Schöne Altstadtkulisse und leckeres Essen – das alles bietet das Esslinger Estival. Was zum Start am Wochenende fehlte, war der Sommer. Die Veranstalter hadern dennoch nicht.
Ein dunkler Wolkenhimmel und Temperaturen, bei denen man besser nicht ohne Jacke aus dem Haus geht: Das Wetter am ersten Estival-Wochenende fühlte sich überhaupt nicht wie Sommer an. Die Open-Air-Gastronomie auf dem Esslinger Marktplatz musste auf laue Abende verzichten. Die gute Nachricht ist, dass es noch schlechter hätte kommen können. „Oft war das Wetter besser als vorhergesagt“, bilanzierte Petra Pfeiffer, die Leiterin des Veranstaltungsmanagements der Esslinger Markt- und Eventgesellschaft (EME), die den Regenradar immer im Blick hatte. Während der Öffnungszeiten blieb es meistens trocken oder es nieselte lediglich.
Pfeiffer sprach deshalb von einem guten Start der vierten Auflage des Estivals. „Es war eine fröhliche Stimmung“, sagte sie, die Gastronomen seien zufrieden. Dass es schon seit so vielen Tagen regnerisch und kühl ist, könnte sich als Vorteil erweisen. „Die Menschen haben sich daran gewöhnt und möchten trotzdem rausgehen und etwas unternehmen“, sagt Pfeiffer. Zumal die 18 hübsch dekorierten Holzlauben, in denen sechs Hauptgastronomen noch bis zum 13. August besondere Gaumenfreuden servieren, auch noch gemütlich und wetterfest seien. An den Tischen und Bänken außerhalb stehen fast überall große Sonnenschirme, die notfalls auch Regentropfen abhalten können.
Auch Ifigenia Ciriacopoulou von der Galleria Zeus zeigte sich mit dem Auftakt zufrieden. „Die Tische waren voll, aber es war auch nicht überlaufen. Genau richtig, um als Neuling reinzukommen“, sagte sie. Die Wirtin und ihr Bruder Apostolis Ciriacopoulous gehören in der Esslinger Gastronomie zu den Urgesteinen. Seit 25 Jahren betreiben sie ein griechisches Lokal in der Bahnhofstraße und eine Dependance an der Römerstraße. Auf dem Estival sind sie jedoch zum ersten Mal vertreten, und die logistischen Abläufe in den Lauben-Küchen sind eine Herausforderung. Denn alles wird vor Ort frisch zubereitet, wofür die Wirtinnen und Wirte fast ihre komplette Infrastruktur auf den Marktplatz verlagern müssen. Wegen eines Stromausfalls funktionierte in der Galleria zeitweise die Fritteuse nicht, sodass die Gäste anfangs auf die krossen Kartoffelspieße verzichten mussten. „Am Ende ging wieder alles und die Stimmung war klasse“, berichtete die Wirtin, das Feedback der Gäste sei insgesamt gut.
Wetter auf dem Estival Esslingen: „Regen tut immer weh“
Der Küchenchef Christian List vom Roten Hirsch indes ist Routinier auf dem Estival und präsentiert dort moderne schwäbische Küche mit internationalem Einfluss. „Regen tut immer weh“, sagte der Wirt über das Auftakt-Wochenende. Für eine Bilanz sei es aber noch viel zu früh. Ein paar Gäste hätten ihre Reservierung wieder storniert, obwohl das Wetter stabiler als erwartet gewesen sei. „Die Leute wollen eben einen schönen Sommerabend genießen, das konnten wir bislang leider nicht bieten“, sagte er. Insgesamt beobachte er eine gewisse Konsumzurückhaltung bei den Gästen.
Schlemmen und Kultur auf dem Estival Esslingen
Das Estival ist aber nicht nur Schlemmer-Festival. Neben Kulinarik wartet es zudem mit einem kulturellen Programm auf. Jeden Abend gibt es Live-Musik oder DJs sind auf der Marktplatz-Bühne oder bei der Joe-Penas-Bar zu Gast. „Es war alles sehr gechillt“, sagt Petra Pfeiffer über die Atmosphäre. Am Sonntag war Kinder- und Familientag mit vielen Aktionen wie Kinderschminken, einem Spieleparadies und speziellen Menüs für die Kleinen.
Charity-Weinglas auf dem Estival – Was bedeuten die Farbkleckse?
Zum Estival gibt es erstmals auch ein besonderes Weinglas, das der Künstler Johan Bylund gestaltet hat. Er stammt ursprünglich aus Schweden und lebt seit vielen Jahren in Esslingen. Etliche seiner Bilder zeigen Motive aus Esslingen, so auch das Weinglas. „Ich habe noch nie Bilder von mir auf Glas gesehen und war sehr froh, dass ich das machen durfte“, sagte der Künstler. Das Glas ist nicht nur schön anzusehen, sondern erfüllt auch einen guten Zweck: Es kostet 9,90 Euro, wovon fünf Euro an den Esslinger Tagestreff St. Vinzenz gehen, einer Einrichtung der Obdachlosenhilfe.
Weinglas für den guten Zweck: Hier wird es verkauft
Am Samstag wurde das Glas am Stand der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen, die Sponsor des Estivals ist, vorgestellt. „Das Motiv kommt sehr gut an“, sagte Marcus Wittkamp, der bei dem Kreditinstitut für das gesellschaftliche Engagement verantwortlich ist. Es gebe aber immer wieder Nachfragen, was die rosa Kleckse auf der Burgsilhouette zu bedeuten hätten. Solche Akzente setze er häufig, erklärte der Künstler Johan Bylund. In diesem Fall sollen sie die Verbindung zum Estival schlagen, das ein Farbtupfer für Esslingen ist und im Übrigen mit pinkfarbenen Plakaten auf sich aufmerksam macht. „Wir freuen uns sehr über die Aktion, das hilft uns sehr“, bedankte sich Erika Baur, die pädagogische Leiterin des Vinzenz-Treffs. Das Glas ist in der Stadtinfo am Marktplatz und in der Vinothek erhältlich.
Kulinarik und Kunst
Öffnungszeiten
Beim Estival laden Gastronomiebetriebe aus der Stadt und Region Esslingen zum Schlemmen ein. Das Angebot reicht von klassisch-schwäbisch bis international. Neben Bewirtung in den Lauben gibt es auf der Flaniermeile entlang der Stadtkirche auch kulinarische Köstlichkeiten to go. Das Estival geht noch bis Mittwoch, 13. August, und hat folgende Öffnungszeiten: Von Montag bis Donnerstag von 17 bis 23 Uhr, Freitag von 17 bis 24 Uhr, am Samstag von 11.30 bis 24 Uhr und sonntags von 11.30 bis 23 Uhr.
Programm
Neben Kulinarik gibt es jeden Tag auch Kultur. Einer der Höhepunkte sind am Dienstag, 5. August, und Mittwoch, 6. August, die Straßenkunsttage. Die Künstler präsentieren Jonglage, Magie, Tanz und Live-Malerei. Am Sonntag, 10. August, steht ab 11. 30 Uhr der Jazz-Lunch mit Shanti Tzeggai auf dem Programm. Fester Bestandteil des Estivals sind täglich zudem Führungen in der Altstadt, in den Weinbergen oder bei Kessler.