungen Menschen das bestmögliche Rüstzeug für eine gute Zukunft mitgeben wollte.
Aufrecht, redlich und gebildet
Christa Vossschulte ist Politikerin und Pädagogin durch und durch. Auch wenn sie ihre Interessen in jungen Jahren eher beim Reiten verortete, hat sie Germanistik und Anglistik studiert, um in den Schuldienst zu gehen. So kam sie 1974 ans Theodor-Heuss-Gymnasium. 1982 wurde Vossschulte als Referentin ins Ministerium für Kultus und Sport berufen, um dann von 1989 bis 2007 die Leitung des „THG“ zu übernehmen, wo sie Maßstäbe für Qualität gesetzt hat. Fragt man Vossschulte, welche Werte sie Schülerinnen und Schülern vermitteln wollte, kommt die Antwort prompt: „Aufrichtigkeit. Redlichkeit. Und das Wissen darum, dass geistige Bildung ein erstrebenswertes Gut ist.“ Bildungsideale hielt sie hoch: „Gerade die Literatur kann einem für das ganze Leben so viel geben. Nur wenn wir jungen Menschen einen Zugang eröffnen, können sie entscheiden, ob ihnen zum Beispiel ein Goethe etwas gibt oder nicht. Wenn es die Schule nicht mal mehr versucht, darf man sich nicht wundern, wenn Schülerinnen und Schüler solche Werke nicht mehr lesen.“
Christa Vossschulte hat sich neuen pädagogischen Konzepten nicht verschlossen, es aber auch klar gesagt, wenn sie fand, dass eine noch so gut gemeinte Reform nicht zum Ziel führt. Dass ihr der frühere CDU-Landtagsabgeordnete Fritz Hopmeier bescheinigt hat, sie sei nicht unbedingt für den diplomatischen Dienst geboren, nahm sie mit einem Lächeln. „Breites Kreuz, dickes Fell“ – so wurde sie einmal charakterisiert. Wobei viele sogleich ergänzten, dass hinter der bisweilen rauen Schale ein großes Herz schlage, das sich im vertrauten Gespräch rasch zeige.
Aufrechte Mahnerin
Ihr Weg in die Landespolitik war nicht unbedingt vorgezeichnet. Als der frühere Wirtschaftsminister Martin Herzog kurz vor Schulanfang 1989 sein Amt als Esslinger Landtagsabgeordneter niederlegte, rückte Christa Vossschulte als Zweitkandidatin nach. Ob ihrer bildungspolitischen Expertise wurde sie 1991 zur hochschulpolitischen Sprecherin der CDU-Fraktion ernannt, 2001 wurde sie gar zur Vizepräsidentin des Landtags gewählt. „Meine Hinwendung zur Politik geschah in erster Linie aus dem Wunsch heraus, unser Bildungssystem und seine weltweit anerkannte Qualität zu stärken und auszubauen“, hat sie später einmal bekannt. Bildungspolitik sowohl auf dem Reißbrett im Landtag als auch in der Umsetzung im Klassenzimmer gestalten zu können, habe sie als Glücksfall empfunden. Frühzeitig hat die passionierte Pädagogin vor Fehlentwicklungen in der Bildung gewarnt. Dass vieles trotzdem so gekommen ist, sieht sie mit wachsender Sorge.
Auch nach ihrem Ausscheiden aus dem Landtag 2011 setzte Christa Vossschulte ihr Engagement fort. Zehn Jahre lang war sie Präsidentin des Landesverbands der Musikschulen, was ihr besonders am Herzen lag: „Musische Bildung ist so wichtig für Kinder und Jugendliche. Wir müssen alles dafür tun, dass sie nicht auf der Strecke bleibt.“ Für ihr vielfältiges Wirken wurde Christa Vossschulte wiederholt ausgezeichnet – unter anderem darf sie sich mit dem Titel einer „Dame des Ordens des Heiligen Papstes Silvester“ schmücken. Als ihr Bischof Gebhard Fürst diese Auszeichnung überreichte, bescheinigte er der Geehrten, sie habe durch ihr mannigfaltiges Wirken „vielen Menschen Mut gemacht, die eigenen Talente zu nutzen und in tätiger Nächstenliebe im Sinne von Caritas auf unterschiedlichen gesellschaftlichen Feldern zu wirken“.
Raus aus dem Elfenbeinturm
Christa Vossschulte hat es erklärtermaßen nie bereut, dass sie dem Lehrerberuf trotz ihres zeitraubenden Landtagsmandats immer treu geblieben ist. Die Arbeit in der Schule sowie der Kontakt zu Schülern, Eltern und Lehrern habe sie oft vor Illusionen und dem berühmten Elfenbeinturm in der Politik bewahrt. Und auch wenn das Privatleben viel zu oft gelitten hatte, bekennt Vossschulte gern: „Ich würde dasselbe wieder machen.“